Vom Wegschauen und Hinschauen: Linda Semadeni zeigt ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Kirchgasse in Steckborn.

Linda Semadeni am Untersee: Die Zürcherin aus dem Puschlav zeigt ein Wechselspiel zwischen Kontrolle und Enthemmung. Kommendes Wochenende ist bereits Finissage.

Dieter Langhart
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So sieht Linda Semadeni in der Galerie Kirchgasse aus.

So sieht Linda Semadeni in der Galerie Kirchgasse aus.

(Bild: PD/Björn Allemann)

«Wir waren zu fünft an der Vernissage – und feierten unten am See.» Corona hat Galerist Erich Hausammann einen Strich durch die Frühlingsplanung gemacht; die Ausstellung der Bündner Künstlerin Linda Semadeni ist darum auch verlängert worden.

Linda Semadeni.

Linda Semadeni.

(Bild: PD)

Sie lohnt einen Besuch, denn Semadeni, Jahrgang 1985, ist eine ebenso verspielte wie beharrliche Künstlerin. In der Galerie Kirchgasse gegenüber der Eingangstüre läuft ein kurzes Video in Endlosschleife – die Künstlerin verdreht die Augen in ihrer Arbeit «not titled yet: noch ohne Titel». Sie meint das Wegschauen durchaus ironisch, denn wegschauen sollte man definitiv nicht bei ihren Bildern.

In der Galerie Kirchgasse.

In der Galerie Kirchgasse.

(Bild: PD/Björn Allemann)

Geschickt nutzt Semadeni die weisse Wand, die Hausammann vor wenigen Jahren als Teilwand eingezogen hat: vorn der helle Hauptraum, dahinter ein Separee mit dem uralten Eichenständer. Ihre drei grossformatigen und thematisch verbundenen Bilder sind nur dann gleichzeitig sichtbar, wenn man an der Stirnseite der Trennwand steht: links das komplexeste, rechts die beiden schlichteren, die fast wie Vorstudien wirken. Die Bilder hat sie mit Mut und Selbstvertrauen gezeichnet und gemalt, mit raschem Strich, mit Stift, Pinsel, Spraydose, in Schwarz und in frechen bis grellen Farben. Und was abstrakt erscheint, wird beim Betrachter zusehends zu einer Geschichte. Noch titellos die beiden rechts, «sie liegen und hängen neben uns und wir sehen durch sie durch» jenes links.

Mal knallig, mal poetisch und zart

In der Galerie Kirchgasse.

In der Galerie Kirchgasse.

(Bild: PD/Björn Allemann)

Wir sollen unserem Riecher folgen, sagt uns die Künstlerin mit der vielfach übermalten und übersprayten Leinwand «Follow your nose» neben dem Videoloop. Die Zürcherin aus dem Puschlav spielt mit Kontrasten: Knallig wie eine Kinderzeichnung ist «Erinnerung ans Hirn» im hintern Raum – poetisch die zarte, mäandernde Einstrichzeichnung auf einer luftigen Stoffbahn vorn. Mit sparsamen Mitteln, mit Schärfe und Schummrigkeit schafft Linda Semadeni tiefe, fast körperlich wirkende Bilder.

«Sie stösst an, entgleist, wechselt die Spur.»

Das schreibt Kuratorin Anne Gruber zu dem «Wechselspiel zwischen Enthemmung und Kontrolle».Semadeni schreibt auch. Draussen, im Fenster links, hängt ein Text für Stefan Burger – hinterlegt von einer Zeichnung Stefan Burgers. Die Galerie Kirchgasse hatte kürzlich seine verspielt skurrilen Objekte und Installationen gezeigt. Und auf einem Fenstersims steht die winzige Skulptur «Model».

Do/Fr 11–18, Sa 10–17 Uhr, Finissage Sa, 20.6., 15–18 Uhr. www.kirchgasse.com

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