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Thurgauer schafft es in einem Jahr vom Rapper zum Comedian

Per Zufall ist Kiko zum Stand-Up Comedian geworden. Nach nur einem Jahr hetzt er bereits von Bühne zu Bühne. Der 33-Jährige ist in Amriswil aufgewachsen und betreute schon das jamaikanische Bobteam bei Olympia.
Maria Keller
Stand-Up Comedian Kiko am Bahnhof Winterthur. (Bild: Reto Martin)

Stand-Up Comedian Kiko am Bahnhof Winterthur. (Bild: Reto Martin)

Es ist 10 Uhr morgens in einem Café am Limmatquai in Zürich. Frank Hernandez Cabrera alias Kiko schüttet zwei Päckchen Zucker in seinen Cappuccino und beginnt zu erzählen – ohne Punkt und Komma.

Davon, wie er 1991 mit seinen zwei Brüdern von der Dominikanischen Republik in die Schweiz kam, ein Jahr nach seiner Mutter und seiner Schwester. Nach Märstetten, Kradolf, Hefenhofen und Amriswil, bis er mit 14 Jahren in St. Gallen hängen blieb. Wie er die Wirtschaftsmittelschule absolvierte und schliesslich mit seinem Bruder das Rapper-Duo «Kiko und Boro» gründete.

Fast fünf Jahre blieb Kiko im Musikbereich. Es folgten vier Jahre Büroarbeit bei seinem Labelchef, das Coaching des jamaikanischen Bobteams bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi und schlussendlich ein Zufall, der ihn dorthin führte, wo er heute steht: «Bei einem Interview mit der Weltwoche erwähnte ich, wie ich mich immer schon für Stand-Up Comedy interessiert hatte. Der Redaktor hatte Kontakte in der Szene.» Kurze Zeit später stand Kiko das erste Mal als Comedian auf der Bühne. Und ist heute, ein Jahr später, in der Schweiz auf der Überholspur.

Mit Humor gegen negative Energie

Kiko redet und redet. Fragen sind überflüssig, er spricht sowieso lieber frei von der Leber weg. Die Zigarette bleibt unangezündet in der Hand, Atemholen scheint nicht nötig zu sein. Der Redestil passt zu seinem Alltag. Denn seit einem Jahr rennt der 33-Jährige von hier nach da. Bern, Zürich, Luzern, Bern. Und in Deutschland beginnt er gerade erst, Bühnenluft zu schnuppern.

Soeben war Kiko mit dem Berner Instagram-Star Gabirano in Hongkong für das gemeinsame Bühnenprogramm «Lost in Hongkong», das im Dezember Premiere feiert. Daneben stehen eine Solo-Tour, ein Open Comedy Auftritt mit Komiker Salim Samatou und Darbietungen in der Schweiz und Deutschland auf dem Programm.

Die Kellnerin bringt er auch zum Lachen

«Ich bin gerade gestresst», sagt Kiko und bestätigt damit, was sich aufgrund seines pausenlosen Redeschwalls schon vermuten lässt. «Ich habe keine Zeit, durchzuatmen, aber das entscheide ich selbst so. Ich sage mir: Mache ich es, so mache ich es richtig!» Diese Einstellung bewährt sich. Im September gewann Kiko den Young Talents Award.

(Bild: Reto Martin)

(Bild: Reto Martin)

Trotz der pausenlosen Arbeit ist er nach wie vor motiviert und überzeugt, das Richtige getan zu haben. «Ich weiss nicht, wie unglaublich schnell ich hier gelandet bin, aber ich liebe, was ich mache. Am liebsten würde ich jeden Abend auf der Bühne stehen und das Publikum zum Lachen bringen.» Was ihm auch gelingt. Auf und neben der Bühne. Die Kellnerin im Café an der Limmat schmunzelt nach einem lockeren Spruch von Kiko.

Auf ein Bier mit Giacobbo und Divertimento

Seine Witze orientieren sich an persönlichen Anekdoten. «Die Gags gehen mir mühelos über die Lippen, da ich das Meiste selbst erlebt habe», sagt er. Seine Spezialität: Spontancomedy.

«Als Kind war ich der kleine dicke Bruder, der sich mit seinem Mundwerk durchzusetzen wusste.»

Dies zog sich durch: in der Schule, im Freundeskreis. «Ich habe viel Schlimmes erlebt und auch ich habe Probleme, doch mit Humor mache ich mir das Leben besser. Egal in welcher Situation, ich habe immer meinen Humor behalten und Sprüche geklopft.» Humor als Schutzschild gegen negative Energie, das sei seine Devise.

Gerade ist Kiko in der Phase, in der er sich selbst erfindet: «In der ich herausfinden muss, wie viel Bier vor der Aufführung am besten ist und die Leute mich erst kennenlernen.» Mit Leute meint er auch andere Komiker. «Nach den Comedy Awards war ich auf ein Bier mit Giacobbo, Johnny Fischer von Divertimento und Gabirano.» Mit Stefan Büsser stand er schon auf der Bühne.

«Die Schweiz ist klein. Du bist darauf angewiesen, mit den anderen Komikern gut klarzukommen.»

Und von ihnen zu lernen. «Klar, sie sind die Konkurrenz, aber wir sind auch eine grosse Familie.»

Das heimliche Ziel ist ein volles Hallenstadion

Kikos Beruf ist noch gleichermassen Leidenschaft und Hobby. In der Routine, in der er jeden Abend die gleichen alten Witze erzählen müsse, sei er noch nicht angekommen. «Egal, wie oft ich den Witz schon erzählt habe: Wenn das Publikum lacht, werde ich immer wieder aufs Neue glücklich. Ausserdem habe ich schon viele Gags und neue Ideen für die nächsten Jahre im Hinterkopf.» Sein heimliches Ziel ist es, einmal das Hallenstadion zu füllen. «Du musst gross träumen, um weiterzukommen.»

Es folgt ein lockerer Spruch zur Kellnerin, eine kollegiale Umarmung und schon ist Kiko wieder weg. «Mein Handy flicken lassen. Ohne dieses Ding bin ich aufgeschmissen.»

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