Vom Bolzplatz auf den Bock: Am Montag wird Severine Hänni höchste Frauenfelderin

Der Gemeinderat wählt am Montag mit Severine Hänni die fünfte Frau in Folge ins Ratspräsidium. Damit fasst die 33-jährige SVP-Politikerin, die viel Führungserfahrung mitbringt, als Politikerin definitiv Fuss.

Samuel Koch
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Ihre Leidenschaft Fussball rückt für Severine Hänni in Zukunft in den Hintergrund. (Bild: Andrea Stalder)

Ihre Leidenschaft Fussball rückt für Severine Hänni in Zukunft in den Hintergrund. (Bild: Andrea Stalder)

Auf dem Fussballplatz gibt sie die Sturmspitze ab. Im Gemeinderat jedoch übernimmt Severine Hänni bald die Führung. Am Montagabend wählt das Stadtparlament die 33-jährige SVP-Politikerin zur höchsten Frauenfelderin, worauf sich Hänni einerseits sehr freut. Andererseits wird sie deswegen nach Ablauf der Fussballsaison bei den Damen des FC Frauenfeld in der 3. Liga die Stollenschuhe an den Nagel hängen.

«Einige meiner Teamkolleginnen sind mittlerweile 18 Jahre jünger als ich, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt.»

Das sagt sie mit wehmütiger Stimme. Ihre Position als Stürmerin zeigt sich auch in ihrem Charakter. «Ich schiesse lieber Tore als sie zu verhindern», sagt sie. Politisch sei sie eine Macherin, die ihr Steckenpferd vor allem im Finanzbereich sieht. «Das ist meinem Beruf geschuldet», sagt die diplomierte Wirtschaftsprüferin, die in Aadorf tätig ist. Auf Torejagd geht sie immerhin noch beim FC Gemeinderat, bei dem sie schon dreimal mitspielen konnte. Zwar sei das Spiel gegen Männer schon eher schwierig aber eine Herausforderung, die sie annimmt. Nun kommt ihr die Ehre zuteil, in der Mannschaft von Andreas Elliker die Kapitänsbinde zu übernehmen.

Überraschend schnell ins kalte Wasser geworfen

In die Wiege gelegt war Severine Hänni die Politik zwar nicht. Dank ihrer Mutter Brigitte, die sich zwölf Jahre ebenfalls für die SVP im Gemeinderat engagierte, sei sie doch schon früh mit Politik in Berührung gekommen.

«Ohne sie hätte ich den Weg auf die Politbühne wohl nicht so früh gefunden.»
Brigitte Hänni, alt Gemeinderätin SVP und Mutter von Severine Hänni. (Bild: Reto Martin)

Brigitte Hänni, alt Gemeinderätin SVP und Mutter von Severine Hänni. (Bild: Reto Martin)

Bei den Wahlen 2015 belegte die damals 29-Jährige den ersten Ersatzplatz. Damals habe sie sich – noch Ausbildung zur Wirtschaftsprüferin – für die Gesamterneuerungswahlen aufstellen lassen. «Man sagte mir, dass ich wohl erst nach zwei Jahren nachrutschen könnte», sagt Hänni. Tatsächlich aber sass sie bereits nach zwei Monaten im Gemeinderat, weil Stefan Zahn zurückgetreten war. «Ich war überrascht und wurde schon ins kalte Wasser geworfen», erinnert sie sich. Da ihr neben der Ausbildung eher wenig Zeit zur Verfügung stand und die Kommissionen schon besetzt waren, nahm sie noch in nirgends Einsitz. Jedenfalls habe sie auch deshalb die Anfrage fürs Gemeinderatspräsidium angenommen.

«Auch wenn ich jetzt ein Jahr lang eher wenig aktive Politik betreiben kann.»

Hänni beschreibt sich als vielseitig interessiert und offen, «aber manchmal bin ich auch etwas chaotisch», sagt sie und schmunzelt. In der SVP, die sich trotz den jüngsten Wahlverlusten als wählerstärkste Partei nicht verstecken müsse, fühlt sie sich seit je her wohl, versteht sich als Vertreterin der liberalen Ecke und rückt auch gerne einmal von der Parteilinie ab. «Beim Landverkauf an Twerenbold etwa gewichtete ich auch Interessen der Anwohner und nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte.»

Vorfreude auf ein spannendes Jahr

Jetzt freut sie sich auf ein spannendes und abwechslungsreiches Jahr als höchste Frauenfelderin – notabene bekleidet das Amt nach Eveline Buff, Ursula Duewell, Susanna Dreyer und Barbara Dätwyler bereits zum fünften Mal in Folge eine Parlamentarierin.

«Das ist cool, vor allem weil wir auch abgesehen von der Partei ganz unterschiedliche Frauen sind.»

Das meint Hänni. In ihrem Präsidialjahr freut sie sich am meisten darauf, an den diversen Anlässen viele neue Bekanntschaften zu machen und Frauenfeld und seine vielen Vereine von einem anderen Blickwinkel aus wahrzunehmen.

FCF-Spielerin Severine Hänni auf dem Sportplatz Kleine Allmend. (Bild: Andrea Stalder)

FCF-Spielerin Severine Hänni auf dem Sportplatz Kleine Allmend. (Bild: Andrea Stalder)

Zuvor stehen jetzt aber in der zu Ende gehenden Fussballsaison noch einige wichtige Spiele an. Nach dem Rücktritt bleibt Hänni dem FC Frauenfeld als Vorstandsmitglied erhalten. Politisch führt sie den Gemeinderat durch das erste Viertel der Legislatur. Zu Hause kümmert sie sich um ihre beiden Katzen Jimmy und Mina und freut sich über die Zeit mit Familie und Freunden und vor allem den beiden Gotte­maitli. Sie wird jetzt vermehrt mit den Freizeitschuhen unterwegs sein. Ihre Leidenschaft fürs Reisen und Halbmarathonläufe werden in diesem Jahr sicher auch etwas zu kurz kommen.