Volley Amriswil gehen die Gegner aus

Auf nationalem Parkett sind die Thurgauer derzeit konkurrenzlos. Neun Siege in neun Spielen in der NLA der Männer und der Verlust von lediglich drei Sätzen sprechen eine deutliche Sprache.

Matthias Hafen
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Amriswils Trainer Marko Klok formte aus zahlreichen neuen Spielern rasch ein funktionierendes Kollektiv. (Bild: Mario Gaccioli, Jona, 13. Oktober 2018)

Amriswils Trainer Marko Klok formte aus zahlreichen neuen Spielern rasch ein funktionierendes Kollektiv. (Bild: Mario Gaccioli, Jona, 13. Oktober 2018)

Amriswil gegen Lausanne vom kommenden Samstag im Tellenfeld wäre eigentlich ein Spitzenspiel. Es ist der Vergleich zwischen dem NLA-Leader aus dem Thurgau und dem Tabellendritten vom Genfersee. Und weil die Lausanner den Amriswilern in der Vorsaison bereits den Supercup weggeschnappt haben, könnte man tatsächlich eine enge Kiste erwarten. Doch alles andere als ein weiteres Schaulaufen des unbesiegten Tabellenführers wäre eine grosse Überraschung.

Neun Runden sind in der NLA der Männer gespielt. Und die Differenz zwischen Herausforderer Amriswil und Titelverteidiger Lausanne beträgt bereits neun Punkte. Auch das zweitplatzierte Schönenwerd, die Überraschung der aktuellen Saison, musste in der Tabelle bereits abreissen lassen und liegt schon sieben Zähler hinter Volley Amriswil. So betrachtet gehen den Thurgauern auf nationalem Parkett die Gegner aus. Kein Schweizer Team schafft es noch, die Mannschaft des niederländischen Trainers Marko Klok ernsthaft zu fordern. Zumindest nicht, wenn Amriswil in Bestbesetzung und fokussiert antritt.

Wird Klok nun in Holland zum Thema?

Der aktuelle Erfolg von Volley Amriswil ist keine Selbstverständlichkeit. Mit dem Trainerwechsel von Ratko Pavlicevic zu Marko Klok und dem Abgang zahlreicher Schlüsselspieler fand im Sommer ein Umbruch statt. Ein Einschnitt, der in anderen Vereinen zu einem erheblichen Substanzverlust geführt hätte. Nicht in Amriswil. Die Thurgauer haben in Klok auf Anhieb einen Trainer gefunden, der mit seiner besonnenen Art bestens zum ländlich geprägten Verein passt und aus den vielen neuen Spielern sehr schnell ein funktionierendes Kollektiv geformt hat. Es würde nicht überraschen, wenn Kloks Erfolge mit Volley Amriswil auch in seiner Heimat wahrgenommen werden. Dort ist der nationale Verband nach der Demission von Gido Vermeulen aktuell auf der Suche nach einem neuen Nationalcoach.

Auch punkto Teamzusammenstellung haben Amriswils Verantwortliche um Interimspräsident Peter Bär im Sommer alles richtig gemacht. Die Mannschaft spielt variabel, offenbart kaum Schwächen und kann Ausfälle bestens kompensieren. Vor allem aber überzeugt sie als Einheit und kommt so ohne überragenden Einzelspieler aus, wie es etwa Adrien Prével bei Lausanne ist. Fehlt eigentlich nur noch, dass Volley Amriswil vermehrt eigene Nachwuchsspieler ins NLA-Kader integriert. Der Unterbau mit der beispielhaften Talentschule wäre dafür vorhanden.

Nach 21 Runden beginnt alles wieder bei Null

Mit dem beeindruckenden Saisonstart auf nationaler Ebene dürften die Ziele von Volley Amriswil aber je länger je mehr über die NLA hinausgehen. Und um im Europacup zu reüssieren, ist eine multinationale Equipe für einen Schweizer Verein unabdingbar. Und schliesslich ist das Vorhaben der Thurgauer in dieser Saison auch, so viele Titel wie möglich zu gewinnen. Die gute Neuigkeit für Amriswils Gegner in der NLA: Nach 21 Qualifikationsrunden geht der Kampf um den Meistertitel im März wieder ganz von vorne los. Dies, weil sich ohnehin alle acht NLA-Clubs fürs Playoff qualifizieren. Die laufende Qualifikation ist deshalb nicht mehr als ein Gerangel um die beste Ausgangslage. Das wissen sowohl die Verfolger Schönenwerd und Lausanne, aber auch Amriswils Trainer Klok und seine noch unbesiegte Mannschaft.

Reise nach Bosnien

Im europäischen CEV-Cup setzte sich Volley Amriswil in zwei überragenden Spielen gegen Groningen aus den Niederlanden durch. In den Achtelfinals wartet nun Mladost Brčko aus Bosnien-Herzegowina auf die Thurgauer. Das Hinspiel findet am Mittwoch, 19. Dezember, um 19 Uhr in Amriswil statt. Das Rückspiel geht am Mittwoch, 16. Januar, um 19 Uhr in Brčko über die Bühne. Bei einem Weiterkommen winkt Amriswil ein Duell gegen das italienische Spitzenteam Trentino. (mat)