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Junge Grüne im Thurgau profitieren von seiner Energie

Mehr zufällig ist Simon Vogel vor etwas mehr als einem Jahr Präsident der Jungen Grünen Thurgau geworden. Auch dank ihm ist die Jungpartei im Kanton wieder erstarkt. Das Engagement des Frauenfelder Elektrotechnikers füllt seinen Terminkalender.
Larissa Flammer
Simon Vogel, Präsident der Jungen Grünen Thurgau, in der Frauenfelder Altstadt. (Bild: Reto Martin)

Simon Vogel, Präsident der Jungen Grünen Thurgau, in der Frauenfelder Altstadt. (Bild: Reto Martin)

Simon Vogel hat anstrengende Wochen hinter sich. Bei fast allen Kantonalparteien war der Präsident der Jungen Grünen Thurgau zu Gast, um die Zersiedelungsinitiative vorzustellen. Dazu kamen Pressekonferenzen, das Aufhängen von Plakaten, der Abstimmungskampf. «Ich musste auch meine Familie und Freunde etwas vertrösten. Nach dem 10. Februar habe ich zum Glück wieder mehr Zeit für sie», sagt der 25-Jährige.

Auch der Termin für dieses Gespräch fällt in diese stressige Zeit. Da trifft es sich gut, dass Vogel gleich oberhalb des Frauenfelder Lokals wohnt, in dem das Treffen stattfindet. «Ich bin froh, wieder zurück in Frauenfeld zu sein.» Aufgewachsen ist Simon Vogel in Dussnang, doch schon sein Vater wohnte in der Hauptstadt und er selber hat hier die Lehre als Elektroniker gemacht. «Viele Kollegen leben hier, ich habe mir auch das städtischere Umfeld gewünscht.» Reizen würde es den jungen Mann sogar, mal eine Zeit lang in der Grossstadt Paris zu leben.

Entschuldigung für Ablehnung

Im Moment konzentriert sich Simon Vogel auf Frauenfeld – und auf Bern: «Ich weiss nicht mehr, wie oft wir an einem Freitagabend dort mehrstündige Sitzungen mit dem Komitee der Zersiedelungsinitiative hatten.» Es ist das erste Mal, dass eine nationale Initiative der Jungen Grünen zur Abstimmung kommt.

Im Vergleich zu anderen Parteien hat die Jungpartei viel weniger Geld zur Verfügung, dafür engagieren sich viele Leute freiwillig. Diese Energie, die entsteht, wenn Gleichgesinnte zusammenarbeiten, gibt Vogel viel Motivation. Doch er schätzt auch den Diskurs. «In der eigenen Filterblase zu leben, ist nicht nur schön.»

Deshalb hat es ihm auch nichts ausgemacht, dass die anderen Parteien trotz seines Auftritts bei ihnen und seiner Argumente die Nein-Parole beschlossen haben. «Es war schon super, dass uns fast alle eingeladen haben. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden.» Nach seinem Auftritt bei der FDP Thurgau hat er sogar zwei Nachrichten erhalten mit Lob und einer Entschuldigung, dass man anderer Meinung ist. Die Gespräche nach den Versammlungen hat der Jungpolitiker sehr konstruktiv wahrgenommen. «Wenn wir vorwärts machen wollen, müssen wir miteinander reden.»

Der Klimawandel kommt

Dieser Wille zum Vorwärtsmachen ist es, der Vogel zur Politik gebracht hat. «Der Klimawandel kommt. Wir müssen uns dem heute stellen, sonst können wir in 30 Jahren sehen, was noch zu retten ist.» Und dass die alten Ideen das Problem lösen, glaubt er nicht. «Es braucht junge Leute, neue Ideen und offenes Denken.»

In seiner Heimatgemeinde Fischingen war Simon Vogel 2014 Gründungsmitglied der Grünen Ortspartei. Auch bei den Jungen Grünen Schweiz war er schon Mitglied, als er vor etwas mehr als einem Jahr an einer nationalen Veranstaltung teilnahm. «Da bin ich gefragt worden, ob ich aus dem Thurgau komme.»

Im Kanton war die Jungpartei damals fast verschwunden, neue Leute waren gesucht. «Da wird man ziemlich schnell Präsident», sagt Vogel mit einem Lachen. Seit einem Jahr steht er nun der Thurgauer Partei vor, mittlerweile sind wieder um die 20 Leute dabei. «Im Herbst werden wir auch mit einer Liste für den Nationalrat antreten.»

Beide Grossväter waren mal Grossratspräsident

Früher am Familientisch der Vogels war Politik kein Hauptthema. «Umweltthemen haben uns aber immer beschäftigt.» Und beide Grossväter von Simon Vogel waren Politiker – und sogar beide mal Präsidenten des Thurgauer Grossen Rats. Einer war in der SVP, einer in der FDP. «Leider lebt nur noch ein Grossvater. Er freut sich sehr, dass ich mich politisch engagiere.»

Dass es sich lohnt, davon ist Vogel überzeugt. «Wir haben noch rund zehn Jahre Zeit, um aktiv etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Deshalb geben wir jetzt Gas!» Vieles sei schon unterwegs in die richtige Richtung.

Technologien zum Beispiel, die nachhaltig sind. «Oft fehlt noch das Geld dafür. Die Schweiz müsste mit gutem Beispiel vorangehen und dort investieren.» Wenn die Folgen des Klimawandels erst mal gravierend seien, werde es viel teurer.

Mit Radar die Umwelt vermessen

Der Jungpolitiker beschäftigt sich auch beruflich mit Technologien. Im Moment macht er an der ZHAW in Teilzeit seinen Master in Elektrotechnik, daneben arbeitet er an einem Forschungsinstitut der ZHAW. Aktuell beschäftigt er sich mit Radartechnik, um die Umwelt zu vermessen. «Ich will auf jeden Fall nach dem Studium etwas arbeiten, in dem ich auch einen Sinn sehe.» Was genau das sein wird, ist noch offen.

Bevor dieser Entscheid ansteht, möchte Vogel im März den Sprung in den Frauenfelder Gemeinderat schaffen. «Um nachhaltigeres Leben zu ermöglichen, ist es wichtig, die Rahmenbedingungen auf lokaler Ebene zu verbessern.»

Keine Zeit für Hobby

Viel zu tun also für den 25-Jährigen. Weil er nicht noch häufiger bei der Arbeit freinehmen kann, war er auch noch nicht bei einem der Klimastreiks dabei. «Die schweizweite Klimademo am 2. Februar ist an einem Samstag, dort werde ich dabei sein.» Wäre der Einsatz für die Rettung des Klimas und der Umwelt nicht nötig und hätten wir eine heile Welt, würde Simon Vogel viel häufiger fotografieren.

Dieses Hobby muss zurzeit hintenanstehen. Genau wie das Ausgehen am Freitagabend – zu Gunsten von Sitzungen im Kampf für die Überzeugungen. Auch nach diesem Gespräch bleibt Vogel nicht viel Zeit. Die nächste Pressekonferenz mit der Partei wartet.

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