VIRTUELLE VERSAMMLUNG
«Jetzt erst recht müssen wir dranbleiben»: Frauenfelder Industrie bietet der Pandemie ihre Stirn

Der Industrie- und Handelsverein Region Frauenfeld informierte seine Mitglieder für einmal virtuell über aktuelle Themen wie Absagen, Ausgaben und Abwanderungsgelüste.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Blick ins Innere der Frauenfelder Fensterfabrikantin Skyframe.

Blick ins Innere der Frauenfelder Fensterfabrikantin Skyframe.

Bild: PD

Kunterbunt, aus allen Gremien. So hat sich die virtuelle Versammlung des Industrie- und Handelsvereins Region Frauenfeld (IHF) am Montagabend zusammengesetzt. Einerseits mit vielen Mitgliedern, andererseits aber auch mit illustren Gästen, darunter Stadtpräsident Anders Stokholm, Regierungsrat Walter Schönholzer und Ständerat Jakob Stark. «Die trockenen Themen», wie IHF-Präsident Pablo Moirón die an physischen Versammlungen im Casino sonst üblich eingangs traktandierten Geschäfte bezeichnete, blieben für einmal komplett aussen vor. Sie bleiben heuer über den Schriftverkehr einzig den 59 IHF-Mitgliederfirmen erhalten.

Hingegen als «spannend und druckfrisch» bezeichnete Moirón die Resultate der Eco-Ost-Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell und IHK Thurgau unter Unternehmern über Corona und dessen Auswirkungen. Denn für Moirón ist klar:

Pablo Moirón, Präsident Industrie- und Handelsverein Region Frauenfeld (IHF).

Pablo Moirón, Präsident Industrie- und Handelsverein Region Frauenfeld (IHF).

Bild: Andrea Stalder
«Die Pandemie veränderte alles mit dem grössten Einbruch der letzten Jahrzehnte.»

Die Umfrage mit verschiedenen Fragen lässt Vergleiche zwischen den Unternehmen im Bezirk Frauenfeld zu jenen in der ganzen Ostschweiz zu. So zeigte Moirón auf, dass hiesige Firmen weniger schwarzmalen und zufriedener sind, etwa wenn es um bevorstehende Erschwernisse oder um die Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden geht. «Diese Aussagen sind spannend und zeigen, wie innovativ Frauenfelder Unternehmer unterwegs sind», sagte Moirón.

Dialog trotz Absagen intensivieren

Gleichzeitig nehmen sie die Bedrohung durch die Pandemie ernster als gesamtostschweizerisch. Denn Ausblicke seien fast unmöglich. «Was aus der Pandemie wird, wissen wir nicht», sagte Moirón. Umso wichtiger für ihn, dass der IHF darauf fokussiert, was er beeinflussen kann, primär das Netzwerk unter Gleichgesinnten. Moirón sagte:

«Ein guter Dialog ist zum Wohle unserer Schüler, unserer Lernenden und somit auch unseres Berufsnachwuchses.»

Der Dialog sei zuletzt intensiviert und professionalisiert worden, sei es etwa mit dem Bildungszentrum für Technik (BZT) oder der Kantonsschule in Frauenfeld. Denn die Pandemie hat nicht nur für turbulente Geschäftsgänge gesorgt, sondern ebenso für Absagen von Anlässen wie Berufsmessen.

Berufswahlinfos wie Schnuppertage jedoch will der IHF weiterhin ermöglichen, um einerseits den Abwanderungsgelüsten von technisch versierten Jugendlichen entgegen zu wirken und andererseits die Berufswelt schon früh erlebbar zu machen. Moirón sagte: «Jetzt erst recht müssen wir dranbleiben, das schulden wir unseren Jugendlichen.»

Murgbogen: Forderung nach Ersatzflächen

Obwohl Prognosen schier unmöglich sind, müsse es das Ziel sein, die Pandemie in den Griff zu bekommen und Impfungen massiv voranzutreiben, international, national und regional. Kantonal setzt sich der IHF etwa für den Bau der BLS/OLS ein, lokal fürs Projekt Murgbogen. Gleichzeitig hebt Moirón den Mahnfinger und sagte: «Das Generationenprojekt ist wichtig für die Stadt, aber es braucht gerade für die Industrie auch Ersatzflächen.»

Übergreifend vermisst der IHF einen Masterplan Digitalisierung, wo nebst dem Dialog auch der für einen Teil der TKB-Millionen vorgesehenen Digital-Campus Thurgau Abhilfe schaffen soll. «Das wäre ein nachhaltiges Projekt, das mit der Digitalisierung das Zukunftsthema Nummer eins betrifft», sagte IHF-Vorstandsmitglied Andrej Jakovac.

Im Gegensatz zu den Geschäftszahlen derer Mitglieder bleiben dem IHF Fluktuationen im Vorstand erspart. Die Jahresrechnung 2020 schliesst bei Ausgaben von knapp 20'400 Franken mit einem minimen Verlust von 166 Franken leicht besser ab als budgetiert. Das Vereinsvermögen bleibt fast unverändert bei rund 76'000 Franken. Fürs laufende Jahr rechnet der IHF-Vorstand mit einem Verlust von 650 Franken, bei Ausgaben von 19'450 Franken.

Bei den 59 Mitgliedern arbeiten insgesamt 6430 Mitarbeitende sowie 278 Lernende. Als neue Mitglieder begrüssen darf der IHF sowohl Thurplus (ehemals Werkbetriebe Frauenfeld, 58 Mitarbeitende) als auch die Sia Abrasives AG (398). Letztere ist nach dem Austritt 2018 wieder beigetreten.