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5500 Kubikmeter Boden kommen weg: Das Seebachtal erhält so zusätzlich vier Tümpel und ein Flachmoor

Die Stiftung Seebachtal will unweit der Ruine Helfenberg zwei Hektar Wies- und Ackerland ökologisch aufwerten. Das Projekt kostet 430'000 Franken, der Bau soll im kommenden Winter beginnen.
Stefan Hilzinger
Damit sich ein Moor etablieren kann, braucht es viel Grundwasser. Biologin Sara Bangerter kontrolliert die Messstelle. Bild: Donato Caspari

Damit sich ein Moor etablieren kann, braucht es viel Grundwasser. Biologin Sara Bangerter kontrolliert die Messstelle. Bild: Donato Caspari

Was sollen bloss diese blassorangen Röhren in der Landschaft? In unregelmässigen Abständen ragen sie aus dem Grün in die Höhe.

«Bei einer misst das Amt für Hydrologie die Grundwasserstände, die anderen haben wir zur bodenkundlichen Untersuchung angelegt.»

Das erklärt Sara Bangerter. Die Biologin des Frauenfelder Büros Kaden und Partner ist Projektleiterin der Stiftung Seebachtal für die Renaturierung Grundriet

Bangerter steht auf der rund zwei Hektar grossen Fläche unweit der Ruine Helfenberg, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wieder möglichst in den Zustand von vor 1945 zurückversetzt werden soll. Im Dienste der Landwirtschaft ist damals der Grundwasserspiegel im Seebachtal abgesenkt worden. Feuchtgebiete wurden trocken. Statt der jährlich extensiven Nutzung zur Gewinnung von Einstreu diente das Land seither dem Futter- und Ackerbau.

Doch was jetzt trocken und fett ist, soll wieder feucht und mager werden. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren soll sich mittel- und langfristig wieder erhöhen. Das ist sind die Ziele der Stiftung Seebachtal. Die Umnutzung der drei Parzellen der Stiftung im Grundriet und damit verbundenen Erdbewegungen lagen bis Ende vergangener Woche auf der Hüttwiler Gemeindeverwaltung öffentlich auf. Bis gestern sind keine Einsprachen eingegangen, ist auf der Verwaltung zu erfahren.

5500 Kubikmeter Boden abtragen

Damit sich an dem Standort wieder ein Flachmoor und die für ein Moor typische Pflanzengesellschaft etablieren kann, musst die Fläche ärmer an Nährstoffen sein, in erster Linie an Stickstoff. Dazu will die Stiftung Seebachtal auf den Grossteil der Fläche den oberen Teil des Bodens abtragen lassen, laut Auflageprojekt sind es 5500 Kubikmeter, was etwa 460 Fuhren mit einem 4-Achs-Kipper entspricht.

«Mit dem Abtrag des Oberbodens schaffen wir nicht nur Nährstoffe weg, sondern bringen die künftige Vegetation auch näher ans Grundwasser.»

Das sagt Biologin Bangerter. Das heisst, Feuchte liebende Pflanzenarten, etwa Seggen, können sich so erst wieder etablieren. Danach dürfte es einige Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis sich wieder ein Flachmoor gebildet hat. «Die im Unterboden noch vorhandene Torfschicht zeigt, dass hier einmal ein Moor war», sagt Bangerter. Dass sich Moore wiederherstellen lassen, hat die Stiftung Seebachtal bereits nördlich des Seebachs gezeigt, wo sie seit den 1990er-Jahren knapp drei Hektaren ursprüngliches Moor rekultiviert hat. Die Schläge «In langen Teilen» und «In kurzen Teilen» sind seit 2017 im Bundesinventar für Flachmoorgebiete von nationaler Bedeutung verzeichnet. Hier hat sich der seltene helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling angesiedelt (siehe Kasten).

Ameisen adoptieren Schmetterlingsraupen

Im bereits renaturierten Flachmoor nördlich des Seebachs konnten 2014 erstmals wieder Exemplare des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Maculinea teleuis) beobachtet werden, einer bedrohten Schmetterlingsart. Der Falter ist für seine Entwicklung auf Vorkommen des Grossen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) als Futter- und Brutpflanze angewiesen. Zudem muss im Gebiet eine spezielle Ameisenart leben, welche die Raupen adoptiert und füttert, nur so können sie sich zum Schmetterling entwickeln. Für die Bildung von Flach- oder Niedermooren benötigt es ausreichend Grundwasser. Hochmoore beziehen ihre Feuchte dagegen aus den Niederschlägen und sind wesentlich schwieriger zu renaturieren. (hil)

Renaturierung ist die eine Seite, der Verlust an Kulturland die andere: Die Umwandlung in ein Flachmoor entzieht der Landwirtschaft rund 1,7 Hektar Fruchtfolgefläche. Hier gelte es eine Interessensabwägung zu machen, sagt Bangerter. Als extensive Wiese bleibt der östliche Bereich des Grundriets der Landwirtschaft erhalten. Auch der Schopf hier soll stehen bleiben, als traditionelles Element der Landschaftsgestaltung.

Nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für die Tiere

In der südöstlichen Ecke des Gebiets will die Stiftung vier flache Tümpel anlegen. Es soll ein Laichgebiet für Amphibien geben. Nachdem die Entwässerungsleitung hier bei früheren Erdarbeiten auseinanderbrach, hat sich ein Feuchtgebiet gebildet.

«Und schon konnten wir den Laubfrosch beobachten.»

Das sagt Bangerter. Allerdings überwucherten Weiden und Zitterpappeln die Fläche. Die sollen nun ausgeholzt werden.

Die Stiftung will 430'000 Franken in die Renaturierung des Grundriets stecken. Sollte es mit der Baubewilligung noch dieses Jahr klappen, so hofft Bangerter, die ersten Arbeiten im kommenden Winter vergeben zu können. «Es muss möglichst trocken sein, um den Boden zu schonen», sagt sie.

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