Vier Lukas wollen nach Bern – die Thurgauer Nationalratslisten sind statistische Wundertüten

Die 23 Listen der Thurgauer Kandidatinnen und Kandidaten für den Nationalrat bergen allerlei statistische Daten. Neben dem Geschlechterverhältnis auch zum Alter der Kandidaten, zum Wohnort oder zum Beruf. 

Sebastian Keller
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135 Personen aus dem Kanton Thurgau wollen einen Nationalratssitz ergattern, nur sechs sind zu vergeben. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

135 Personen aus dem Kanton Thurgau wollen einen Nationalratssitz ergattern, nur sechs sind zu vergeben. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

135 Personen kandidieren für die sechs Thurgauer Nationalratssitze. Diese Zahl ist bekannt. Bekannt ist ebenso die Geschlechterverteilung: 59 Frauen und 76 Männer – das entspricht einem Frauenanteil von 44 Prozent. Doch wer den Computer mit den Listen aus der Thurgauer Staatskanzlei füttert und ein paar Abfragen macht, erhält weitere interessante Fakten.

So etwa zur geografischen Verteilung. Die meisten Kandidaten wohnen im Bezirk Weinfelden. 35 leben zwischen Wigoltingen und Hauptwil-Gottshaus. Damit ist der Bezirk überproportional vertreten. Denn: Weinfelden ist gemessen an den Einwohnern der drittkleinste Bezirk – zugleich auch der drittgrösste. Damit zählt Weinfelden die meisten Kandidaten pro Kopf.

15 Prozent aller Kandidaten wohnen in der Stadt  Frauenfeld.

Gefolgt von Kreuzlingen. Die absolut zweitmeisten Kandidaten leben im bevölkerungsmässig grössten Bezirk Frauenfeld: 33 an der Zahl. Im Pro-Kopf-Vergleich liegt der Hauptstadtbezirk im Mittelfeld. Doch die Stadt Frauenfeld selber schickt 20 Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen. Im Städteranking folgt Kreuzlingen mit 19 vor Weinfelden mit 12 Kandidaten.

Arbon: Viele Einwohner – wenige Kandidaten

Aus dem Bezirk Münchwilen treten die wenigsten Kandidaten zur Wahl an: Aus dem bevölkerungsärmsten Bezirk kandidieren 18 Personen. Dafür liegt Tuttwil im Hinterthurgau: Aus dem 400-Seelen-Dorf kandidieren drei Personen.

Im Bezirksvergleich schneidet Arbon am schlechtesten ab. Der Oberthurgau zählt zwar die zweitmeisten Einwohner, aber nach Bern wollen gerade mal 21 Personen.

Der Computer spuckt auch Fakten zum Alter aus: Der durchschnittliche Nationalratskandidat ist 42 Jahre alt. Die Altersspanne ist breit: Die drei jüngsten Kandidatinnen sind eben volljährig geworden; die älteste Kandidatin durfte ihren 74. Geburtstag feiern. An geistiger Jugendlichkeit dürfte es ihr aber nicht fehlen: Monika Stamm-Zülli (GPTG Panther) aus Weiningen gibt als Beruf Gedächtnistrainerin an.

Auswerten lässt sich auch, welches Alter am häufigsten vorkommt: Sieben Kandidatinnen und Kandidaten sind 22 Jahre alt, weitere sechs sind 20-jährig, ebenso viele 62-jährig.

Unternehmer und Studentinnen

Die Liste zeigt, womit die Kandidaten ihre Brötchen verdienen. Die Spitze führen die Unternehmerinnen und Unternehmer an: Bei 19 Kandidaten findet sich das Wort «Unternehmer» im Feld Berufsbezeichnung. Auf die Unternehmer folgen die Studenten. 13 Kandidaten gaben dies an.

Auch die akademische Elite ist im Kandidatenfeld vertreten: Zwei Frauen und drei Männer schreiben auf ihre Visitenkarte «Dr.» – wobei sich der Besuch im Fall eines Leidens nur bei einem Kandidaten empfiehlt (Walter Lang, GPTG Panther). Weitere zwölf Personen geben ihr Wissen im beruflichen Alltag weiter – sie sind Lehrer. Acht Personen arbeiten als Landwirte.

Die Namensrangliste führt Lukas an. Gleich vier Kandidaten hören auf diesen Vornamen. Je drei Personen wurden auf Barbara, Marc und Nina getauft. Bei den Nachnamen führt Huber mit drei Nennungen die Rangliste an. Wobei Roland A. Huber (BDP Best Agers) nur einmal gezählt wurde, obwohl er sich selber kumuliert. Dann gibt es noch eine Handvoll Namen, die zweimal vorkommen: Reinhart, Bruggmann, Frischknecht, Herzog, Keller, Peter, Schenk, Weber und Zimmermann.

4660 Personen wollen in den Nationalrat

Nach Bereinigung der Listen stehen die definitiven Kandidaten für den Nationalrat fest: 4660 Personen bewerben sich, 866 oder 22,8 Prozent mehr als bei den letzten Eidgenössischen Wahlen. Numerisch am meisten vorwärts macht der Aargau mit 72 Prozent mehr Bewerbern.