Vier Gemeinden, vier Bäche und viel Information: Das Hochwasserschutzprojekt Region Wil geht in die nächste Etappe

Am Donnerstag präsentierten die Projektverantwortlichen des Hochwasserschutzprojektes in Wilen den Stand der Planungsarbeiten.

Andrea Häusler
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Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung hatten Interessierte die Möglichkeit, im Foyer des Wilener Kirchen- und Gemeindezentrums mit den Projektverantwortlichen zu diskutieren und sich an den ausgehängten Plänen zu informieren. (Bild: Andrea Häusler)

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung hatten Interessierte die Möglichkeit, im Foyer des Wilener Kirchen- und Gemeindezentrums mit den Projektverantwortlichen zu diskutieren und sich an den ausgehängten Plänen zu informieren. (Bild: Andrea Häusler)

Am 2. Juli dieses Jahres trat der Krebsbach erneut über die Ufer. Nur wenig Erdmaterial wurde auf die A1 gespült: Die neue Befestigung der Autobahnböschung und die Massnahmen bei der provisorischen Brücke an der Herrenstrasse in Rickenbach haben sich bewährt. Regierungsrätin Carmen Haag, Vorsteherin des Departements Bau und Umwelt weiss:

«Hochwasserereignisse wie jenes sind nur ein Vorgeschmack dessen, was eintreffen kann.»

Das regionale Schadenpotenzial bei einem 100-jährlichen Hochwasser betrage 20 bis 50 Millionen Franken. Zeit zu handeln: Unter Berücksichtigung der lokalen Begebenheiten, jedoch im regionalen Kontext, wie Haag am Informationsanlass zum aktualisierten Hochwasserschutzprojekt Region Wil in Wilen sagte.

Beiden Anforderungen genügt das kantons- und gemeindeübergreifende Projekt, welches die Sanierung von vier Bachläufen umfasst: Der Krebs-, Hueb-, Alp- und Maienmättelibach sollen mehr Raum erhalten und deren Ufer wo möglich ökologisch aufgewertet werden. Am Projekt sind die Gemeinden Rickenbach, Wilen, Sirnach, die Stadt Wil, das ASTRA und die Kantone Thurgau beteiligt.

Stollenprojekte im Fokus

Seit der erstmaligen Präsentation des Projekts im Sommer 2018 wurden die Massnahmen weiter optimiert und im Detail ausgearbeitet. Im Fokus standen geologische Abklärungen im Hummelberg. Durch diesen soll – im Microtunneling-Verfahren – ein 985 Meter langer Entlastungsstollen getrieben werden: der Huebbachstollen.

Ein zweiter, 225 Meter langer Stollen ist für den im bebauten Raum schon heute eingedolten Maienmättelibach geplant. Das sogenannte Energievernichtungsbauwerk am Ausgang der beiden Stollen wird als Teich gestaltet, das Wasser schliesslich über den Alpbach in die Thur abgeführt. So sieht es zumindest die Planung vor.

Ähnliche Bedenken wie in Zuzwil

Die Geologie ermöglicht den Stollenbau. Nur haben die Anwohner ähnliche Bedenken wie sie die Zuzwiler Kirchhügel-Bewohner vor der gescheiterten Hochwasserschutzabstimmung vor knapp einem Monat hatten. Daran ändert auch nicht, dass Beat Rick vom geotechnischen Büro Dr. von Moos AG in Zürich versicherte, dass die Felsüberdeckung zwischen Stollen und Kellergeschossen 25 bis 30 Meter – beim Maienmättelistollen minimal neun Meter betrage. Und, dass die Distanz in Städten vielerorts nur zwei bis drei Meter betrage. Hinzu kommt die Sorge um eine Beschädigung bestehender Erdwärmesonden. Wobei Rick klar machte, dass allfällige Schäden übernommen würden.

Last but not least ist weiterhin unklar, wie sich die beiden Stollenbauten auf die ursprünglich auf 27 Millionen Franken geschätzten Projektkosten auswirken. Was den Hubbachstollen betrifft, wird davon ausgegangen, dass die Kosten in etwa gleich hoch sind, wie für die anfänglich vorgesehene Linienführung entlang der A1.

Realersatz für Landverluste

Ein weiterer Schwerpunkt der vergangenen Monate bildete die Zusammenarbeit mit den Landeigentümern und Naturverbänden. Verschiedene Anregungen seien in die Planung eingeflossen, sagte Remo Solèr, Projektverfasser Wasser bei der B + S AG. «Den Bächen werden ca 2,5 Hektaren Land wieder zur Verfügung gestellt. Für die leicht reduzierten Produktionsflächen soll den Landwirten nach Möglichkeit Realersatz geboten werden.»

Die Zeit während der Vernehmlassung (Gemeinde, ASTRA, Kantone, SBB, TBW, Bund) wird genützt, um weitere Optimierungen ins Projekt einzuarbeiten. Nach der Auswertung der Vernehmlassung ist für den Herbst 2020 eine weitere Informationsveranstaltung geplant, bevor das Projekt im Winter 2020/21 öffentlich aufgelegt wird, sagte Klemens Müller vom Amt für Umwelt Thurgau, Wasserbau und Hydrometrie. Abhängig davon, wie viel Zeit die Bereinigung allfälliger Einsprachen beansprucht, sei mit einem Baubeginn ab 2021 bis 2023 zu rechnen. Die Umsetzung der Massnahmen betrage im optimalen Fall zwei bis drei Jahre.

Eine öffentliche Diskussion war am Donnerstag nicht vorgesehen. Hingegen hatten Interessierte die Möglichkeit, mit den Projektverantwortlichen direkt das Gespräch zu suchen.