Vier Bäche brauchen Platz: Diese Massnahmen zum Schutz vor Hochwasser sind in der Region Wil geplant

Der Entwurf des Hochwasserschutzprojekts in der Region Wil liegt derzeit öffentlich auf. Die Bevölkerung von Rickenbach, Sirnach, Wilen und Wil ist zur Mitsprache aufgefordert. 45,5 Millionen Franken kosten die vorgesehenen Massnahmen.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Starker Regen überflutete im Sommer 2015 die Autobahn A1 bei Wil.

Starker Regen überflutete im Sommer 2015 die Autobahn A1 bei Wil.

Bild: Ralph Ribi (14. Juni 2015)

Eigentlich wäre Ende Oktober ein Informationsabend in Wilen vorgesehen gewesen, an dem unter anderem die Chefin des kantonalen Departements Bau und Umwelt, Regierungsrätin Carmen Haag, Auskunft über das interkantonale Projekt hätte geben sollen. Doch die pandemiebedingten Beschränkungen auf 50 Personen je öffentlicher Anlass führten zur kurzfristigen Absage.

Den Einwohnern der Gemeinden Rickenbach, Sirnach, Wilen und Wil steht nun bis und mit dem 1. Dezember die Möglichkeit offen, den Entwurf des Auflageprojekts in den Gemeindehäusern oder per Internet einzusehen und durch die Eingabe von Ideen mitzuwirken.

Kostenintensive technische Bauwerke

Das Hochwasserschutzprojekt der Region Wil hat eine lange Vorgeschichte. Bereits in den 1980er-Jahren wurden in den betroffenen Gemeinden diverse Einzelmassnahmen geprüft, aber nie umgesetzt. Dabei zeigte es sich, dass nur eine gemeinsame Projektentwicklung den Hochwasserschutz für die vier Bäche Alp-, Krebs-, Hueb- und Meienmättelibach gewährleisten könne.

Wie der Leiter des heutigen Projektes, Klemens Müller vom Amt für Umwelt Thurgau, erklärt, sieht dessen Umsetzung in den nächsten Jahren einen nachhaltigen Schutz von Menschen und Sachwerten vor Hochwasser, mehr Natur, eine bessere Wasserqualität und einen neuen Rad- und Gehweg vor.

Der Fokus bei der Projektplanung lag auf der Weiterentwicklung der Region als Lebensraum und Wirtschaftsstandort. Durch Projektoptimierungen konnten zwar der Landbedarf und unpopuläre Nutzungseinschränkungen reduziert werden, jedoch kostet dieser «Mehrwert» die involvierten Gemeinden, die Kantone und den Bund total 45,5 Millionen Franken.

Dass die Summe so gross ist, hat zwei Gründe. Zum einen ist die Gegend dicht bebaut und benötigt deshalb kostenintensive technische Bauwerke. Und zum anderen soll mit dem Projekt das Schadenspotenzial eines Hochwassers, das statistisch alle 100 Jahre eintrifft, um 70 Millionen Franken gesenkt werden.

Landabtretungen: nicht wenige viel, sondern alle etwas

Auch bedarf es der Bereitschaft der Grundstückbesitzer, Land für den Hochwasserschutz abzutreten. Eine knifflige Aufgabe. «Wir versuchen das so auszugleichen, dass nicht wenige viel, sondern alle einen Teil abgeben», deutet Klemens Müller die Verhandlungstaktik der öffentlichen Hand an. Insgesamt sei man aktuell mit «20 bis 30 Landbesitzern in guten Gesprächen», die unterschiedlich weit gediehen seien, erklärt Müller. Am Ende sollen alle vier Bäche rund 2,8 Hektaren mehr Land zur Verfügung haben.

Projekt könnte im Frühling 2021 aufliegen

Verläuft alles optimal, so sollte es möglich sein, sich bis Ende 2020/Anfang 2021 mit den Landbesitzern über die finanziellen Konditionen für die Abtretung des Landes zu einigen. Doch damit wäre nur ein weiterer Schritt in Richtung des Ziels getan. «Wenn wir von allen Seiten das Okay haben, können wir das Hochwasserschutzprojekt der Region Wil im April/Mai 2021 bei den Gemeinden auflegen, aber wenn es dann zu Einsprachen kommt – und damit müssen wir rechnen –, kann sich die Umsetzung noch um einiges nach hinten verschieben», sagt Müller.

Dennoch gibt sich der Projektleiter optimistisch, dass es nur zu leichten Verzögerungen kommen könnte. «Ich hoffe, dass wir alle Fragen innerhalb eines Jahres lösen können. Und wenn mal etwas verzögert werden sollte, kann man vielleicht versuchen, ob man den einen oder anderen Abschnitt vorziehen könnte», sagt Klemens Müller vorausblickend.

Mitwirkung

«Gefällt Ihnen das Projekt? Was fehlt oder müsste geändert werden?». Die Projektpartner wollen der Bevölkerung von Rickenbach, Wilen, Sirnach und Wil in Sachen Hochwasserschutz-Präferenzen auf den Zahn fühlen. Formulare für die Mitwirkung liegen bei den Standortgemeinden auf und können im Internet heruntergeladen werden unter www.hws-region-wil.ch. (art).