«Viele Mosaiksteine ergeben ein grosses Ganzes»: Frauenfeld lädt für Präsentation konkreter Absichten zum Schlüsselprojekt Murgbogen auf E-Trottinett-Tour ein

Die Frauenfelder Bevölkerung äussert sich in einer Umfrage zum Schlüsselprojekt Murgbogen. Die Stadt zeigt konkret absehbare Veränderungen auf zum Mammutprojekt rund um die Murg. Zudem plant die Stadt eine Testphase für E-Trottinetts.

Samuel Koch
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Die Visualisierung von Illustrator Matthias Gnehm zeigt das Murgbogengebiet aus nördlicher Perspektive mit der A7 im Vordergrund.

Die Visualisierung von Illustrator Matthias Gnehm zeigt das Murgbogengebiet aus nördlicher Perspektive mit der A7 im Vordergrund.

Bild: PD

Eine neue Stadt. Nicht weniger als diese Vision steht mit dem Generationenprojekt Murgbogen im Raum. Das zirka 25'000 Quadratmeter grosse Areal zwischen Stadtkaserne, Murgauenpark und Autobahn A7 sollen bis ins Jahr 2040 dereinst 7000 Frauenfelderinnen und Frauenfelder ihr Zuhause nennen.

Nachdem die Stadt die Bevölkerung vor knapp einem Jahr erstmals über ihre Vision ins Bild gesetzt hat, haben nun rund 170 Personen an einer Onlineumfrage teilgenommen. Jetzt liegen erste Resultate vor, wie die Verantwortlichen am Montagvormittag bei einer Rundfahrt durchs Murgbogengebiet mit E-Trottinetts ausgeführt haben.

Sicherheitskonform auf den E-Trottinetts (v.r.): Anders Stokholm, Andreas Elliker, Christof Helbling und Nina Steiger.

Sicherheitskonform auf den E-Trottinetts (v.r.): Anders Stokholm, Andreas Elliker, Christof Helbling und Nina Steiger.

Bild: Samuel Koch

Werkhof, Stadtbus- und Feuerwehrdepot zügeln

Startpunkt: Unteres Mätteli, bei strömendem Regen. Der Verein Fründeskreis mit seiner «Haltestell» bietet Unterschlupf. Stadtpräsident Anders Stokholm sagt:

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder
«Sie sind ein Mosaikstein, um das ganze Gebiet zu beleben.»

Erst viele solcher Steine würden ein grosses Ganzes ergeben. Wenige hundert Meter entfernt im Zeughaus, die Füsse sind mittlerweile nass, spricht Stadtrat Andreas Elliker von einem einzigartigen Projekt, denn für die allermeisten Grundstücke sitzt die Armasuisse als Immobilieneigentümerin der Schweizer Armee am Verhandlungstisch, welche zunächst bis 2023 die Stadtkaserne verlässt, sich nach und nach auf den Waffenplatz Auenfeld zurückzieht und so den Murgbogen freispielt.

Via Römerstrasse und Überführung zur Allmend

Andreas Elliker, Stadtrat und Departementsvorsteher Bau und Verkehr.

Andreas Elliker, Stadtrat und Departementsvorsteher Bau und Verkehr.

Bild: Mathias Frei

Die Entwicklung des Murgbogens ermöglicht unzählige Gedankenspiele, auch mit städtischen Parzellen. So sollen der Werkhof, das Stadtbus- sowie das Feuerwehrdepot auf die Nordseite der Autobahn A7 verlegt werden. «Um städtische Liegenschaften an bester Lage freizuspielen», sagt Stadtrat Elliker auf der A7-Überführung Militärstrasse.

Die neuen Infrastrukturen will die Stadt verkehrstechnisch via historische Römerstrasse erschliessen, die ebenfalls über die A7 führen soll. Stadtbaumeister Christof Helbling sagt:

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder
«Wir wollen die Verbindung wiederherstellen, die damals mit dem Bau der A7 unterbrochen worden ist.»

Eine zusätzliche Verkehrsspange zwischen Ost- und Thurstrasse zöge Verkehr aus dem Murgbogengebiet. Gegen den Lärm von Militärübungen sehen Stadträte und Stadtentwickler den Bau eines Parkhauses vor. «Durch diese Verbindungen erkennt man, wie kurz die Wege sind», sagt Nina Stieger, Projektleiterin Schlüsselprojekte beim Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Lob für Stossrichtung, Fragen zum Verkehr

Ein weiteres Gedankenspiel lässt das Gebiet westlich der Murg und des Murgauenparks als grosser, grüner Gemeinschaftsgarten zu. Darüber steht die Stadt in engem Austausch mit der Sia, die ebenfalls grosse Flächen freispielen dürfte. Sobald das Hochregallager verschwindet, das die Sia durch eine Verlagerung ins Ausland nicht mehr braucht, lasse sich die Industriestrasse verlängern. «Die Sia ist stark in die Entwicklung des Murgbogens involviert», sagt Helbling im Murgauenpark, wo die E-Trottinett-Fahrer für kurze Zeit trocken bleiben.

Die Industriestrasse soll sich zukünftig bis zum Murgauenpark erstrecken.

Die Industriestrasse soll sich zukünftig bis zum Murgauenpark erstrecken.

Bild: PD

Ebenfalls Gespräche führen die Verantwortlichen mit möglichen Investoren. Stieger sagt:

Nina Stieger, Projektleiterin Schlüsselprojekte beim Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Nina Stieger, Projektleiterin Schlüsselprojekte beim Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Bild: PD
«So kann die Stadt das Gebiet ganzheitlich entwickeln.»

«Wir wollen stets die Bevölkerung abholen», sagt Stadtrat Andreas Elliker. Denn sowohl 2021 (Grundsatzentscheid Verkehrspolitik) als auch 2025 (Agglomerationsprogramme) geben die Stimmberechtigten ihre Meinung dazu ab.

Die jetzigen Rückmeldungen der Onlineumfrage beurteilt die Stadt als «weitgehend positiv». Laut Medienmitteilung nach der feuchtnassen Tour stimmen knapp vier Fünftel der Teilnehmenden der Stossrichtung beim Schlüsselprojekt Murgbogen zu. Gelobt werden die Grün- und Freiräume sowie die neu vorgesehenen Verbindungen zwischen den Quartieren. «Die geäusserten Bedenken gelten überwiegend den teilweise als klotzig bezeichneten Bauformen sowie dem als hoch beurteilten quantitativen Wachstum», heisst es weiter. Zudem stünden Fragen zur Verkehrsbewältigung im Raum.

Die Tour durch das Murgbogengebiet mit den roten Fensterrahmen, die an sechs Standorten ein mögliches Zukunftsbild geben, bleibt vorerst bestehen. Sie ist auch bei gutem Wetter möglich. Dann bleiben die Füsse garantiert trocken.

90 E-Trottinetts für Testlauf von 90 Tagen

Jedes Jahr lädt die Stadt Frauenfeld zum Medienlunch ein, heuer zum städtischen Schlüsselprojekt Murgbogen. Um nicht alle Etappen zu Fuss zurücklegen zu müssen, hat die Stadt E-Trottinetts zur Verfügung gestellt. Nicht ohne Grund, denn sie geht mit dem schwedischen Anbieter Voi einen Pilotversuch ein, wie es viele andere Schweizer Städte bereits kennen. Vom 1. September bis 30. November testet Frauenfeld auf dem ganzen Stadtgebiet zirka 90 E-Trottinetts, die per App freigeschaltet werden können. Dank eines Akkus können sie auf eine Geschwindigkeit von 20 km/h beschleunigt werden. Wer sie gegen ein Entgelt nutzt, muss sich an die gängigen Regeln im Strassenverkehr halten. «Dieses Angebot betrachten wir als Ergänzung zur bestehenden Mobilität», sagt Robert Scherzinger vom zuständigen Amt für Tiefbau und Verkehr. Der Pilotversuch verursacht für die Stadt Frauenfeld keine Kosten. (sko)

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