Veterinär Peter Abegg aus Hörhausen schliesst seine Kleintier-Praxis nach über 40 Jahren - ohne Nachfolger

Ein einziges Auf und Ab: So lässt sich das Leben von Peter Abegg zusammenfassen. Immer im Mittelpunkt stand für den Veterinär dabei das Wohl der Tiere. Seine Kleintier-Praxis in Hörhausen bleibt bald für immer geschlossen.

Margrith Pfister-Kübler
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Tierarzt Peter Abegg in seiner Praxis.

Tierarzt Peter Abegg in seiner Praxis.

(Bild: Reto Martin)

«Als einziges von fünf Kindern hatte ich Tiere: weisse Mäuse, einen Luchs, einen Schakal und einen Affen», erzählt Peter Abegg – und blendet zurück in seine Kindheit als Sohn eines Zürcher Kinderarztes. Solch exotische Tiere. Ist das möglich?

«Ja, Nachbarn haben dies allerdings der Polizei gemeldet, die kam und hat abgeklärt, ob alles rechtens ist. Es war damals alles rechtens»

ergänzt der Tierarzt vom Seerücken und lächelt, wirkt dabei wie ein Zentralgestirn der Ruhe und Gelassenheit. Er ist eines der rar gewordenen Originale und erweckt den Eindruck eines Menschen, der ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Tierarzt auf dem Seerücken.

Rund ums und im Haus stehen Skulpturen, hängen Bilder von Menschen und Tieren, Werke vom Künstler Peter Abegg. Hühner gackern im Garten. Kira, ein wunderschöner Schäferhund, und die ebenso schöne Katze Josephine lassen sich von Besuchern begrüssen. Wie in ein Kaleidoskop, wo jede Bewegung die Glassplitter zu immer neuen Bildern zusammenfügt, lässt dieses Haus und der Garten blicken.

Peter Abegg in seinem farbenfrohen Garten.

Peter Abegg in seinem farbenfrohen Garten.

(Bild: Reto Martin)

Zuerst Grafiker, am Schluss Humanmedizin

Im Leben von Peter Abegg gibt es viele Initialzündungen. Stolz erzählt er, wie er einst unter 500 Kandidaten an der Kunstgewerbeschule Zürich (heute Zürcher Hochschule der Künste) Aufnahme fand. «Die meisten von uns sind Grafiker geworden. Ich auch.» Doch dann entschied er sich für die Weiterbildung:

«Geld für die Ausbildungsjahre am Abendgymnasium habe ich mit Jobs an der Sihlpost und Ähnlichem verdient. Mit Studienanfang an der Uni Zürich habe ich geheiratet und mit zwei Kindern das Studium mit dem Staatsexamen beendet.»

In dieser Zeit sei er anfangs als Lehrervikar tätig, und in der Klinikzeit habe er Vertretungen bei verschiedenen Tierärzten gemacht. Nach dem Studium reichte er eine Dissertation mit einem Anästhesiethema ein und promovierte zum Dr. med. vet. Nach zehnjähriger Praxiszeit schreib er sich für Humanmedizin ein und schloss mit einer Teilprüfung ab. Seine drei Söhne sind allesamt promovierte Mediziner und Naturwissenschafter, seine Tochter ist Touristikfachfrau.

Abegg räumt ein, dass der Alltag schon fordernd war. «In meiner Familie bekam ich schon als Kind viel von Medizin mit.» Deshalb sei ihm früh bewusst geworden, wie wichtig die gesamtheitliche Sicht ist, Tiere wie Menschen müssten ganzheitlich verstanden werden.

Erste Narkose bei einem Kamel in einem Zoo

Die erste Narkose bei einem Kamel in einem Zoo, diese Herausforderung steckt Abegg auch nach Jahren noch in den Knochen. Er erzählt von Tieren in Zoos und im Zirkus. Katzen stehen auf seiner Lieblingsliste ganz oben, weil sie so eigenständig sind. Er rettet das Image von Hühnern: «Es gibt gescheite Hühner.» Diagnosen seien sehr komplex.

«Wenn ich eine Diagnose stelle, und plötzlich rennt das Tier wieder wie ein Junges. Das ist für mich immer ein emotionaler Höhenflug.»

Auch Weltmeister-Schäferhunde wurden Abegg zur Operation anvertraut. Unwürdiges Verlängern, wenn keine Verbesserungen eintreten, das unterstütze er nicht. «Wir leiden heute an der Übermedizin. Man darf das Leiden, das mit Schmerzen verbunden ist, nicht verlängern», betont er.

Ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt Abegg, wenn es um Tierschutz geht, wenn Katzen, Hunde und andere Tiere Mittel zum Zweck sind. Er kennt sich auch aus mit Tiermessies, scheut sich nicht zu sagen, dass hier bei den Menschen Therapie nötig ist. Einsatz sieben Tage, rund um die Uhr? – «Ja, das macht mich glücklich. Ich habe das Wohl des Tieres immer konsequent umgesetzt.»

Wenn er geht, bleibt die Praxis für immer zu

Wer übernimmt die Kleintierpraxis in Hörhausen? – Die Antwort: «Keine Nachfolge.» Abegg nimmt ein Bilderbuch in die Hand mit dem Titel «Luftsack Luftseck», seine Bildergeschichten. Beat Brechbühl vom Waldgut Verlag Frauenfeld schreibt im Vorwort: «Peter Abegg hat über seine Tierpatienten hinaus Tiere aus dem täglichen Landleben gezeichnet und mit einfachen Versen zu Geschichten gestaltet. Die Zeichnungen strahlen den Witz aus, der auch aus den Versen blitzt.

Die Geschichten sind wahr, erfunden, erlebt, skurril – und oft auf eine hintergründige Art überraschend.» Abeggs ästhetische, poetische, ärztliche Konzeptionen passen zur Szene im Entrée. Da sitzt unangemeldet eine Frau mit einem Büsi im Tragkäfig. Sie sagt: «Nein, geläutet habe ich nicht. Ich dachte, es kommt schon jemand.»

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