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Verwahrter droht mit Gewalt: Bezirksgericht Kreuzlingen bestätigt Verwahrung

Ein heute 30-Jähriger Häftling verletzte 2009 in der Klinik Münsterlingen mit einer Schere einen Pfleger schwer am Hals. Einsicht und Reue scheint ihm fern zu liegen.
Barbara Hettich
Der Tatort: Psychiatrische Klinik Münsterlingen. (Bild: Archiv)

Der Tatort: Psychiatrische Klinik Münsterlingen. (Bild: Archiv)

An Händen und Füssen gefesselt sitzt der stämmige Mann vor dem Bezirksgericht in Kreuzlingen. Seine Haftstrafe hat er bereits verbüsst. Er spricht auffallend langsam, seine Hände zittern. «Es geht mir relativ gut, aber wenn ich nicht bald aus dem Regionalgefängnis Burgdorf verlegt werde, eskaliert es», droht er dem Richter. Wie eine solche Eskalation aussehen würde, will er nicht näher erläutern.

Eskalationen hat es im Leben des heute 30-Jährigen schon viele gegeben, nicht nur verbale: Sachbeschädigungen, Brandstiftung, Körperverletzungen. 2009 hat er mit einer Schere einen Pfleger der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen am Hals schwer verletzt und dafür wurde er wegen schwerer Körperverletzung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Therapeutische Massnahmen brachten nicht den gewünschten Erfolg, die letzten Jahre verbrachte er im Gefängnis.

Die verhängte Strafe hat er verbüsst, das Amt für Justizvollzug will ihn aber nicht in die Freiheit oder eine zivilrechtliche Massnahme entlassen. Das Amt hat bei Gericht einen Antrag für eine ordentliche Verwahrung eingereicht.

Nicht zugänglich und sehr aggressiv

«Glauben Sie mir, einen solchen Antrag zu stellen, ist mir nicht leicht gefallen», sagte Amtsleiter Reto Kropf vor Gericht. Aufgrund der schweren psychischen und pathologischen Störungen müsste für den jungen Mann nach seiner Entlassung eine Unterbringung angeordnet werden, in der er sich in der Vergangenheit schon nicht wohlfühlte.
Für therapeutische Massnahmen sei der Täter nicht zugänglich und durch sein aggressives Verhalten – wenn seinen Wünschen nicht sofort entsprochen wird oder er sich ungerecht behandelt fühlt – sei eine Gefährdung Dritter wahrscheinlich. Ein geeignetes Setting sei nur via Strafvollzug möglich.

Es sei sehr schwierig, bei diesem Mann eine Persönlichkeitsveränderung herbeizuführen, bestätigte der vom Gericht einberufene psychiatrische Gutachter. Die angeborene Intelligenzminderung und eine Vernachlässigung während der ersten Lebensjahre hätten sich ungünstig auf seine Entwicklungsmöglichkeiten ausgewirkt. «Er ist jemand, der sich nicht steuern kann.»

Interessant sei, dass er sich im Gefängnis – in einem gut strukturierten Betrieb ohne therapeutische Massnahmen und Medikamente – bislang am besten entwickelt habe. «Den Mann nach Ablauf seiner Freiheitsstrafe auf freien Fuss zu setzen, wäre ein gröberes Experiment», meint der Gutachter. Das Rückfallrisiko sei erheblich.

Anwalt bestätigt Betreuungsbedarf

Dass der Mann weiterhin betreuungsbedürftig ist, wurde von dessen Anwalt nicht bestritten. Eine Verwahrung sei aber ein massiver Eingriff in das Leben, sagte er und stellte den Antrag, seinen Klienten unverzüglich aus dem Vollzug zu entlassen und eine stationäre Einweisung in eine passende Institution anzuordnen. «Wenn man einen Menschen wie einen Schwerverbrecher behandelt, dann wird sich dieser auch nicht ändern», sagte er.

«Wenn ich nicht verlegt werde, passiert es, dann gibt es einen Toten», sagte der 30-Jährige in seinem Schlusswort. «Wenn ich drohe, dann mache ich das auch. Der in Münsterlingen hat nur überlebt, weil ich ihn überleben liess, ich bin zu einigem fähig.» An den Worten des Mannes zu zweifeln, sah das Bezirksgericht Kreuzlingen vor wenigen Tagen keinen Grund.

Dem Antrag auf Anordnung einer Verwahrung wurde entsprochen und in seinem Beschluss legte das Gericht dem Amt für Justizvollzug nahe, die Verlegung aus dem Regionalgefängnis Burgdorf umgehend zu veranlassen.

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