Vertreter des Patronatskantons Thurgau reisen für Jubiläumsfeier von Schweizerschule nach Peru

Die Schweizerschule in Lima feiert ihr 75-Jahr-Jubiläum. Der Thurgau ist seit 32 Jahren Patronatskanton dieser Institution. Eine Delegation aus dem Thurgau reist deshalb nach Peru – aber nicht nur zum Feiern.

Sebastian Keller
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Unter der Aufsicht des Thurgaus: Schülerinnen und Schüler in der Schweizerschule in Lima. (Bild: PD)

Unter der Aufsicht des Thurgaus: Schülerinnen und Schüler in der Schweizerschule in Lima. (Bild: PD)

Angenehme 20 Grad, so warm ist es derzeit in der peruanischen Hauptstadt Lima. In der Schweiz sind die Finger klamm, die Winterjacken dick.

Trotz Differenzen auf dem Thermometer gibt es zwischen dem Thurgau und Peru eine Verbindung: Seit 1986 ist der Thurgau Patronatskanton der Schweizerschule im Anden-Staat, dem Colegio Pestalozzi in Lima. Diese Privatschule feiert heuer ihr 75-Jahr-Jubiläum.

Anlässlich der Jubiläumsfeier ist auch die Thurgauer Erziehungsdirektorin Monika Knill mit einer Delegation nach Südamerika gereist. Sie wohnte dem Festakt bei, an dessen Anfang die Einweihung einer Bronzebüste von Johann Heinrich Pestalozzi stand. Der Grundgedanken des Schweizer Pädagogen sind in den Klassenzimmern in Lima auch im 21. Jahrhundert noch präsent.

Nach dem Fest befindet sich Knill nun auf einer privaten Rundreise, wie sie in einer E-Mail schreibt. Diese schickte sie aus Colca, auf über 3000 Metern über Meer, ab.

Weiterbildung zum neuen Lehrplan

Paul Roth, Generalsekretär des Erziehungsdepartementes, erklärt die Aufgabe eines Patronatskantons:

«Diese Funktion beinhaltet gemäss Bundesgesetz die fachliche Aufsicht über die Institution und die Sicherstellung der Vermittlung von Schweizer Werten im Ausland.»

Beat Brüllmann, Chef des Amtes für Volksschule, ist bereits Ende November zusammen mit einer Zweiervertretung der Thurgauer Schulaufsicht nach Lima gereist. «Um dort den Lehrpersonen während einer Woche in Form von Weiterbildungen den neuen Lehrplan Volksschule Thurgau (Lehrplan 21) näher zu bringen.»

Die Kinder lernen auch Deutsch in Peru

Esther Spinas ist Schulinspektorin, sie reiste nach Peru mit. Vor dem Abflug gab sie der «Wiler Zeitung» zu Protokoll: Die Schweizerschule setzt sich zum Ziel, jungen Menschen durch engagierte Bildung eine solide Grundlage für die berufliche Zukunft zu schaffen. Das sei wichtig, weil es im Anden-Staat keine Berufsbildung gebe. Spinas sagt:

«Vieles geht in Peru nur über eine Matura und später einen akademischen Abschluss.»

Wer die Matura an einer Schweizerschule im Ausland absolviert, ist auch in der Schweiz zum Studium zugelassen. «Die Kinder lernen in erster Linie die Landessprache Spanisch», sagte Spinas, «aber bereits im Kindergarten werden sie mit der deutschen Sprache vertraut gemacht, in der Primarschule wird das Fach Mathematik sogar in Deutsch unterrichtet.»

Aktuell besuchen rund 700 Schülerinnen und Schülern die gemischte Privatschule. Sie deckt alle Stufen vom Kindergarten bis zum Gymnasium ab. Schüler mit Schweizer Wurzeln besuchen das Colegio Pestalozzi ebenso wie Kinder aus Peru und anderen Herkunftsländern.

Von Zeit zu Zeit fliesst auch Geld nach Peru

Das Thurgauer Engagement in Peru geht – zumindest teilweise –über die Schulaufsicht hinaus. So hat der Kanton 2015 aus dem Lotteriefonds 70'000 Franken gesprochen, um den Bau eines neuen Schultrakts zu unterstützen. 2009 finanzierte er aus der selben Kasse den Neubau eines Biologietraktes mit; 150'000 Franken flossen damals aus dem Thurgau.

Generalsekretär Roth betont: «Mit dem Status des Patronatskantons verbinden sich keine regelmässigen finanziellen Verpflichtungen.» Der Thurgau sei frei, Infrastruktur-Projekte mit Beiträgen zu unterstützen.

18 anerkannte Schweizerschulen sind derzeit über den Globus verteilt. Die jüngste ist jene in Peking, im Jahr 2017 eröffnet. Weitere befinden sich in Mailand, Mexiko-Stadt, Singapur, Barcelona oder Bangkok. Rund 7500 Schüler zählen alle Schulen zusammen. Der Bund unterstützt die Einrichtungen mit jährlich rund 20 Millionen Franken.