Vertrauen ist besser als Kontrolle:
Thurgauer Pilotprojekt setzt auf Eigenverantwortung der Bauern

Der Thurgau beteiligt sich an Bundesprojekt 3V: Vertrauen, Verantwortung, Vereinfachung.

Kurt Peter
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Acht Thurgauer Landwirte sind von Anfang an dabei.

Acht Thurgauer Landwirte sind von Anfang an dabei.

Benjamin Manser

Weniger Vorschriften, Massnahmen in Eigenverantwortung und im Vertrauen erreichen. Das will das Projekt 3V, des Bundes, an dem sich das Thurgauer Landwirtschaftsamt beteiligt. Die drei V stehen für Vertrauen, Verantwortung, Vereinfachung.

Ziel ist es, den Vorschriftendschungel in der Landwirtschaft zu reduzieren und die Prozesse zu verbessern. «Die Behörden schenken den Landwirten Vertrauen, machen weniger Vorschriften und tragen damit zur Vereinfachung bei», schreibt Ueli Bleiker, Leiter des Landwirtschaftsamts. Der Bund wolle prüfen, wie der Spielraum im Direktzahlungsbereich zu Gunsten einer umweltschonenden Produktion verbessert und gleichzeitig Bürokratie abgebaut werden könne. «Die Direktzahlungsverordnung weist mit 2500 Kontrollpunkten eine enorm hohe Regulierung auf.»

Ueli Bleiker, Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamtes.

Ueli Bleiker, Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamtes.

Reto Martin

Anstelle von Vorschriften gibt es Zielvereinbarungen

Initiiert hat das Projekt der Verband Thurgauer Landwirtschaft. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass nicht am Schreibtisch entschieden werden soll, was Landwirtschaft ist», begründet Präsident Markus Hausammann den Vorstoss. Die mit den Betrieben im Pilotprojekt ausgearbeiteten Ziele sollten einen Level erreichen, der Direktzahlungen unter dem Spielraum der Betriebe möglich machten. Anstelle von Vorschriften gebe es Zielvereinbarungen, Beratungen und Selbstverantwortung.

Ökologisch wertvolle Elemente und Verfahren, welche heute im Direktzahlungssystem nicht berücksichtigt sind, sollen entdeckt und aufgenommen werden. Dies, um den Umweltschutz besser zu fördern, was ein weiteres Ziel von 3V ist. Markus Hausammann und Projektleiter Peter Schweizer vom Verband Thurgauer Landwirtschaft sehen hier noch Potenzial: Waldränder, kleine Feuchtgebiete und Kleinstrukturen seien beispielsweise Elemente, die im System noch keinen Niederschlag gefunden haben.

Bestandesaufnahme in acht Betrieben

Im Thurgau liegen die Schwerpunkte des Pilotprojekts in den Bereichen Biodiversität, Bodenschutz, Acker- und Futterbau. «Wir haben mit acht Betrieben eine Start-Beratung durchgeführt, den Ist-Zustand aufgenommen», erklärt Peter Schweizer. Es gelte, die Potenziale der einzelnen Betriebe aufzunehmen, festzustellen, wo die Prioritäten lägen:

«Klar ist, dass wir unvoreingenommen an die Sache herangehen und auch die Ideen der Betriebe abholen.»

Für den Verband sei es wichtig, Hand für Lösungen zu bieten. Die angestrebte Vereinfachung finde in der Pilotphase nicht statt, zeigte er sich überzeugt. Bei den teilnehmenden Betrieben – 20 Höfe hätten ihr Interesse bekundet – sei ein Mehraufwand zu erwarten. Doch die Zukunft sei vielversprechend:

«Die Betriebe werden in mehr Eigenverantwortung die Zielvereinbarungen erreichen.»

Die Kosten für den Thurgau belaufen sich auf 80000 Franken für die vier Jahre der Pilotphase. Laut Bleiker beteiligt sich auch der Kanton Glarus am Pilotprojekt; ein Austausch finde mit dem Kanton Zürich statt.

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