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An der Lommiser Gemeindeversammlung dauerte das Traktandum Verschiedenes am längsten

Mit den Gesamterneuerungswahlen war die Kontroverse um Gemeindepräsident Fritz Locher nicht erledigt. An der Gemeindeversammlung in Lommis kochte sie am Montagabend erneut auf.
Olaf Kühne
Der abtretende Gemeinderat Arthur Hascher erhält von Gemeindepräsident Fritz Locher einen Blumenstrauss. (Bild: Olaf Kühne)

Der abtretende Gemeinderat Arthur Hascher erhält von Gemeindepräsident Fritz Locher einen Blumenstrauss. (Bild: Olaf Kühne)

Es hätte ein ruhiger und vor allem kurzer Abend werden können. Die ordentlichen Traktanden der Rechnungsversammlungen von Primarschulgemeinde und Politischer Gemeinde Lommis waren am Montagabend um Viertel nach neun abgehandelt. Doch dann kam das Traktandum «Verschiedenes».

Keine drei Monate sind seit den Gesamterneuerungswahlen des Lommiser Gemeinderates vergangen. In deren Vorfeld war Gemeindepräsident Fritz Locher massiv unter Beschuss geraten. Mehrere Bürger kritisierten damals den langjährigen Gemeindevorsteher – nicht etwa wegen dessen Amtsführung. Vielmehr monierten sie, Locher verstosse mit seinem Unternehmen gegen das Gesetz; im Wesentlichen, weil sich sein Nutzfahrzeughandel in der Landwirtschaftszone befand, und das Areal keinerlei Umweltvorschriften gerecht würde.

Locher sagte im Januar in unserer Zeitung, sich «vielleicht manchmal in einer Grauzone» bewegt zu haben, indem er eigentlich für den Export gedachte Bürocontainer ohne Baubewilligung nutzte.

Im Februar deutlich wiedergewählt

Zum Knatsch vor den Wahlen kam hinzu, dass der amtierende Gemeinderat Arthur Hascher gegen Locher für das Gemeindepräsidium kandidierte. Dies alles beeindruckte die Lommiser Wählerinnen und Wähler nicht. Mit einem Stimmenverhältnis von zwei zu eins sprachen sie ihrem Gemeindepräsidenten das Vertrauen aus. Die Sache schien gegessen – bis am Montagabend.

Die Weingartner Christof Rietmann und Andreas Berg meldeten sich zu Wort. Letzterer hatte im Februar erfolglos für den Gemeinderat kandidiert, Ersterer verlangte an der vorgestrigen Gemeindeversammlung, dass Fritz Locher für die Behandlung der nun folgenden Anträge in den Ausstand treten müsse. Mit Erfolg. Vizegemeindepräsident Karl Stadler begab sich ans Mikrofon.

Rietmann zeigte sich «schockiert» darüber, dass Locher über zehn Jahre lang in der Landwirtschaftszone und unter den Augen des Gemeinderates «alle Vorschriften missachten» konnte. Bezüglich Lochers gleichzeitiger Bekleidung des Bauamtes sprach der Weingartner von «Amtsmissbrauch». Andreas Berg doppelte nach. Er höre seit Jahren immer wieder Geschichten über Fritz Locher, und immer gehe es um Graubereiche. Mit seiner Ergänzung, er wolle den Gemeindepräsidenten aber nicht an den Pranger stellen, erntete er indes eher unfreiwillig Lacher.

Vize Stadler stellte vor allem einige Falschaussagen richtig. So sagte er, die Abwasser vom Firmenareal würden in die ARA nach Matzingen geleitet und nicht, wie behauptet, ungereinigt in die Lauche fliessen. Zudem habe er dort nie ein grundwassergefährdendes Unfallfahrzeug gesehen.

Antrag auf Entzug des Bauamtes

Schliesslich stellte Rietmann seine angekündigten Anträge. So forderte er, Locher sei das Bauamt zu entziehen, oder der Gemeinderat müsse eine Baukommission einsetzen. Weiter müsse die Behörde abklären, wie Locher seinerzeit überhaupt zu seiner Betriebsbewilligung gekommen sei. Und über all dies müsse der Gemeinderat in der kommenden Ausgabe des Gemeindeblattes transparent informieren.

Nach einigem Hin und Her war man sich schliesslich einig, wie und worüber abgestimmt werden kann: Wird der erste Antrag nicht für erheblich erklärt, gibt es für den Lommiser Gemeinderat nichts weiter zu verfolgen.

Und so kam es denn auch: Der Lommiser Souverän stellte sich einmal mehr hinter seinen Gemeindepräsidenten. 50 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wollten von Rietmanns Anträgen nichts wissen, lediglich 21 stimmten zu.

Der Schlussapplaus des Montagabends gehörte indes einer Stimmbürgerin, die das zuvor Gehörte energisch kommentierte:

«Wir haben jetzt eine Dreiviertelstunde lang eine Wiederholung des Wahlkampfes erlebt. Fritz Locher wurde im Februar mit einem Glanzresultat wiedergewählt. Ein besseres Zeugnis gibt es wohl nicht.»



Durchgehende Einstimmigkeit

Die ordentlichen Traktanden der Rechnungsversammlungen von Politischer und Primarschulgemeinde Lommis konnten die jeweiligen Behörden zügig und ohne Kontroversen abhandeln – ganz im Gegensatz zum Traktandum «Verschiedenes».

Schulpräsident Peter Haas präsentierte einen Rechnungsabschluss mit einem Gewinn von 275000 Franken. Im Wesentlichen aufgrund der Steueramnestie seien die Steuereinnahmen deutlich höher als budgetiert ausgefallen, erklärte Haas. Ein Umstand, der natürlich auch den Abschluss der Politischen Gemeinde beeinflusste. Hier konnte Gemeindepräsident Fritz Locher einen Überschuss von 438000 Franken vorlegen, wovon 250000 Franken in die Vorfinanzierung der Mehrzweckhalle fliessen. Diesbezüglich informierte Gemeinderat Josef Schönenberger, dass der 55-jährige Bau zwar erfreulich gut ausgelastet, aber auch stark sanierungsbedürftig sei. Eine Arbeitsgruppe erarbeite derzeit die Varianten Sanierung und Neubau, erklärte Schönenberger weiter. Im Herbst wolle man dann an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung darüber befinden.

Rechnungsabschlüsse und beantragte Gewinnverwendungen wurden genau so einstimmig und diskussionslos genehmigt wie das anschliessende Traktandum: Die vier amtierenden Urnenoffizianten stellten sich zur Wiederwahl. Und drei von vier Mitglieder der Rechnungsprüfungskommission. Aus diesem Gremium verabschiedete sich nach 17 Jahren Jürg Huber. Für ihn rückt Petra Läng nach.
Weiter informierte Gemeinderat Karl Stadler über die bevorstehende kommunale Urnenabstimmung: Am 19. Mai befinden die Lommiser über einen 2,3-Millionen-Kredit für den Neubau des Wasserreservoirs Immenberg. Hierzu gab es zahlreiche technische Fragen, indes keine Kontroverse.

So dass Fritz Locher schliesslich mit dem scheidenden Gemeinderat Arthur Hascher seinen Kontrahenten in den vergangenen Gesamterneuerungswahlen verabschieden konnte – mit einer kurzen Dankesrede und einem Blumenstrauss.

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