Verschicktes Video zeigt Porno mit Kind und Tier – Bezirksgericht Frauenfeld verurteilt einen 41-Jährigen

Das Bezirksgericht Frauenfeld hat einen 41-jährigen Mann schuldig gesprochen. Er hatte ein Video mit verbotenem Inhalt weitergeleitet. Der Angeklagte taxierte das Video als «Witzfilmchen».

Barbara Hettich
Merken
Drucken
Teilen
Der Eingangsbereich zum Bezirksgericht Frauenfeld.

Der Eingangsbereich zum Bezirksgericht Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Man darf nicht alle erhaltenen Mitteilungen oder Videos ungestraft in den Sozialen Netzwerken weiterverbreiten. Auch dann nicht, wenn man einem Bekannten nur zeigen will, welch abartiges Filmchen man erhalten hat. Genau dies wurde einem 41-jährigen Mann zum Verhängnis.

Im März 2019 hatte er über den Messenger-Dienst von Facebook ein Video weitergeleitet, auf dem ein deutlich minderjähriger Junge mit erigiertem Penis ein Huhn penetrierte und sich dabei sichtlich amüsierte. Am Montag stand er dafür vor Bezirksgericht.

Ein verhängnisvolles «Witzfilmchen»

«Es ist allgemein bekannt, dass die Verbreitung von Kinderpornografie verboten ist», begründete die Staatsanwaltschaft die Klage. Und weiter:

Als der Beschuldigte das Video weiterleitete, war ihm bewusst, dass er damit mindestens möglicherweise kinderpornografisches Material verbreitete.»

Sie hielt dem 41-Jährigen aber zugute, dass er keine sexuelle Motivation hatte und er dieses kurze Video in sehr schlechter Bildqualität als «Witzfilmchen» taxiert hatte. Er habe ein umfassendes Geständnis abgelegt und Reue gezeigt. Für die Verbreitung von kinderpornografischem Material sieht die Gesetzgebung eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.

In Anbetracht dieses «besonders leichten Falls» forderte der Staatsanwalt lediglich eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 50 Franken. Es sei ihm eine Busse von 300 Franken aufzuerlegen.

Verzicht auf Landesverweis

Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten, der Serbe lebe seit 18 Jahren in der Schweiz, sei Vater von zwei Kindern, für die er unterhaltspflichtig und eine wichtige Bezugsperson sei. Der Angeklagte gehe einer geregelten Arbeit nach und sei nicht einschlägig vorbestraft. Ausserdem sei auf das Aussprechen eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbotes mit Minderjährigen zu verzichten.

Die Anklage wurde im abgekürzten Verfahren abgehandelt, denn Staatsanwalt und Verteidiger waren sich über die Strafzumessung einig. Der Anwalt des Beschuldigten fügte an:

«Ein Strafbefehl wäre ökonomisch sinnvoller gewesen. Für diesen besonders leichten Fall hätte man kein Gericht bemühen sollen.»

Aber: Bestimmte Tatbestandsvarianten der Pornografie sind Katalogtat für einen obligatorischen Landesverweis wie auch für ein lebenslanges Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen und müssen im Kanton Thurgau von einem Gericht beurteilt werden.

Dies wird den Verurteilten teuer zu stehen kommen, denn nebst Verfahrenskosten von 1799 Franken muss er die Gerichtskosten von 1000 Franken berappen. Die Anwaltskosten von 4500 Franken übernimmt zwar die Staatskasse, doch sobald es seine finanzielle Lage zulässt, muss er auch diesen Betrag zurückzahlen.