Versammlung
Versöhnliche Töne im Kirchenschiff: Katholisch Müllheim will nach Knatsch nach vorne schauen

Vergangenen Dezember hatte es rumort in der Katholischen Kirchgemeinde Müllheim. Kritik wurde laut am Priester und an der Behörde. Nun soll in die Kirchenbänke wieder Ruhe kommen, wie am Mittwochabend an der Rechnungsgemeindeversammlung bekannt wurde. Im Mai finden die Gesamterneuerungswahlen für den Kirchgemeinderat statt. Und ab Ende Jahr soll sich Müllheim dem Pastoralraum Thurtal-Seerücken-Untersee anschliessen.

Robin Bernhardsgrütter
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Die katholische Kirche in Müllheim.

Die katholische Kirche in Müllheim.

Bild: Andrea Stalder

«Nicht alles ist in der Vergangenheit gut gewesen, nicht jede Entscheidung war richtig.» So beginnt Giovanni Meli, interimistischer Kirchgemeindepräsident von katholisch Müllheim Giovanni die Rechnungsgemeinde von Mittwochabend. Er spricht die Differenzen zwischen den Kirchbürgern und Pater Jaroslaw Kwiatkowski an sowie die fehlende Transparenz des Kirchgemeinderats.

Am 15. Mai stehen nun Neuwahlen für den gesamten Kirchgemeinderat an. Giovanni Meli wird sich als Präsidentschaftskandidat stellen und sich, wenn er gewählt wird, mit dem Pastoralraum Thurtal-Seerücken-Untersee auseinandersetzen müssen. Dieser will eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Pfarreien. Dem Pastoralraum angeschlossen sind Pfarreien aus Gündelhart, Homburg, Pfyn und Steckborn sowie ab Ende Jahr voraussichtlich Müllheim.

Es fehlen die Priester

Urs Brosi, Generalsekretär der Katholischen Landeskirche Thurgau.

Urs Brosi, Generalsekretär der Katholischen Landeskirche Thurgau.

Bild: Robin Bernhardsgrütter

Urs Brosi, noch amtierender Generalsekretär der Katholischen Landeskirche Thurgau, erklärt den anwesenden Stimmbürgern das Konzept des Pfarreiverbundes.

«Wir möchten keine Fusion der Kirchgemeinden, sondern eine verstärkte Zusammenarbeit.»

So erläutert es Brosi, der ab dem 1. Dezember Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz sein wird. Der Verbund soll zum einen finanziell und zum anderen personell entlasten. So sagt Brosi vor der Kirchgemeinde: «Es gelingt uns nicht mehr, qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Der Pastoralraum teilt sich einen oder mehrere Priester.»

Selbstkritik und Einsicht des Kirchgemeinderats

Der Pastoralraum soll auch dem Problem entgegenwirken, dass die Kirche viele Austritte und kaum Neueintritte verzeichnet. «Vor allem die fehlenden Eintritte sind ein Problem, auch für die Zukunft», sagt Brosi. Die Idee des Pastoralraumes stösst auf Gehör bei den meisten Kirchbürgern. Trotzdem: Zufrieden sind noch nicht alle.

Blick in die Rechnungsgemeindeversammlung von katholisch Müllheim.

Blick in die Rechnungsgemeindeversammlung von katholisch Müllheim.

Bild: Robin Bernhardsgrütter

Gerade die fehlende Transparenz und verschiedene Vorfälle, wie die Absetzung vom langjährigen Mitglied der Kirchvorsteherrschaft René Dürler als interimistischer Präsident oder auch ein Rechtsfall mit einer Sekretärin sorgten im vergangenen Jahr für Kritik. Und Pater Jaroslaw Kwiatkowski war für viele Kirchbürger in den vergangenen Jahren kaum noch tragbar. Doch er zeigt sich einsichtig und sagt:

«Einiges ist schiefgelaufen. Es waren die Zeichen der Zeit, die mich zu meiner Demission bewegt haben. Es ist Zeit für etwas Neues, und ich schaue positiv in die Zukunft.»

Warten auf den Neuanfang

Vieles wird mit dem Pastoralraum in Müllheim neu. Doch Pater Kwiatkowski wird als Priester seinen Kernaufgaben weiter nachgehen. Auch innerhalb der Kirchbehörde wird weiter am Neuanfang gearbeitet und Altlasten abgelegt. So ist der Rechtsfall mit der ehemaligen Sekretärin erledigt, und Behördenmitglieder arbeiten nicht länger mit mehr als 15 Prozent in einem Arbeitsverhältnis mit der Pfarrei. Die Zeichen stehen also auf Neuanfang, das Resultat bleibt abzuwarten.