Glosse

Verkehrte Welt in Märstetten

Räbeblatt: In Märstetten feiern die Frauen Hiläri - und die Männer wehren sich dagegen. Wer sich nun wundert, sollte weiter lesen...

Sabrina Bächi
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Am Hiläri steht die Welt Kopf...

Am Hiläri steht die Welt Kopf...

(Bild: Werner Lenzin, 13. Januar 2018)

Seit Jahrhunderten ist es in Märstetten Brauch, dass die Frauen ausgiebig Hiläri unter ihresgleichen begehen. In Geselligkeit feiern sie die Freuden des Leben, belustigen sich über die Unfähigkeiten ihrer Männer, nur schon eine Glühbirne auszuwechseln oder auch das Scheibenputzwasser im Auto nachzufüllen.

Sabrina Bächi, Leiterin Ressort Weinfelden.

Sabrina Bächi, Leiterin Ressort Weinfelden.

(Bild: Andrea Stalder)

Die Frauen dürfen sich an diesem einen Tag im Jahr von jeglichen Zwängen des Alltags befreien. Schaffen sie doch unermüdlich für Mann und Kinder im Haushalt. Selbst als Arbeitnehmerinnen leisten sie in der Wirtschaft grossartiges. Doch nun gab es Stunk am gestrigen Hiläri. Die Männer protestierten lautstark vor der Weitsicht.

Im Jahr 2020 getrauen sie sich endlich, sich gegen die unfaire Behandlung zur Wehr zu setzen. Sie fürchten um ihren Zmorge und wollen nicht neben einer verkaterten Frau aufwachen, welche den Haushalt links liegen lässt. Sie fürchten den Stress mit den Kindern und wehe, wenn auch noch ein Baby im Haushalt lebt. Dessen Geschrei ist kaum auszuhalten, wenn sich das Mami nicht um es kümmert.

Und von der Ablästerei über das starke Geschlecht haben sie auch die Nase voll. Deshalb sammeln die Männer nun Unterschriften gegen die weiblichen Ausschweifungen am Hiläri.

Ob das etwas bringt, daran zweifeln Experten. Im Thurgau mit langjährigen Traditionen zu brechen, erachten sie als fast unmöglich.

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