Verkehr
Einbahnringe zur Verkehrsentlastung der Innenstadt: Frauenfelder Gemeinderäte reichen Vorstoss ein und fordern Tests

Mit einer Motion verlangen die beiden GLP-Gemeinderäte Stefan Leuthold und Lorenz Weber vom Stadtrat, zwei Konzeptvarianten zur Lenkung des Durchgangsverkehrs um das Stadtzentrum zu erarbeiten. Ähnliche Bestrebungen gab es schon 2009 und 2015, aber erfolglos.

Samuel Koch
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Innerstädtischer Verkehr auf der Zürcherstrasse vor Schloss und Rathaus.

Innerstädtischer Verkehr auf der Zürcherstrasse vor Schloss und Rathaus.

Bild: Andrea Stalder

Manch einer mag sich noch erinnern, wenn auch nur vage. Mit der Motion, die den Titel «Einbahn als grosse Chance für die Entlastung der Innenstadt» trägt, kehrt jetzt eine altbekannte Forderung zurück in die politische Agenda. Die beiden GLP-Gemeinderäte Stefan Leuthold und Lorenz Weber haben ihren Vorstoss mit vier Mitunterzeichnenden an der letzten Gemeinderatssitzung von Ende März eingereicht. Der Grünliberale-Kollege Ivo Begic wird zwar auf dem Papier ebenfalls aufgeführt, ist aber laut Gemeinderatssekretär Giuseppe D'Alelio nicht offiziell Motionär.

Stefan Leuthold, Gemeinderat GLP und Motionär.

Stefan Leuthold, Gemeinderat GLP und Motionär.

Bild: PD

2015 und 2009 gab es im Gemeinderat bereits Vorstösse für Abklärungen zu einem Einbahnsystem in der Frauenfelder Innenstadt. Beide Male scheiterten allerdings die Bestrebungen, weil der Stadtrat jeweils auf eine Umfahrung fokussieren wollte. Genau dort wollen Leuthold und Weber jetzt anknüpfen. Sie begründen ihre Forderung nach zwei Konzeptvarianten damit, dass das Problem des Durchgangsverkehrs durch das Stadtzentrum seit Jahrzehnten bestünde. Sie schreiben:

«Ideen für verschiedene Tunnelvarianten, Einbahnregimes oder grossräumige Umfahrungsstrassen wurden abgelehnt, konnten sich nicht durchsetzen oder scheiterten an zu hohen Kosten.»
Lorenz Weber, Gemeinderat GLP und Motionär.

Lorenz Weber, Gemeinderat GLP und Motionär.

Bild: PD

Mit zwei grossen Einbahnringen, für welche die Achse der Bahnhofstrasse zwischen Schweizerhofkreisel und Murgplatz als Verbindung dient, wollen die Motionäre die «Aufwertung der gesamten Innenstadt zu einer grossen, verkehrsberuhigten Begegnungszone mit hoher Aufenthaltsqualität ermöglichen». In der Motion heisst es weiter:

«Für alle Verkehrsteilnehmenden ist der freie Zugang zu Gewerbetreibenden und Gastronomiebetrieben sichergestellt.»

Und für den Transitverkehr soll die Umfahrung in erster Priorität via Autobahn erfolgen. Ausser ein paar Signalisationen sei für die Idee ein Minimum an baulichen Massnahmen nötig. Zudem würden durch die Einbahnringe neue Verkehrsflächen frei, was zusätzliche Velospuren oder Trottoirs ermögliche, «was für alle Beteiligten die Sicherheit erhöht».

Simulationen und zeitlich begrenzter Testbetrieb

Die Motionäre verlangen vom Stadtrat rund einen Monat vor den beiden Verkehrsabstimmungen am 15. Mai, dass er zwei Konzeptvarianten erarbeitet, die zunächst als Simulationen und später zeitlich begrenzt als Testbetrieb zu prüfen seien und bei Erfolg umgesetzt werden sollen. Der Plan mit den beiden Einbahnringen um die Begegnungszone in der Innenstadt könnte punktuell leicht angepasst werden, finden Leuthold und Weber.

Mitte Mai entscheiden die Stimmberechtigten an der Urne einerseits darüber, ob die Altstadt autofrei werden soll, und andererseits, ob mit einem Rahmenkredit 11,3 Millionen Franken in die Aufwertung der Strassenräume der Innenstadt fliessen. Für die beiden Konzeptvarianten schlagen die Motionäre dem Stadtrat genaue Eckwerte vor.

Eckwerte für Konzeptvariante 1:

Für die erste Variante wollen Leuthold und Weber den Transitverkehr aus Richtung St.Gallen mit einem Einbahnregime mit Tempo 30 bei der Kreuzung St.Galler-/Marktstrasse via Ringstrasse zur Zürcherstrasse mit anschliessender Verbindung zum Schweizerhofkreisel lotsen. Der Transitverkehr nach St.Gallen soll vom Murgplatz im Tempo-30-Regime zur Kreuzung Zürcherstrasse, am Postkreisel und Rathausplatz vorbei zur Kreuzung St.Galler-/Marktstrasse fahren. Als Verbindung Ost–West würde gemäss Vorschlag eine Verbindung mit Gegenverkehr zwischen Schweizerhofkreisel und Murgplatz mit Tempo 50 dienen.

Damit bleibe das Stadtzentrum für alle Arten von Verkehrsmitteln bestens erschlossen. Innerhalb des Einbahnrings könnte in der ganzen Innenstadt eine verkehrsberuhigte Begegnungszone mit Tempo 20 geschaffen werden, womit auch eine kleine Anzahl Kurzzeitparkplätze erhalten werden soll. Weiter schreiben Leuthold und Weber: «Abkürzungen des Einbahnrings mit Schleichverkehr durch das Zentrum müssen vermieden werden.» Das könne durch Signalisationen wie Sackgassen oder ähnliche Vorkehrungen erreicht werden.

Eckwerte für Konzeptvariante 2:

Die Konzeptvariante 2 lehnt sich an die erste an, wobei der Einbahnring zusätzlich aufs Kurzdorf mit dem Schaffhauserkreisel ausgeweitet würde. Demnach würde der Transitverkehr aus Richtung Schaffhausen mit Tempo 30 im Einbahnverkehr vom Schaffhauserkreisel zur Rheinstrasse und über den Roseneggkreisel zum unterirdischen Kreisel der Ost-West-Verbindung geführt. Und der Transitverkehr nach Schaffhausen soll ebenfalls mit Tempo 30 vom Schweizerhofkreisel via Zeughaus- und Eisenwerkstrasse bis zum Schaffhauserkreisel geführt werden.

Auch bei dieser Variante schlagen die Motionäre vor, den Schleichverkehr durch Abkürzungen via Industrie- und Gaswerkstrasse mit Signalisationen oder anderen geeigneten Massnahmen zu unterbinden.

Gemäss Geschäftsreglement für den Gemeinderat muss der Stadtrat jetzt die Motion in der Regel schriftlich auf eine der nächsten Sitzungen beantworten. Danach befindet der Gemeinderat darüber, ob der Vorstoss für erheblich erklärt wird.