«Verkaufs- und Freisetzungsverbot wäre die beste Vorsorge»: Thurgauer wollen Neophyten am Ladentisch bekämpfen

Invasive Fremdpflanzen sollen im Thurgau verboten werden. Der Initiant hofft, eine Signalwirkung zu entfachen.

Silvan Meile
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Neophyten-Bekämpfung: Auf der Allmend in Frauenfeld werden Goldruten geschnitten. .

Neophyten-Bekämpfung: Auf der Allmend in Frauenfeld werden Goldruten geschnitten. .

Bild: Reto Martin

Paul Kochs Idee fällt beim Kanton auf fruchtbaren Boden: Die exotischen Pflanzen, die sich hier rasch ausbreiten und die einheimische Flora verdrängen, müssen stärker bekämpft werden. Der SVP-Kantonsrat aus Oberneunforn sagt:

«Die beste Vorsorge wäre ein Verkaufs- und Freisetzungsverbot für die entsprechenden Pflanzen.»

Zwar gibt es schweizweit bereits eine Liste von «invasiven gebietsfremden Organismen», die weder verkauft noch gepflanzt werden dürfen. Koch ist aber der Meinung, dass diese Liste verlängert werden muss. Deshalb reichte er eine Motion ein. Als besonders augenfälliges Beispiel nennt der Revierförster darin den weitverbreiteten Kirschlorbeer.

In vielen Gärten grenzt der schnell wachsende Strauch als Hecke den Privatgarten ab. Doch er breitet sich aus, wuchert mittlerweile in vielen Wäldern, wo er eben einheimische Pflanzen verdrängt. Hat er sich mal breitgemacht, lässt er sich kaum noch bekämpfen.

«Ein Verbot erscheint zweckmässig»

«Es ist doch paradox, wenn solche Pflanzen weiterhin in den Verkauf gelangen und freigesetzt werden, obwohl sie unerwünscht sind und für unsere Umwelt einen negativen Einfluss haben», sagt Koch. Diese Meinung teilt auch die Thurgauer Regierung. In ihrer Antwort auf Kochs Vorstoss spricht sie von einem ernstzunehmenden Problem. Nebst der Verdrängung von einheimischen Arten seien bezüglich invasiver Neophyten auch Allergien, Zerstörung von Böschungen, Schäden in Wäldern und Ertragsausfälle in der Landwirtschaft zu nennen.

Kantonsrat Paul Koch, SVP.

Kantonsrat Paul Koch, SVP.

Bild: Andrea Stalder
«Ein Verbot solcher Pflanzen erscheint deshalb zweckmässig.»

Die Regierungsräte empfehlen deshalb, Kochs Motion als erheblich zu erklären. Das letzte Wort hat das Kantonsparlament.

Zwar wurde auf nationaler Ebene diese Stossrichtung auch schon eingeschlagen. Koch findet aber:

«Es muss jetzt etwas gehen.»

Zu langsam würden die Mühlen in Bundesbern mahlen. Deshalb schwebt ihm vor, dass der Thurgau in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnehme und umliegende Kantone bestenfalls mitziehen. In einem ersten Schritt sieht er Fachleute in die Pflicht. «Es gibt tatsächlich immer noch Gärtner, die solche invasiven Neophyten anpflanzen.»

In einem weiteren Schritt denkt er aber auch daran, etwa für Gartencenter ein Verkaufsverbot für Pflanzen auf einer erweiterten schwarzen Liste auszusprechen.

Der Regierungsrat zeigt aber in diesem Bereich auch Grenzen auf. Es gäbe noch Fragen, die zu klären wären. So sei beispielsweise unklar, wie ein isoliertes kantonales Verkaufs- und Freisetzungsverbot in Relation mit der Bundesgesetzgebung ausgestaltet und durchgesetzt werden könnte. Es würde jedenfalls dazu führen, dass der Detailhandel gewisse Pflanzen für den Thurgau sperren müsste. Der Kunde könnte natürlich auf Nachbarkantone oder gar Nachbarländer ausweichen.

Auch Paul Koch ist sich dessen bewusst. Er freut sich erstmals, dass das Problem auch bei der Regierung erkannt wird.

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