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Frauenfelder Friedhofskirche: Verjüngungskur für die Älteste

Wegen Umbau geschlossen: Am 13. August beginnen in der paritätisch genutzten Kirche St. Laurentius im Oberkirch Restaurierungsarbeiten. Spätestens zur Adventszeit soll der über 1100 Jahre alte Sakralbau wieder in neuem altem Glanz erscheinen.
Mathias Frei
Blick auf sein nächstes Bauobjekt: Architekt Gabriel Müller auf der Empore der St.-Laurentius-Kirche. Hinter dem Altar ist das wertvolle Glasgemälde aus dem 14.Jahrhundert zu sehen. (Bild: Andrea Stalder)

Blick auf sein nächstes Bauobjekt: Architekt Gabriel Müller auf der Empore der St.-Laurentius-Kirche. Hinter dem Altar ist das wertvolle Glasgemälde aus dem 14.Jahrhundert zu sehen. (Bild: Andrea Stalder)

Seit der letzten Gesamtsanierung sind 34 Jahre vergangen. Aber verglichen mit der urkundlichen Ersterwähnung der Laurentiuskirche im Jahr 889 ist das gar nichts. Erstaunlich, wie gut sich der älteste Sakralbau auf Stadtgebiet gehalten hat. «Aber wenn man jetzt nichts machen würde, wären die Wände in 20 Jahren schwarz vor Russ und Staub», sagt Gabriel Müller. Der Frauenfelder Architekt, der auf historische Bauten spezialisiert ist, verantwortet die nun anstehende sogenannte Unterhaltssanierung. Den Auftrag dazu hat er von den beiden Kirchgemeinden erhalten. Sie sind gemeinsame Eigentümerinnen von St. Laurentius. Die budgetierten Kosten von 390000 Franken teilen sich Frauenfelds Katholiken und Reformierten hälftig, wie sie auch die Kirche im Oberkirch seit dem Jahr 1536 paritätisch nutzen.

Erste Seitenfenster sind schon ausgebaut und bei einem spezialisierten Glaser im St. Gallischen Andwil. Bis und mit Sonntag, 12. August, ist die Kirche noch offen, am Vortag findet der letzte Gottesdienst statt – das Patrozinium von St. Laurentius der Katholiken. Ab dem 13. August wird an gleicher Stelle dann gewerkt. Architekt Müller rechnet damit, dass die Arbeiten spätestens zu Advent 2018 abgeschlossen sind.

Lange Frauenfelds einziges Gotteshaus

Gabriel Müller hat schon an vielen historischen Gebäuden gewirkt. «Aber das ist mit Abstand mein ältestes Objekt.» Und weil es zudem noch ein Sakralbau sei, gehe man mit einer grossen Ehrfurcht heran. St. Laurentius ist Frauenfelder Mutterkirche. Das heisst: Bis Ende des 13. Jahrhunderts nahm man für den Kirchgang den Weg von der Stadt ins Oberkirch unter die Füsse. 400 Jahre zuvor, am 18. November des Jahres 889, geht der Hof Erchingen mitsamt Laurentiuskirche in den Besitz des Klosters Reichenau über, die urkundliche Ersterwähnung. Kirchenhistoriker halten es aber aufgrund des Schutzheiligen für möglich, dass schon seit dem 4. oder 5. Jahrhundert gleichenorts ein Gotteshaus stand. Architektonisch sind drei Bauetappen abzulesen: 9. Jahrhundert, 10./11. Jahrhundert sowie der gotische Chor aus den 1320er-Jahren.

Heute rechnet man bei Kirchen mit einem Sanierungszyklus von rund 50 Jahren. Damit das funktioniert, braucht es aber kleinere Zwischensanierungen – wie eben die jetzige Unterhaltssanierung. «So kann man eine ungleich teurere und länger dauernde Gesamtsanierung hinauszögern», erklärt Müller. Die gut gemachte Gesamtsanierung in den Jahren 1983/84 bilde eine gute Basis, zudem sei vor zehn Jahren eine kleine Restaurierung vorgenommen worden. «Kirchen wurden schon in früheren Zeiten nachhaltig gebaut», stellt er fest.

Das wertvolle Chorfenster hinter dem Altar. (Bild: Andrea Stalder)

Das wertvolle Chorfenster hinter dem Altar. (Bild: Andrea Stalder)

Eines der wichtigsten Glasgemälde Europas

Das Chorfenster hinter dem Altar der Laurentiuskirche ist mit einem höchst wertvollen Glasgemälde ausgestattet, das aus der Zeit um 1320 stammt. Dieses gilt als eines der besterhaltenen Glasgemälde Europas jener Zeit. Im «Kunstführer durch die Schweiz» der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte heisst es: «Das hochgotische Chorfenster ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Glasmalereikunst aus dem Kreis konstanzisch-dominikanischer Mystik.» Das Fenster ist in drei dreistöckige sogenannte Lanzetten aufgeteilt, wobei die mittlere höher ist als die beiden äusseren. Die untere Reihe besteht aus ornamentalen Mustern. In der Mitte ist links der Verkündigungsengel zu sehen, in der Mitte Maria und rechts Kirchpatron Laurentius. Im obersten Geschoss erkennt man die Kreuzigung Christi, flankiert von Maria und Johannes. Rot, Blau und Grün sind die vorherrschenden Farben. (ma)

Farbe wäre einfacher als Trockenreinigung

Bei der Sanierung von so alter Bausubstanz sind hochspezialisierte Fachleute zugange. Das fängt bei den zehn grossen und zwei kleinen Seitenfenstern an. Diese werden gereinigt, nach Bedarf geflickt, teils ausgewechselt, die Bleitrenner zwischen dem Glas werden gerichtet und verstärkt, das Steinmasswerk um die Fenster wird aufgefrischt. Wie bei allen anderen Baumaterialien gilt für Müller auch hier: Ziel ist, die alten Bauteile so aufzuwerten, dass sie weiterverwendet werden können. So wäre es bei den Wänden ein Einfaches, sie einfach zu streichen. Aber dann müsste bei der nächsten Gesamtsanierung eine zusätzliche Farbschicht abgetragen werden. «Wir sanieren heute für die nächste Generation», sagt Müller. Deshalb werden die Wände mit speziellen Schwämmen, die den Schmutz binden, trocken gereinigt, gewissermassen abgetupft. Es finden Reparaturen am Putz statt, an den Kirchenbänken und sonstigen Holzoberflächen.

Ein weiterer Bereich in der Kirche, die Platz für bis zu 230 Personen bietet, ist die Haustechnik. Die Tontechnik wurde vor einigen Jahren erneuert. Nun gibt es automatisierte Oblichtsteuerung, um die Feuchte zu verbessern. Zudem wird zwecks Energieoptimierung die Steuerung der Heizkörper unter den Kirchenbänken erneuert. Und es werden die Leuchtmittel ersetzt. Neu gibt es LED-Licht.

Für Beerdigungsgottesdienste in die nahe Abdankungshalle

Die Restaurierung der St.-Laurentius-Kirche hat auch Folgen für Kirchgänger respektive Besucher von Beerdigungen. Die Kirche auf dem Friedhof Oberkirch befindet sich im Besitz beider Frauenfelder Kirchgemeinden und wird paritätisch genutzt. Grundsätzlich halten weder die Katholiken noch die Reformierten reguläre Gottesdienste in St.Laurentius ab. Die Ausnahme bestätigt die Regel: Die Pfarrei St.Anna feiert am Samstag, 11.August, das Patrozinium der Laurentiuskirche, also eine Feierlichkeit, die in der katholischen Kirche zu Ehren eines Schutzheiligen begangen wird. Durch die umsichtige Bauplanung könne dieser traditionelle Gottesdienst im gewohnten Rahmen über die Bühne gehen, sagt Lukas Schönenberger, Pfarreikoordinator der katholischen Kirchgemeinde. Abdankungsgottesdienste, die nach Bedarf stattfinden, werden in der nahen Abdankungshalle abgehalten. Auch die evangelische Kirchgemeinde weicht für Abdankungsgottesdienste in die Abdankungshalle aus, wie Kirchenpfleger Wolfgang Ackerknecht, der für die Liegenschaften verantwortlich ist, erklärt. «Bei grösseren Abdankungen kann für den Gottesdienst auf die Stadtkirche ausgewichen werden.» Dann fahren Extrabusse ab der Stadtbus-Haltestelle Friedhof zur Stadtkirche. Wer mit dem PKW unterwegs ist, parkiert in diesem Fall optimalerweise auf dem Marktplatz. (ma)

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