Verhaltener Pathos und aufkeimende Sehnsucht in der Kartause Ittingen

Am Sonntag hat das Dover Quartet in der Kartause Ittingen ein Konzert gegeben.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Das Dover Quartet, ein junges Streichquartett aus den USA, konzertiert im Rahmen der Ittinger Sommerkonzerte in der Remise in der Kartause Ittingen.

Das Dover Quartet, ein junges Streichquartett aus den USA, konzertiert im Rahmen der Ittinger Sommerkonzerte in der Remise in der Kartause Ittingen.

(Bild: Reto Martin)

Es war ein Konzert, das einiges an Unterschiede bot, jedoch so gestaltet war, dass Joel Link, Bryan Lee (beide Violine), Che-Hung Chen (Viola) und Camden Show (Violoncello) dem Publikum eine Vorstellung boten, die klanglich wenig Schroffes aufwies, jedoch keineswegs weichgespült daherkam.

Im Gegenteil: Das Dover Quartet wusste die Verbindungen zwischen den Stücken der grossen Meister und ihrer nicht minder grossen Vorbilder (Mozart/Bach, van Beethoven/Mozart und Brahms/van Beethoven) fein und transparent herauszuarbeiten, sodass das Konzert in seiner Gänze einen grossen Genuss darstellte.

In ein schillerndes Klangbild gegossen

Dass Fugen ab und an etwas trocken wirken, ist kein Geheimnis. Doch bei Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge in c-Moll (KV 546) wusste das Dover Quartet die dem Werk innewohnende Kombination aus verhaltenem Pathos und aufkeimender Sehnsucht perfekt in ein schillerndes Klangbild zu giessen, sodass von hölzerner Klangarithmetik keine Spur zu hören war.

Immer wieder verstand es das Ensemble, die zahlreichen Spiegelungen und Scheineinsätze, mit welchen Mozart hier spielt, fürs Publikum dergestalt bewusst und doch zugleich auch spielerisch zu betonen, sodass das facettenreiche Werk wie in einem Rausch an einem vorüberzog.

Als zweites erklang Ludwig van Beethovens Streichquartett in B-Dur, p. 18/6. Dieses gestaltete das Quartett sowohl enthusiastisch als auch differenziert. Wunderschön war beispielsweise, wie das Ensemble die Liedhaftigkeit des zweiten Satzes betonte und dabei überaus filigran zu Werk ging. Da sass jeder Ton.

Unbestrittener Höhepunkt des Konzertes bildete das Streichquartett B-Dur, op. 67 von Johannes Brahms, dem wohl klassizistischen Streichquartett Brahms’. Hier schwelgte das Dover Quartet insbesondere in tänzerischen Rhythmen und setzte dort markante Akzente, wo sich Anklänge an bekannte Vorbilder erkennen liessen.

So waren im Kopfsatz Anleihen an Mozarts Jagd-Quartett KV 458 ebenso unverkennbar, wie auch die Liedhaftigkeit im langsamen Satz, die einen frappant an Mendelsohns «Lieder ohne Worte» erinnerte. Den Zuhörerinnen und Zuhörern gefiel die Interpretation dieses einmal herb, einmal pastoral wirkenden Werkes zweifelsohne, spendeten sie doch dem Dover Quartet bei Konzertende einen ebenso verdienten wie kräftigen Beifall.

Zwei weitere Sonntagskonzerte

In dieser Saison finden noch zwei Ittinger Sonntagskonzerte statt. Am 23. Februar tritt das Oliver Schnyder Trio mit Werken von Felix Mendelsohn auf. Am 22. März präsentiert das Minette Quartett gemeinsam mit Ivo Gass und Robert Teutsch (beide Horn), Werke von Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Die Konzerte finden jeweils um 11.30 Uhr in der Remise statt. (art)

Kartause Ittingen: ein besonderer Flecken Erde

An der Versammlung der Stiftung Kartause Ittingen vom Sonntag konnten sich die rund 100 Gäste ein genaueres Bild über das Betreute Wohnen und Arbeiten machen. Lobende Worte gab es vom Präsidenten.
Claudia Koch