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Vergewaltigung in der Ehe: Einem Kroaten droht der Landesverweis

Eine Frau beschuldigt ihren Mann, sie vergewaltigt, geschlagen und bedroht zu haben.
Ihm drohen 3,5 Jahre Haft und ein Landesverweis. Gegen die Abschiebung wehrt sich aber auch die Geschädigte.
Silvan Meile
Das Thurgauer Obergericht in Frauenfeld verhandelte den Fall von Vergewaltigungen in einer Ehe. (Bild: Donato Caspari)

Das Thurgauer Obergericht in Frauenfeld verhandelte den Fall von Vergewaltigungen in einer Ehe. (Bild: Donato Caspari)

Die Frau wählt die Nummer des Notrufs. Dieser Anruf beendet ihre Ehe endgültig. Sie werde von ihrem Mann bedroht, sagt sie. Kantonspolizisten rücken aus und schöpfen vor Ort Verdacht auf weitere Delikte: Tätlichkeit, Körperverletzung sowie sexuelle Nötigung. Als der Mann in Gegenwart der Polizisten sagt, er werde jemanden umbringen, nehmen sie in fest.

Später erhebt die Frau auch noch den Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung und einfachen Körperverletzung während Jahren. Meist betrunken soll er seiner Frau gedroht und sie zum Sex gezwungen haben.

«Er hat halt eine altmodische Vorstellung»

«Ich kann nur sagen, das stimmt alles nicht. Es ist alles erfunden», sagt der 34-jährige Monteur mit kroatischem Pass am Montagnachmittag vor dem Thurgauer Obergericht. Seine Verteidigerin forderte einen vollumfänglichen Freispruch des erstinstanzlichen Urteils des Bezirksgerichts Frauenfeld. Dort wurde der Mann zu 42 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Mit seiner von ihm nun getrennt lebenden Frau darf er fünf Jahre lang keinen Kontakt aufnehmen und muss ihr eine Genugtuung von 12000 Franken bezahlen.

Die Anwältin des Mannes forderte vor dem Obergericht einen vollumfänglichen Freispruch. «Mein Mandant bestreitet, seiner Frau etwas angetan zu haben.» Die Anschuldigungen würden hauptsächlich auf ihren Aussagen beruhen. Objektive Beweismittel, wie etwa ein ärztliches Gutachten, würden nicht vorliegen.

Verteidigerin spricht von "konstruiertem Verfahren"

Ihr Mandant habe halt eine «altmodische Vorstellung» bezüglich Geschlechterrolle. Die enge Einbindung in das Familiengefüge habe es ihm nicht zugelassen, seine Frau emanzipieren zu lassen. Deshalb habe diese das Verfahren gezielt in die Wege geleitet. Zwei Tage vor dem Anruf bei dem kantonalen Notruf habe sie ihren Anwalt kontaktiert. «So nahm das konstruierte Verfahren seinen Lauf.» Die Frau habe Familienangehörige über Fälle von häuslicher Gewalt unterrichtet, um Zeugen zu haben.

«Sie wollte die Scheidung», sagt die Anwältin des Beschuldigten. Eine Anzeige wegen häuslicher Gewalt habe dieses Vorhaben begünstigt. Schwierig sei die Situation für ihren Mandanten. Er könne die Vorwürfe nur bestreiten. Und selbst die Drohungen, welche auch die Polizisten hörten, seien unter «verminderter Schuldfähigkeit» ausgesprochen worden. Beim Mann wurden 1,5 Promille Alkohol im Blut gemessen.

Auch künftige Partnerinnen schützen

Die Staatsanwaltschaft hielt an der geforderten Haftstrafe fest, die das Bezirksgericht bereits bestätigte. Zudem forderte sie einen Landesverweis, wie es für den Straftatbestand der Vergewaltigung vorgesehen sei.

Gemäss Staatsanwalt liegt in der vorliegenden Situation kein Härtefall vor. Der Beschuldigte sei in Kroatien geboren, lebte die ersten zwölf Lebensjahre in seinem Heimatland, spreche die Sprache fliessend und leistete dort gar Militärdienst, als er bereits in der Schweiz lebte. «Unsere Gesetze und Gepflogenheiten scheinen ihm nicht zu passen.» Der Staat müsse auch künftige Partnerinnen dieses Mannes schützen, sie hätten ein Anrecht darauf.

«Ein Landesverweis dient niemandem»

Seine Frau, die ihm Vergewaltigung, Körperverletzung und Drohung vorwirft, war an der Verhandlung vor Obergericht nicht anwesend. Ihr Anwalt aber schon. Er legte dar, dass alle Forderungen der Staatsanwaltschaft im Sinne seiner Mandantin seien, ausser ein Landesverweis.

Einerseits sei das Besuchsrecht des Vaters, er sieht seine Kinder jedes zweite Wochenende, in ihren Erziehungsaufgaben eine zeitliche Entlastung. Anderseits fürchtet sie, dass sie nach einer Ausweisung keine Unterhaltszahlungen mehr von ihm bekommt. Diesen Ball nahm auch die Anwältin des Beschuldigten auf. «Es wäre niemandem gedient, wenn dann der Kanton Thurgau die Alimentenbevorschussung zahlen müsste.» Das Urteil des Obergerichts folgt.

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