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Interview

SVP-Frau Verena Herzog verteidigt ihren Verdingkinder-Vergleich: «Ich würde ihn wieder so schreiben»

Im Interview sagt die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog, was sie mit dem Verdingkinder-Vergleich sagen wollte. Ihr liege es fern, Verdingkinder zu verhöhnen oder Kinderkrippen zu beleidigen. Deshalb hält sie auch eine Entschuldigung für nicht angebracht.
Sebastian Keller
Verena Herzog sitzt seit März 2013 für die SVP Thurgau im Nationalrat. Die diplomierte Kindergärtnerin wohnt in Frauenfeld. Bei den Wahlen 2015 holte sie die zweitmeisten Stimmen im ganzen Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Verena Herzog sitzt seit März 2013 für die SVP Thurgau im Nationalrat. Die diplomierte Kindergärtnerin wohnt in Frauenfeld. Bei den Wahlen 2015 holte sie die zweitmeisten Stimmen im ganzen Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Verena Herzog, Thurgauer SVP-Nationalrätin, schreibt in der SVP-Zeitung «Klartext» des Monats Juni im Zusammenhang mit der Forderung nach flächendeckender frühen Förderung: «Dies erinnert an das verwerfliche Gedankengut, mit welchem die Verdingkinder zur besseren Erziehung weggegeben wurden». Im «Blick» äussern sich ehemalige Verdingkinder und Vertreter von Kindertagesstätten empört über den Vergleich der Nationalrätin.

Haben Sie sich mit diesem Vergleich vertan?

Verena Herzog: Nein, ich würde ihn wieder so schreiben. Denn ich will verhindern, dass je auch nur annähernd wieder so etwas passiert wie mit den Verdingkindern. Mit dem Vergleich warne ich vor staatlichen Eingriffen.

Das müssen Sie erklären.

Es sind Bestrebungen im Gang mit mehreren Vorstössen, dass man Frühförderung flächendeckend einführen will. Kinder sollen von der Geburt weg extern betreut werden. Dabei geht es nicht nur um Betreuung, sondern offiziell auch um Erziehung. Ich habe in der zuständigen Kommission die Frage gestellt, was man macht, wenn die Eltern das nicht wollen. Eine Antwort erhielt ich nicht.

Sie befürchten, dass es zu einem Zwang kommen könnte?

Ja, ein Beispiel: Früher war der Kindergarten freiwillig, heute ist er Pflicht. Das könnte auch mit der Frühförderung passieren. Denn die Mitte-Links-Parteien wollen damit ihre verfehlte Migrationspolitik ausbügeln. Doch der Staat hat die Finger von den Kindern zu lassen. Jede Familie - ob Migranten oder Schweizer - soll in Eigenverantwortung frei über ihr Familienmodell entscheiden. Kindertagesstätten sind nötig und eine gute Ergänzung zur Familienbetreuung, aber der Besuch muss freiwillig bleiben!

Aber Verdingkinder wurden aus Familien gerissen und zur Arbeit gezwungen. Die Frühförderung will die Kinder optimal auf das Leben vorbereiten. Das ist doch ein Unterschied.

Genau das wird suggeriert: Es sei besser, wenn man Kinder fremdbetreuen lasse. Eltern, die das nicht tun, will man ein schlechtes Gefühl einreden. Das darf nicht sein. Zudem ist längst bekannt, dass für die Bindungsfähigkeit von Kleinkindern möglichst konstante Bezugspersonen Voraussetzung sind. Dies kann in Krippen selten geleistet werden.

Aber historische Vergleiche sind heikel, können Menschen verletzen.

Der Titel im «Blick» suggeriert etwas Falsches. Ich will weder Verdingkinder verhöhnen noch Krippen beleidigen. Mein Ziel ist einzig, dass so etwas nie mehr passiert. Der Politik wird teilweise zu Recht vorgeworfen, dass sie immer nur reagiert. Ich dagegen will agieren. Und kämpfe dafür, dass weiterhin alle geeigneten Familienmodelle möglich sind.

Können Sie die Empörung, die aufgrund des Artikels aufkocht, nachvollziehen?

Der «Blick» ist eine Boulevardzeitung und «lebt» von reisserischen Schlagzeilen. Ich wollte niemanden verhöhnen oder beleidigen, nur den Mahnfinger aufhalten. Ausserdem sind die Haltungen zur Familienpolitik sehr unterschiedlich und daher kontrovers.

Aber Sie stimmen zu, dass die Fremdplatzierung ein dunkles Kapitel in der jüngeren Schweizer Geschichte ist, oder?

Das ist ein absolut dunkles Kapitel. Ich habe mir 2011 die Wanderausstellung «Verdingkinder reden» im Schloss Frauenfeld angeschaut. Sie ist mir richtig eingefahren. Deshalb setzte ich mich dafür ein, dass wir uns auch nicht annähernd wieder in diese Richtung bewegen.

Der Verein Fremdplatziert fordert eine Entschuldigung. Werden Sie das tun?

Nochmals: Ich will nicht, dass so etwas wieder passieren kann. Deshalb weiss ich auch nicht, wofür ich mich entschuldigen soll. Ich habe mit zwei ehemaligen Verdingkindern Kontakt gehabt. Als ich ihnen erklärte, worum es mir geht, konnten sie meine Argumente nachvollziehen. Ich will sie nicht in einem falschen Licht darstellen.

Fühlen Sie sich falsch darstellt?

Ja, unbedingt. Ich will niemanden beleidigen. So ein trauriges Kapitel wie mit den Verdingkindern darf sich in unserem Land niemals wiederholen.

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