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In Frauenfeld spannen Stadt und Schulen für Frühförderung zusammen

Stadt und Schule arbeiten an einem gemeinsamen Konzept und damit noch enger zusammen, wenn es ums frühe Erlernen der Sprache und ums frühe Bewältigen von Alltagssituationen geht. Weist das Kind bei der Einschulung Defizite auf, sind diese kaum mehr aufzuholen.
Samuel Koch
Ein Kind auf dem Weg zur Spielgruppe, in welcher es schon früh Umgangsformen, Verhaltensregeln und die Sprache lernt. (Bild: Getty)

Ein Kind auf dem Weg zur Spielgruppe, in welcher es schon früh Umgangsformen, Verhaltensregeln und die Sprache lernt. (Bild: Getty)

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Nach dieser Maxime handeln auch das städtische Departement für Gesellschaft und Soziales und die Schulen Frauenfeld bei der Frühförderung. Eine Zusammenarbeit besteht zwar schon seit über zehn Jahren. Nun aber wird diese intensiviert, indem in einer paritätischen Kommission ein gemeinsames Konzept «Frühe Förderung» erarbeitet wird.

«Ziel ist es, dass dieses bis Ende Jahr genehmigt ist»

Christa Thorner, Vorsteherin Departement Gesellschaft und Soziales. (Bild: Andrea Stalder)

Christa Thorner, Vorsteherin Departement Gesellschaft und Soziales. (Bild: Andrea Stalder)

sagt Christa Thorner, Departementsvorsteherin für Gesellschaft und Soziales. Dabei gehe es auch darum, nebst der Unterstützung von Eltern vermehrt deren Verantwortung für einen guten Start ins Kinderleben einzufordern. Im Unicef-Massnahmenplan für das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» steht einerseits als Ziel bis 2021: Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Stadt. «Andererseits haben sich sowohl die Stadt als auch die Schulen in ihren Legislaturzielen zu einer engeren Zusammenarbeit ausgesprochen», meint Thorner.

Forschungsergebnisse fliessen ins Konzept ein

Es sei nicht so, dass man jetzt auf einer brachliegenden, grünen Wiese beginne, neu anzusäen. «Wir integrieren, was sich seit dem ersten Konzept 2009 bewährt hat, und ergänzen, wo Handlungsbedarf besteht», meint sie. Im Zentrum des Konzepts stünden die Kinder, denn Forschungsergebnisse wie diejenigen des von Wirtschaftswissenschaftlers Ernst Fehr geleiteten Instituts für empirische Wirtschaftsforschung an der Uni Zürich zeigen, dass Investitionen in frühe Bildung sozial und wirtschaftlich Früchte tragen. «So können mit Frühförderung später etwa Kosten in der Sozialhilfe oder im Strafvollzug gespart werden», sagt Thorner.

In Frauenfeld als kantonale Pionierin und als eine von heute wenigen Gemeinden im Kanton existiert etwa eine Sprachspielgruppe, die jährlich rund fünf Dutzend Kinder – vor allem mit sprachlichen Defiziten – auf den Kindergarten vorbereitet. Gemäss realistischem Beispiel des städtischen Amtes für Gesellschaft und Integration kostet die Teilnahme an der Spielgruppe pro Kind jährlich knapp 3200 Franken, wovon mehr als zwei Drittel von Schulgemeinde und Kanton subventioniert sind.

«Die Sprachspielgruppe ist ein gutes Beispiel, wie Frühförderung interdisziplinär und als Querschnittaufgabe funktioniert»

sagt Stadträtin Christa Thorner. Andreas Wirth, Präsident der Schulen Frauenfeld, stimmt in Thorners Tenor ein. Die Frauenfelder Frühförderung und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Schule würden schon heute sehr gut laufen. Wirth fordert aber gleichzeitig, dass Eltern zukünftig auch verpflichtet werden sollen, ihre Kinder vor dem Kindergarten in Frühförderangebote zu schicken, wenn sie sich zu wenig für den Spracherwerb ihrer Kinder eingesetzt haben. Erst im Dezember 2017 hat das Bundesgericht den Kanton zurückgepfiffen. Demnach dürfen Thurgauer Schulen Eltern nicht zur Kasse bitten, wenn ihre Kinder zusätzlichen Deutschunterricht benötigen. «Das hilft den Schulen nicht weiter», sagt Wirth. Deshalb und wegen der Chancengerechtigkeit müsse früher eingesetzt werden. Bei Frühförderung gehe es nicht um die Teilnahme an Englisch- oder Chinesischkursen, sondern um das Bewältigen von Alltagssituationen und auch das Erlernen der Sprache. Von den fast 2000 Frauenfelder Kindergärtlern und Primarschülern im Jahr 2017 benötigte zirka ein Sechstel Deutschkurse. «Erschreckend daran ist nicht allein die Menge, sondern dass mehr als ein Viertel der Kinder über einen Schweizer Pass verfügt», meint Wirth. Diese Eltern sollten seines Erachtens auch finanziell in die Pflicht genommen werden.

Blick in eine Verordnung am Rheinknie

Die Zahlen zeigten, dass man über die Freiwilligkeit für Frühförderungsangebote auf kantonaler Ebene diskutieren müsse, wie es etwa in Basel-Stadt passiert ist. «Für Kinder mit Förderbedarf in Deutsch ist vor der Einschulung während eines Schuljahres frühe Deutschförderung obligatorisch», steht in der Verordnung des Regierungsrates des Kantons Basel-Stadt. Das Hauptproblem sieht Wirth im Alter der Kinder:

«Bis zum Alter von vier Jahren unterstehen sie nicht dem Schulgesetz.»

Andreas Wirth, Präsident Schulen Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Andreas Wirth, Präsident Schulen Frauenfeld. (Bild:
Thi My Lien Nguyen)

Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass das Thurgauer Departement für Erziehung und Kultur weiter nach einer Lösung sucht. In einer persönlichen Weiterbildung an der HTW Chur hat Wirth selbst in einer Arbeit über Nutzen, Wirksamkeit und Effizienz der Frühförderungsangebote in Frauenfeld geforscht. «Ziel war es, das effizienteste und günstigste Angebot zu finden», sagt er. Er habe aber erkennen müssen, dass es die Breite der Angebote oder der Einbezug der Eltern sei, die den Erfolg in der Frühförderung ausmachen. «Bei der Bildung funktioniert das Giesskannenprinzip nicht.»

Mit dem noch engeren Konzept zwischen Stadt und Schule könne nun aber eine zukünftige Basis für die Frühförderung gelegt werden, «und vielleicht auch eine Grundlage für weitere politische Diskussionen», meint Wirth. Christa Thorner und er sind überzeugt, dass sich die Investitionen in die Frühförderung lohnen. «Jede spätere Förderung kommt teurer zu stehen», sagen sie unisono.

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