Verein Smarter Thurgau: Die Digitalisierung kommt auch am Steuer des Lastwagens an

Seit 18 Monaten setzt sich der Verein Smarter Thurgau für die Digitalisierung im Kanton ein. Eine erste Bilanz fällt positiv aus. Gerade die aktuelle Coronasituation zeige die Wichtigkeit der Digitalisierung.

Larissa Flammer
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Der Verein Smarter Thurgau bei einer Pressekonferenz zu seiner Gründung im August 2018. Zweiter von links: Präsident Kurt Brunnschweiler. Rechts: Gesamtprogrammleiter Manfred Spiegel.

Der Verein Smarter Thurgau bei einer Pressekonferenz zu seiner Gründung im August 2018. Zweiter von links: Präsident Kurt Brunnschweiler. Rechts: Gesamtprogrammleiter Manfred Spiegel.

Bild: Andrea Stalder

«Corona zeigt auch dem letzten Kritiker, dass Digitalisierung eben doch sehr viele Chancen eröffnet.» Kurt Brunnschweiler spricht damit auf Homeoffice, Homeschooling und eingesparte Geschäftsreisen an. Der Verein Smarter Thurgau, den Brunnschweiler präsidiert, beschäftigt sich seit 18 Monaten mit der Digitalisierung im Kanton. Zu einer Medienorientierung lud der Verein am Dienstag dem Zeitgeist entsprechend – per Online-Konferenz.

Smarter Thurgau zählt mittlerweile 102 Mitglieder. 44 davon sind Unternehmen. Ausserdem sei man Schlüsselpartner des Kantons in Digitalisierungsfragen, sagt Brunnschweiler.

Für eine App braucht es ein digitales Konzept

Ein Vereinsmitglied, das von der Hilfe von Smarter Thurgau profitieren konnte, ist Thomas Imhof mit seinem Transportunternehmen TIT Imhof Gruppe, das mehrere Standorte im Thurgau hat. Imhof erzählt von den 80er- und 90er-Jahren, als es noch keine Handys gab.

«Als Lastenwagenfahrer fuhr ich jeweils bei mir zu Hause vorbei und wenn meine Frau, welche die Disposition machte, mir etwas mitteilen musste, hängte sie ein Waschbecken über den Gartenhag.»

Heute funktioniere das Flottenmanagement dank der Digitalisierung online. In jedem Fahrzeug habe es einen Monitor, das den Fahrer mit der Disposition vernetze.

Was Imhof noch aufbauen will, ist eine direkte Verbindung zu den Kunden. Er will eine App erstellen lassen, wurde von Smarter Thurgau aber darauf hingewiesen, dass es eben mit dem Programmieren alleine nicht getan ist, sondern eine digitale Strategie nötig ist.

Vernetzungsanlass und Workshop

Auf die Frage, wie denn das vernetzte Wissen des Vereins genutzt werden kann, antwortet Brunnschweiler: «Einfach ein Mail an uns schreiben, Mitglied werden, und wir helfen.» Gesamtprogrammleiter Manfred Spiegel ergänzt:

«Unsere Idee lautet: Unternehmer hilft Unternehmer.»

Denn ein HSG-Experte spreche nicht die gleiche Sprache wie der Thurgauer Schreiner. Der Verein hat deshalb auch Expertisen für die verschiedenen Branchen aufgebaut, damit das Wissen praxisnah vermittelt werden kann.

An Veranstaltungen werden Unternehmer für die Digitalisierung sensibilisiert. Mit Workshops für einzelne Firmen kann die digitale Transformation in Angriff genommen werden – dank Mitteln der Neuen Regionalpolitik von Bund und Kanton auch für KMU erschwinglich.

EKT betreut das Netzwerk für die smarte Schule

Ein Thema, das Smarter Thurgau zurzeit und auch noch in Zukunft beschäftigt, ist die vernetzte Schule. Die Schulgemeinde Münchwilen ist gerade dabei, ihre ICT-Infrastruktur und Unterrichtskonzepte für die smarte Schule zu überarbeiten. Für ihr gesamtes Netzwerk ist ab Sommer 2020 der neue Geschäftsbereich «Digital Services» der EKT AG zuständig. Schulpräsident Lukas Weinhappl sagt: «Endlich kümmern sich dann nicht mehr Lehrer in ihrer Freizeit um die Schul-IT, sondern Profis.»

Smarter Thurgau will das Modell Münchwilen auch anderen Schulen zur Verfügung stellen. Ausserdem will der Verein sich in den kommenden Jahren über die Kantonsgrenze hinweg mit Unternehmern vernetzen.

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