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Getanzte Gefühle vor Mini-Publikum: «Tanzplan-Ost» begeisterte im Phönix-Theater Steckborn «mit Abstand» und berührenden Szenen

Für zehn Zuschauer trat am 10. Dezember trotz den aktuellen Einschränkungen das Trio «ATARA – For you, who has not yet found the one» und die Companie «The Field» im Phönix-Theater Steckborn auf.

Margrith Pfister-Kübler
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Das Trio «ATARA - For you, who has not yet found the one» mit Reut Shemesh.

Das Trio «ATARA - For you, who has not yet found the one» mit Reut Shemesh.

(Bild: PD)

Zuerst gab es im Vorfeld eine Absage der Aufführung, dann kam die Absage der Absage. Denn die Verantwortlichen des Phönix-Theaters Steckborn mit Philippe Wacker an der Spitze entschieden, dass «Tanzplan-Ost» trotz Pandemie am Donnerstagabend durchgeführt werden darf. Allerdings: covidkonform mit nur zehn Zuschauern, plus Phönix-Personal. Tanzende ohne, alle anderen mit Masken.

An impulsiven Gesten mangelt es beim Eingangstor nicht. Das Foyer ist durch ein grosses Zelt erweitert worden.

«Tut mir leid, wir müssen streng sein und dürfen nicht mehr als zehn Gäste hereinlassen.»

Diesen Satz muss Theaterleiter Philippe Wacker hinter seiner schwarzen Maske mehrmals sagen. Kein leichtes Finale am Ende der Tanzplan-Tournee durch die Ostschweiz. «Nehmen Sie Ihre Mäntel mit, denn nach dem Auftritt von «The Field» kommt das grosse Lüften, die Tore werden geöffnet, und alle bleiben sitzen», so die Order von Wacker.

Mit «The Field» – to those, who wait zeigen drei Tänzerinnen in spielerisch anmutender Leichtigkeit und luzid genialer Ästhetik dem Publikum die Überreizung unserer Zeit. Mit dem Ineinanderspielen tänzerischer Bewegung – dramatisch aufsteigend – wird sogar die Stille hörbar. Wie Pflanzen, die sich schweigend entfalten. Überraschend frisch und definitiv etwas für gestresste Menschen. Der Applaus und der Jubel als Dank sind herzlich.

Die Companie «The Field» war ein weiterer Akt im Phönix-Theater.

Die Companie «The Field» war ein weiterer Akt im Phönix-Theater.

(Bild: PD/Flurin Bertschinger)

Dann folgt die grosse Lüftung. Das Osttor des Pumpenhauses und die Südtüre werden geöffnet, die frische Seeluft strömt durch, um beim Haupttor wieder ins Freie zu entweichen. Die Frischluftzufuhr wird genutzt, um Simone Truong, die künstlerische Leiterin des Festivals «Tanzplan-Ost» zu ehren.

Daniela Schmid aus Frauenfeld, Tanz- und Kulturvermittlerin, ist Botschafterin der Tanzplan-Ost-Kompanie. Ihre Aufgabe: die Region und ein zugehöriges Netzwerk zugänglich zu machen, um eine qualitativ hochstehende Weiterentwicklung zu fördern.

Tanzen vor dem Hintergrund von Klischees

Auch im zweiten Teil des Abends wird bewiesen, dass «Tanzplan-Ost» mehr ist als Modern-Dance im landläufigen Begriff. Dies bekundet aufs Schönste ein Trio mit Reut Shemesh – «ATARA – For you, who has not yet found the one». Gegeneinanderspielen der Charaktere, gänzlich unverhoffte Nuancen aufzuspüren, wo man schon alles zu wissen glaubte.

Das Trio «ATARA - For you, who has not yet found the one» mit Reut Shemesh bei ihrem Auftritt im Phönix-Theater Steckborn.

Das Trio «ATARA - For you, who has not yet found the one» mit Reut Shemesh bei ihrem Auftritt im Phönix-Theater Steckborn.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Hier wird aus der Perspektive orthodoxer und säkularer Jüdinnen nach dem Platz von Weiblichkeit in der Gesellschaft gefragt vor dem Hintergrund von Klischees. Breit, wuchtig, verhalten, in gestenreicher menschlicher Besorgnis mit einem Höchstmass an tänzerischer Brillanz vom Darstellerischen her und an Überzeugungskraft im Detail wird das Publikum hineingerissen.

Der Wechselstrom zwischen Tradition und Aufbruch wird verblüffend offen getanzt und verdient Bewunderung. Der demonstrative langanhaltende Applaus ist wie ein Echo auf die emotionale Erschütterung des Publikums.

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