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«Ich erhielt sogar Morddrohungen»: Uttwiler Pastor stand bereits vor der Messerattacke im Visier von Hetzern

Im vergangenen Jahr wurde der Uttwiler Pastor Patrick Altendorfer bei einem Messerangriff verletzt. Jetzt wird bekannt: Bereits vor zwei Jahren hatte ein Hetzer private Daten von Altendorfer veröffentlicht, und der Pastor erhielt Morddrohungen. Einen Zusammenhang zur Messerattacke auf ihn kann er nicht ausschliessen.
Der Uttwiler Pastor Patrik Altendorfer ist im September von einem Unbekannten mit einem Messer angegriffen worden. (Bild: PD)

Der Uttwiler Pastor Patrik Altendorfer ist im September von einem Unbekannten mit einem Messer angegriffen worden. (Bild: PD)

(dh) Die Messerattacke Ende September auf den Uttwiler Pastor Patrick Altendorfer (siehe Zweittext unten) war nicht der erste Zwischenfall, wie nun bekannt wird. Bereits vor zwei Jahren wurde vom Youtube-Kanal mit rechtsextremen Inhalten «Die vulgäre Analyse», kurz DVA, eine Hetzkampagne gegen ihn gestartet, wie «Spiegel Plus» berichtet.

Adresse und Handynummer veröffentlicht

Seinen Youtube-Kanal «Gott weiss es» bewirtschaftete Altendorfer anfänglich anonym:

«Ich wollte christliche Missionsvideos machen, aber nicht mit meinem Namen auftreten.»

Als DVA dann in einem Video über den Pastor hergezogen sei, wehrte sich dieser. Daraufhin veröffentlichte DVA ein Video mit seinem Namen, Adresse und Handynummer und rief seine Abonnenten zur Hetze auf. Altendorfer sagt:

«Ich erhielt sogar Morddrohungen.»

Damals hatte er erst 13 Abonnenten. Der Kopf hinter DVA nennt sich im Internet Shlomo Finkelstein. Vor zwei Jahren habe der Pastor herausgefunden, wer hinter dem Pseudonym steckt. Daraufhin sei es zu einer Aussprache zwischen den beiden gekommen: Altendorfer versprach die persönlichen Informationen nicht preiszugeben und keine Anzeige zu erstatten. Im Gegenzug sollte Finkelstein die betreffenden Videos löschen. «Viele haben mir Geld geboten für die Identität Finkelsteins», sagt Altendorfer. Immer habe er abgelehnt.

Kritik am Artikel von «Spiegel Plus»

Auf Twitter kritisiert der Benutzer namens T. K. Eulenfeder, dass «Spiegel Plus» die Messerattacke auf Altendorfer in direkten Zusammenhang stellt mit der Hetze von DVA im Internet. Altendorfer sagt dazu:

«Ich wurde von den Redaktoren kontaktiert, weil ich das erste Opfer von DVA war.»

Er könne sich nicht vorstellen, dass Finkelstein im Zusammenhang mit dem Mordanschlag auf ihn stehe. «Solange der Täter nicht gefasst ist, kann ich das aber auch nicht ausschliessen.»

In einem Interview vom September mit dem bezahlpflichtigen Online-Fernsehsender «Massengeschmack TV» äussert Finkelstein, dass der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo Anfang 2015 ihn motiviert habe tätig zu werden. Er verurteilt den Islam scharf und sieht keine Möglichkeit, diesen mit westlichen Werten zu vereinbaren, sagt er im Interview. Er zeige unverhohlen Sympathien für die rechtsextreme identitäre Bewegung, schreibt «Spiegel Plus». Die auf dem Youtube-Kanal hochgeladenen Videos zeigen beispielsweise, wie ein Koran verbrannt und darauf Schweinefleisch grilliert wird.

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

Gemäss medialer Berichterstattungen und eigenen Äusserungen Finkelsteins in Videos wurden von der Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits Durchsuchungen veranlasst. Diese ermittelt gemäss dem Online-Portal von «Spiegel» gegen den Youtube-Kanal wegen Volksverhetzung.

Messerattacke auf Pastor

Ende September wurde der Pastor Patrick Altendorfer von einem Unbekannten mit einem Messer attackiert. «Die Stichwunde am Bauch und die Verletzung am Kopf sind gut verheilt», sagt der 44-Jährige. Er befinde sich aber noch in der Ergotherapie wegen der Hand. Auch die psychischen Wunden seien noch nicht geheilt. «Besonders meine Tochter leidet sehr. Jeden Tag bringen wir sie mit dem Auto zur Schule.» Sie würden auch Psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Altendorfer vermutet Anhänger des deutschen, selbst ernannten Apostels T. Y. hinter dem Angriff. Er ist Leiter des christlichen Motorradclubs True Life (Wahres Leben). Mehrere Frauen äusserten sich, von ihm missbraucht worden zu sein. Altendorfer griff dies in seinen Videos auf. Auch soll T. Y. im Zusammenhang stehen, einen 23-Jährigen in Düsseldorf schwer verletzt zu haben und soll derzeit in Haft sitzen.

Bis ein Urteil gegen T. Y. da ist, darf Altendorfer allerdings keine Informationen öffentlich preisgeben. Für die Familie sei das sehr hart. «Viele Menschen haben sich von uns distanziert, weil sie nicht wissen, was genau passiert ist.» Eine Freundin der Tochter dürfe beispielsweise nicht mehr zu Besuch kommen, weil deren Eltern Angst um sie hätten. (dh)

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