Interview

Urs Martin zur bevorstehenden Aufgabe als Regierungsrat: «Wichtig ist es, die Corona-Krise gut zu überstehen»

Der neue SVP-Regierungsrat Urs Martin zeigt sich nicht überrascht von seinem geringen Vorsprung auf den GLP-Kandidaten Ueli Fisch.

Thomas Wunderlin
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Urs Martin muss nach Bekanntgabe seiner Wahl zahlreiche Interviews geben.

Urs Martin muss nach Bekanntgabe seiner Wahl zahlreiche Interviews geben.

Bild: Reto Martin

Wie beurteilen Sie Ihr Wahlresultat?

Urs Martin: Ich bin froh, dass es im ersten Wahlgang geklappt hat. Ich bin zufrieden. Es ist eine etwas spezielle Wahl mit Corona und tiefer Stimmbeteiligung.

Der Kandidat der Grünliberalen, Ueli Fisch, liegt weniger als 1000 Stimmen hinter Ihnen. Kommt das überraschend für Sie?

Überhaupt nicht. Ich habe immer gesagt, es wird knapp werden. Ueli Fisch hat sich an den Ständeratswahlen beteiligt, vor vier Jahren war er gewählter Regierungsrat und als Überzähliger ausgeschieden. Darum habe ich ihn immer als sehr ernst zu nehmenden Kandidat wahrgenommen, was sich jetzt auch bestätigt hat.

Hat die Corona-Krise das Wahlresultat beeinflusst?

Ich glaube, sie hat sich vor allem auf die Stimmbeteiligung dämpfend ausgewirkt. Einfach, weil die Leute zu Hause bleiben. Ich glaube auch, es ist gut, wenn sie das tun. Die Situation ist ernst.

Sie haben ja in Inseraten zur Corona-Krise Stellung genommen haben. Hat Ihnen das die entscheidenden Stimmen gebracht?

Am Schluss ist es schwierig zu sagen, was den Unterschied ausgemacht hat. Ich habe einfach gemerkt, dass sich die Leute sehr dafür interessieren und darum habe ich es getan.

Was ist Ihr erstes Ziel, wenn Sie mit der Arbeit als Regierungsrat beginnen?

Erstens gut aufgenommen zu werden im Gremium. Zweitens das Öffentlichkeitsprinzip umsetzen. Da habe ich auch eine Verpflichtung gegenüber Ueli Fisch. Wir waren ja beide Mitstreiter in dieser Angelegenheit. Sonst ist es mir ein Anliegen, dass wir den Kanton innerhalb der Schweiz gut positionieren können. Ganz wichtig ist es, die Corona-Krise gut zu überstehen. Ich gehe davon aus, sie wird zu Beginn der nächsten Legislatur noch nicht vorüber sein.

Urs Martin nimmt die Gratulation seines Vorgängers Jakob Stark entgegen.

Urs Martin nimmt die Gratulation seines Vorgängers Jakob Stark entgegen.

Bild: Reto Martin

In den meisten Städten hat Ueli Fisch besser abgeschnitten als Sie, so auch an Ihrem Wohnort Romanshorn. Wie erklären Sie sich das?

In Arbon und Amriswil habe ich mehr Stimmen erhalten. Ich komme ursprünglich aus Amriswil, in Romanshorn wohne ich erst seit zehn Jahren. In städtischen Gebieten sind Grünliberale erfolgreicher als auf dem Land, wo die SVP stark ist.

Wollen Sie in Ihrer Regierungstätigkeit etwas dafür machen, um in den Städten besser anzukommen?

Ich muss einfach einen guten Job als Regierungsrat machen, und nicht darauf schauen, wo ich besonders gut ankomme. Wenn man einen guten Job macht, dann wird man auch wieder gewählt.

Wie viel Geld haben Sie in Ihren Wahlkampf gesteckt?

Ich bin der Meinung, dass der Wahlkampf Privatsache ist. Ich selber habe 5000 Franken dafür ausgegeben. Andere Leute haben noch deutlich mehr dazugelegt.

Widerspricht diese Haltung nicht Ihrem Einsatz für das Öffentlichkeitsprinzip und für Transparenz?

Parteien sind private Vereine. Wenn man anfängt mit Transparenzforderungen bei den Parteien, dann will man bald auch eine Parteienfinanzierung durch den Staat. Bei jenen, welche Wahlkampfkosten nennen, sieht man manchmal schon, wenn man alle Inserate zusammenzählt, dass der Betrag nicht stimmen kann.

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