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Im Frauenfelder Alterszentrum Park: Unverhofft kommt immer öfter

Ältere Menschen bleiben heute länger daheim als früher. Passiert aber ein Unfall, muss der Eintritt ins Pflegeheim meist sehr kurzfristig erfolgen. Zudem gibt es vermehrt Kurzaufenthalte. Mit solchen Entwicklungen will das städtische Alterszentrum Park Schritt halten.
Mathias Frei
Auf der geschützten Wohngruppe: Zentrumsleiter Bernhard Liepelt, Brigitte Röösli (Leiterin Pflege Häuser Ergaten/Talbach) und Stadträtin Elsbeth Aepli lassen sich das Fingerfood schmecken, das für Menschen mit Demenz konzipiert worden ist. (Bild: Mathias Frei)

Auf der geschützten Wohngruppe: Zentrumsleiter Bernhard Liepelt, Brigitte Röösli (Leiterin Pflege Häuser Ergaten/Talbach) und Stadträtin Elsbeth Aepli lassen sich das Fingerfood schmecken, das für Menschen mit Demenz konzipiert worden ist. (Bild: Mathias Frei)

Die Zürcher sind den Thurgauern fünf Jahre voraus. Zumindest trifft das zu, wenn es um Entwicklungen in der stationären und ambulanten Altersarbeit geht. Sagt Bernhard Liepelt. Seit bald vier Jahren hat er die Leitung des städtischen Alterszentrums Park (AZP) inne, zuvor führte er im Kanton Zürich eine Altersinstitution. Er weiss also, mit welchen Herausforderungen sich das AZP in Zukunft beschäftigen muss.

Auf dem Areal an der Zürcherstrasse 84 sind rund 250 Menschen daheim. «Wir sind eine grosse Einrichtung mit einem breiten Angebot», sagt Liepelt. Umso mehr sei man gefordert, mit Entwicklungen Schritt zu halten. Eine Herausforderung sind die Pflegeheim-Eintritte, die heutzutage oft ungeplant sind und kurzfristig erfolgen müssen. «Die Menschen bleiben länger im häuslichen Umfeld.» Aber es brauche nur eine kleine Veränderung – etwa einen Unfall, der das Treppensteigen verunmöglicht, oder wenn ein betreuender Angehöriger krank wird. Dann pressiert es mit dem Heim. Auch Kurzaufenthalte nehmen laut Liepelt zu. Meist würden ältere Menschen nach einem Spital- oder Reha-Aufenthalt übergangsweise eintreten. Statistiken, die seit dem zweiten Halbjahr 2017 geführt werden, belegen in der Tendenz diese Entwicklungen. So wurden im zweiten Halbjahr 2017 25 Kurzzeit-Eintritte gezählt, im ersten Halbjahr 2018 waren es bereits 29. Auch interne Wechsel gibt es heute öfters als früher. Das kann ein Umzug vom Doppel- ins Einzelzimmer sein, vereinzelt gibt es aber auch zwischen den Wohnformen Verschiebungen.

2017 sind Belegungszahlen erstmals wieder gestiegen

Das Tempo in der Branche sei höher geworden, weil sich die Ansprüche an ein modernes Pflegeheim verändert hätten, stellt Zentrumsleiter Liepelt fest. In allen Betriebsbereichen sei vermehrt Flexibilität nötig. Nicht zuletzt gilt das auch für die Betriebsrechnung, die selbsttragend ausfallen muss. Nicht einfacher machten es Liepelt in der jüngeren Vergangenheit die Belegungszahlen, die 2013 noch bei 98 Prozent lagen und bis 2016 auf 94 Prozent gesunken sind. 2017 gab es erstmals wieder einen Anstieg auf knapp 95 Prozent. Der Markt begrüsse also die eingeleiteten Massnahmen, die mehr Flexibilität bezweckten, sagt Stadträtin Elsbeth Aepli, die dem Departement für Alter und Gesundheit vorsteht. Weitere Flexibilität beim stationären AZP-Angebot zu entwickeln, ist laut Aepli ein aktueller Legislaturschwerpunkt des Stadtrats. Heute seien ambulant und stationär gleich wichtig.

Anita Lebeda, Koordinatorin Aufnahme im Alterszentrum Park. (Bild: Mathias Frei)

Anita Lebeda, Koordinatorin Aufnahme im Alterszentrum Park. (Bild: Mathias Frei)

Eine wichtige Massnahme ist die Schaffung einer neuen Funktion. Dazu wurden Teilaufgaben von vier Personen zusammengeführt in der Koordinationsstelle Aufnahme. Anita Lebeda hat diese Funktion, für die es keine zusätzlichen Stellenprozente brauchte, seit März 2017 inne. Diese Stabsstelle ist direkt der Zentrumsleitung unterstellt. «Früher gingen Aufnahmen von neuen Bewohnern länger», sagt Lebeda. Weil sie den Überblick über alle Abteilungen und Wohnformen hat, kann sie nun die optimale Belegung von freien Betten und Wohnungen besser und rascher sicherstellen. Anmeldung, Eintritt, Austritt und interne Wechsel laufen über eine Stelle. Lebeda kann Interessierte zum gesamten AZP-Angebot beraten. Zudem klärt die Pflegefachfrau HF vor dem Eintritt auch die medizinischen respektive pflegerischen Aspekte ab. Gerade in diesem Bereich sei früher viel Zeit verloren gegangen.

Geschützte Wohngruppe im AZP besteht seit 25 Jahren

Ein weiteres Beispiel für Innovation im Alterszentrum Park (AZP) ist die geschützte Wohngruppe. Ein aktueller Legislaturschwerpunkt lautet, das AZP als regionales Kompetenzzentrum für Demenz zu stärken. Die Abteilung im Haus Ergaten besteht seit 25 Jahren, damals war die Wohngruppe das erste Angebot dieser Art im Thurgau.

Aktuell sind alle 15 Plätze besetzt, es gibt eine kurze Warteliste. Die jüngsten Bewohner sind um die 70, sie werden täglich von mindestens sechs Fachpersonen betreut. Auch in anderen Abteilungen wohnen Menschen mit demenziellen Krankheiten. In der geschützten Wohngruppe sind aber jene Bewohner untergebracht, die weglauf-gefährdet sind. In dieser Wohnform sind sie geschützt vor Selbst- und Fremdgefährdung, wie Brigitte Röösli sagt. Sie ist Pflegeleiterin für die Häuser Ergaten und Talbach. Wichtig sei, dass die Bewohner keine «freiheitsbeschränkende Massnahmen» vorfänden.

2005 wurde der Garten neu gestaltet, wiederum als Pionierprojekt im Thurgau. Auf dem damals errichteten Rundgang kann man sich nicht mehr verlaufen. Weitere Anpassungen an der Infrastruktur sind seit 2015 erfolgt. Zum Beispiel ist die Tagesbeleuchtung verstärkt worden. Denn laut Röösli brauchen Menschen mit Demenz mehr Licht. Auf den Glasscheiben im Eingangsbereich kleben Folien, die eine Wiese imitieren. So geht der Blick nicht an eine geschlossene Tür, sondern raus in die Natur. Weiter wurde ein Mehrzweckraum eingerichtet, der auch als Rückzugsort dient. Aktiv kann man dagegen am Gemeinschaftstisch sein. Menschen mit Demenz würden sich viel in Gesellschaft anderer aufhalten, sagt Röösli. Das Zimmer diene nur zum Schlafen. Auf jeden Fall gibt es dort höhenverstellbare Betten und verschiedenartige Decken mit Granulat oder Plastikkugeln, die für besseren Schlaf sorgen.

Ein Aspekt sind auch die Mahlzeiten. Damit würdevoll gegessen werden kann, erhalten die Bewohner die Speisen als Fingerfood konzipiert. Beim Zmittag vom Mittwoch werden die Gulaschfleisch-Stücke nach Wiener Art nach dem Braten trocken getupft, die Sauce wird in einem eigenen Gefäss zum Dippen serviert. Wie das Fleisch dürfen auch die Kartoffeltaler und die Brokkoliröschen nicht zu heiss sein, damit sie von Hand gegessen werden können. (ma)

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