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Unterwegs mit blauem Einhorn

Seit vier Monaten ist der erste Elektrolastwagen der Schweiz für die Hugelshofer Gruppe unterwegs. Jetzt sind wir mit ihm mitgefahren.
Janine Bollhalder

Auf dem Anhänger des Lastwagens der Hugelshofer Gruppe Frauenfeld ist ein kleiner Junge abgebildet, der mit einem Lastwagen spielt. Für mich ist es kein Buben-, sondern ein Mädchentraum, in so einem grossen Fahrzeug mit zu fahren. Und diesen Traum hat mir Chauffeur Lukas Ammann erfüllt.

Der 24-Jährige fährt seit anfangs diesen Jahres für die Hugelshofer Gruppe in Frauenfeld. Seine heutige Aufgabe: Pakete von der Postzentrale nach St. Gallen chauffieren. Und noch mehr Pakete wieder zurück. Ich darf ihn dabei begleiten.

Vor der Abfahrt erklärt er mir das grosse Gefährt; die vielen Knöpfe und wie das Fahrzeug mittels Solarstrom geladen wird. Dann hangle ich mich auf den Beifahrersitz – so elegant und flink wie Ammann kann ich noch nicht einsteigen. Der junge Chauffeur richtet seine Fahrtenkarte ein, denn: «Wir müssen uns streng an die Zeitenreglung halten. Nach viereinhalb Stunden Fahrt müssen wir exakt 45 Minuten Pause machen.»

So lange sind wir aber nicht unterwegs. Nach nur wenig mehr als einer Stunde sind wir in St. Gallen Winkeln angekommen, überpünktlich. Hier werden die Pakete ausgeladen. Ammann fährt rückwärts an die Rampe, präzise lenkt er den grossen Lastwagen zwischen anderen Fahrzeugen hindurch und nahe an der Wand entlang, ohne anzustossen.

Die Gitterwägelchen mit den Paketen werden aus dem Anhänger gerollt. «Das meiste sind Kleider von Zalando», sagt Ammann. Zwei Männer eilen herbei und helfen ihm, den über 16 Meter langen Lastwagen zu entladen. «Du solltest nicht mithelfen, du trägst keine Stahlkappenschuhe», sagt einer der Männer zu mir.

Frauen habe ich bisher keine gesehen. «Doch, bei der Hugelshofer Gruppe arbeiten einige Chauffeusen», sagt Ammann. Das Fahren erscheint mir frauen-freundlich, das Aus- und Beladen hingegen macht mir kräftemässig Bedenken. Aber Lukas Ammann sagt: «Es komm weniger auf die Kraft, sondern vielmehr auf die Technik an. Dann klappt das schon.» Er sei ja auch kein Muskelpaket, fügt er mit einem Grinsen an.

Unterwegs, beim Fahren, könne der Job durchaus mühsam werden: Was Ammann am meisten nervt, seien Velo- und Töfffahrer. Die sehe er nämlich ganz schlecht – selbst wenn es rund um den Lastwagen Spiegel hat, eine Rückfahrtskamera sowie ein dazugehöriges lautes, penetrantes Piepen, welches an die McDonalds Küche erinnert. «Ich fluche dann lautstark, rege mich aber auch schnell wieder ab», sagt er.

Wir fahren inzwischen auf der Autobahn, so schnell wie die Personenwagen sind wir natürlich nicht. Der Elektrolastwagen gleitet leise dahin, laut werde es in der Kabine eigentlich nur, wenn Lukas Ammann alleine ist: «Dann singe ich laut und falsch mit», sagt er und lacht.

Chauffeur Lukas Ammann vor dem Elektro-Lastwagen. (Bild: Andrea Stalder)

Chauffeur Lukas Ammann vor dem Elektro-Lastwagen. (Bild: Andrea Stalder)

Grosse Fahrzeuge haben auch den gelernten Metallbauer schon immer fasziniert. Bevor er die Stelle als Chauffeur angenommen hat, arbeitete er als Fahrzeugschlosser – baute Rettungswagen und Feuerwehrautos. «Ich wollte aber etwas Neues ausprobieren.» Deswegen habe er die Intensivausbildung bei der Hugelshofer Gruppe in Angriff genommen. Angefangen habe er in der Werkstatt, inzwischen ist er vollausgebildeter Chauffeur. An seinem Subaru daheim bastle er aber immer noch gerne herum.

Für die Post nachts auf der Strasse

Geregelte Arbeitszeiten wie in seinen bisherigen Jobs hat er als Lastwagenfahrer nicht. «Manchmal fahre ich auch nachts», sagt er. Im Auftrag der Post dürfe er das. Mit der Schichtarbeit komme er gut klar, sagt Lukas Ammann. Auch seine Freunde und seine Freundin verstehen das. Sie treffen sich jeweils am Wochenende, grillen am See oder fahren zu Autotuning-Treffen. Momentan lebt er noch bei seiner Mutter in Münchwilen. Bald gründe er aber mit seinem Kollegen eine WG gründen.

Am St. Galler Bahnhof angekommen, wird erneut umgeladen. «Babysachen», sagt Lukas Ammann und beginnt mit einem Gabelstapler die Ladung in den Lastwagen zu verfrachten. «Mühsam ist es, wenn die Pakete über die Grösse der Palette hinausragen. Dann bringt man sie kaum nebeneinander in den Anhänger», sagt er. Alles geht heute gut, bis zum Schluss. Noch ein bisschen schubsen, nach links und rechts, dann bringt Ammann alles in den Anhänger. «Zurück nach Frauenfeld.»

Bei der Einfahrt zur Post gilt es, eine Baustelle zu umfahren. Das ist mit dem grossen Lastwagen Millimeterarbeit, mir bleibt beinahe das Herz stehen. Aber Lukas Ammann lenkt das Fahrzeug geschickt ins Postareal. Die Zentrale liegt dunkel und ruhig da. Doch dieser Zustand ist nicht von Dauer: kaum beginnt Ammann mit dem Gabelstapler die Paletten auszuladen, eilen mehrere Männer heran und helfen ihm. Die ausgeladenen Pakete werden auf Förderbänder zu legen, welche dann ein Stockwerk höher zur Sortiermaschine fahren.

Lukas Ammann mit seinem täglichen Begleiter: dem blauen Plüscheinhorn. (Bild: Janine Bollhalder)

Lukas Ammann mit seinem täglichen Begleiter: dem blauen Plüscheinhorn. (Bild: Janine Bollhalder)

Es scheint eine friedliche Stimmung zu herrschen, aber Ammann erzählt, dass manchmal auch harsche Töne fallen. Man dürfe – vielleicht auch besonders als Frau – in diesem Job keine zu dünne Haut haben: «Dumme Sprüche musst du ertragen können», sagt er. Es seien halt doch grösstenteils Männer, die in diesem Bereich arbeiten. Aber mit seinen Arbeitskollegen habe er ein sehr gutes Verhältnis, fast schon familiär.

Zurück auf dem Parkplatz, fällt mir auf, dass Lukas Ammann kein Namensschild im Frontfenster des Lastwagens mit sich führt. «Nein, das habe ich nicht», bestätigt er. Aber dafür ein blaues Plüsch-Einhorn.

Ein Brummi schont die Umwelt

Die vollelektronisch betriebene Sattelschleppmaschine der Hugelshofer Gruppe ist in dieser Grössenklasse schweizweit bislang ein Unikat. Das 40  Tonnen schwere Fahrzeug kann nach einer Ladezeit von eineinhalb Stunden bis zu 260 Kilometer zurücklegen. Der Elektrolastwagen wird für den Transport von Paketen der Schweizer Post verwendet. Die Lärmbelastung mit dem elektronischen Fahrzeug ist gering. Und es setzt gegenüber herkömmlichen Verbrennern jährlich 67 Tonnen weniger CO2 frei.

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