Bildung
«Meine Bücher haben mit den Jugendlichen zu tun, reflektieren deren Probleme und die ihres Umfelds»: Die Frauenfelderin Anita Fahrni schreibt Bücher für mongolische Jugendliche

Anita Fahrni hat ihr zweites Buch für junge mongolische Studenten geschrieben. Es geht um ein Mädchen, dass von der Hauptstadt ins ländlichere Gebiet zieht. Die Bücher der Thurgauer Autorin sollen die Probleme der Mongolei und deren Jugendlichen auf subtile Weise ansprechen.

Janine Bollhalder
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Anita Fahrni hat ein zweites Buch für Schüler in der Mongolei publiziert.

Anita Fahrni hat ein zweites Buch für Schüler in der Mongolei publiziert.

Bilder: Reto Martin

«Das Schreiben kostet mich keine Energie, es fliesst einfach», sagt Anita Fahrni. Die 78-Jährige aus Frauenfeld hat nun schon das zweite Buch für Schülerinnen und Schüler in der Mongolei publiziert. Es trägt den Titel «Munkhsuld’s Move» und ist an Kinder im Alter von etwa 15 Jahren gerichtet. Wie das erste Buch, das Fahrni geschrieben hat, ist es in Englisch und Mongolisch verfasst und von Rina Jost illustriert. Verteilt werden die 10'000 gedruckten Bücher in sechs Provinzen weit weg von der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar – gratis, denn in der Mongolei sind Bücher aufgrund der Armut Mangelware.

«Munkhsuld’s Move» erzählt die Geschichte eines Mädchens, das in der mongolischen Hauptstadt aufgewachsen ist und nun mit ihrer Mutter in einen Ort ausserhalb zieht. «Erst findet sie das ganz schrecklich, und es ist nicht einfach für sie dort», erzählt Fahrni. Doch dann realisiert Munkhsuld, dass sie in dieser ländlicheren Umgebung mehr Freiheiten geniesst als in der Stadt – etwa, dass sie nachts alleine unterwegs sein kann, ohne Angst haben zu müssen. Und mit der Zeit findet sie auch in der Kleinstadt Freunde.

Das Buch «Munkhsuld’s Move» dreht sich um ein Mädchen, dass eine Beinprothese trägt.

Das Buch «Munkhsuld’s Move» dreht sich um ein Mädchen, dass eine Beinprothese trägt.

Besonders gespannt ist Fahrni auf die Reaktionen bezüglich der Illustrationen, denn die Hauptperson trägt eine Beinprothese. Das Warum überlässt sie der Vorstellungskraft der Kinder. Die Thematik soll aber zum Nachdenken anregen.

Probleme des Landes zwischen den Zeilen ansprechen

«Meine Bücher haben mit den Jugendlichen zu tun, reflektieren deren Probleme und die ihres Umfelds», sagt Autorin Fahrni. Sie wünscht sich, dass der Inhalt der Bücher zu Diskussionen anregt. Sie spricht mit Leidenschaft, erzählt:

Drei weitere Werke von Anita Fahrni werden bald fertiggestellt.

Drei weitere Werke von Anita Fahrni werden bald fertiggestellt.

«Themen wie unter anderen Fairness, Verlässlichkeit und Umweltschutz sollen angesprochen werden.»

Geschrieben hat Fahrni schon viel mehr als die beiden gedruckten Bücher, die nächsten drei Werke werden schon illustriert und sollen im Spätsommer gedruckt werden. Eines der beiden Bücher, an denen Fahrni aktuell arbeitet, dreht sich um Lehrmethodik und soll auch die Lehrpersonen in der Mongolei ansprechen. Das andere Buch soll sich um ein grosses Problem des Landes drehen: häusliche Gewalt.

Anita Fahrni reist seit 1998 regelmässig in die Mongolei. Derzeit ist dies allerdings nicht möglich.

Anita Fahrni reist seit 1998 regelmässig in die Mongolei. Derzeit ist dies allerdings nicht möglich.

Inspiration für ihre Geschichten nimmt Fahrni aus ihren Erfahrungen und denen ihrer Bekannten. Seit über 20 Jahren reist sie regelmässig in die Mongolei – bis auf die vergangenen pandemiegeplagten Jahre. «Im nächsten Buch geht es um einen jungen Musiker und darum, wie reiche Leute ungerechtfertigt bevorzugt behandelt werden», sagt Fahrni. Dieses Buch werde auch einen zweiten Teil haben, in welchem die Autorin ein Tabu-Thema der Mongolei ansprechen will: Homosexualität. Die Bücher werden fortan von Silvia Fux aus Herdern und zwei anderen Illustratoren illustriert.

Schwierig ist auch die Herstellung der Bücher nach dem Verfassen der Geschichte. Illustration, Layout und Druck der Bücher kostet rund 20'000 Franken. Geld, das Fahrni erst zusammenbekommen muss. Für das zweite Buch, «Munkhsuld’s Move», wurde sie vom Regio Frauenfeld Kulturpool unterstützt sowie vom Lions Club Winterthur, der Internationalen Takhi Group sowie der Mongolia Education Foundation. «Ich suche immer Spender für die Produktion weiterer Bücher», sagt Fahrni. Dabei ist es ihr egal, dass alle Beteiligte ausser ihr selbst entlöhnt werden:

«Ich bekomme durch meine Arbeit mehr, als dass ich gebe.»

Zur Person

Anita Fahrni ist Amerikanerin, lebte früher in Islikon, jetzt in Frauenfeld. Sie hat die Doppelbürgerschaft. Durch einen Bekannten ist sie zur Arbeit in der Mongolei gekommen und seit damals von dem Land fasziniert. Seit den 1998 reist Fahrni regelmässig in die Mongolei. Sie hat in der Vergangenheit jährlich Schulmaterial in Containern in die Mongolei geschickt und 109 jungen Studentinnen sowie einem Studenten ermöglicht, ein Jahr in der Schweiz die Schule zu besuchen. Diese Projekte hat sie nun abgegeben, den Kontakt zu den meisten Gaststudentinnen hält sie noch. Fahrni engagiert sich auch in der International Takhi Group zur Ansiedlung der Przewalski-Pferde im mongolischen Naturreservat Great Gobi B. Derzeit ist ein neues Parkzentrum geplant, dabei unterstützt Fahrni die Parkdirektion und die Ranger. (jab)