Unterstützung fürs Haus zur Glocke: Das Steckborner Kulturhaus hat nebst dem Betreiberverein neu einen Förderverein bekommen

An der Gründungsversammlung am 9. November kamen sechs Kulturförderer zusammen, um einen Förderverein zu Gründen, der das Kulturhaus betreiben und finanziell unterstützen soll.

Dieter Langhart
Merken
Drucken
Teilen
Nach der Gründung ein Gläsli zum Anstossen mit Humbert Entress, Lydia Rüedi, Judit Villiger, Christoph Ullmann, Brigitte Conrad, Fredy Schweizer und Christine Steiger.

Nach der Gründung ein Gläsli zum Anstossen mit Humbert Entress, Lydia Rüedi, Judit Villiger, Christoph Ullmann, Brigitte Conrad, Fredy Schweizer und Christine Steiger.

(Bild: Dieter Langhart)

Vier Frauen und drei Männer sitzen am langen Holztisch im ersten Stock des ehrwürdigen Hauses, gleich neben der Küche. Doch für einmal wird nicht die legendäre Suppe nach der Führung oder dem Künstlergespräch geschöpft. «Die Ausstellungen im Haus zur Glocke gehen wie geplant weiter», sagt die künstlerische Leiterin, «mit dem Gastrobetrieb sind wir vorsichtig.»

Also wird nicht geschöpft – es wird geschaffen: ein Förderverein. Und zuerst noch ein zweiter Verein, der das Haus zur Glocke künftig offiziell betreibt. So geschehen am 9.November. Je zwei Personen hätten gereicht, etwa die vier anwesenden Steckborner, so einfach ist das in der Schweiz; dazu hätte es auch keinen Rechtsanwalt gebraucht wie Humbert Entress, der die Gründungsversammlungen leitete. Aber die sechs Kulturförderer waren sich einig: Wir wollen eine Rechtsform für den Betrieb und eine für dessen Unterstützung.

Der Zufall wollte es, dass lauter Frauen aus Steckborn zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Haus zur Glocke gehören (Präsidentin Judit Villiger, Lydia Rüedi, Christine Steiger) und drei Männer zu jenen des Fördervereins Haus zur Glocke (Präsident Humbert Entress, Christoph Ullmann, Fredy Schweizer).

Thematisch ausgerichtete, aktuelle Kunst

Der Betreiberverein macht «weiter bis anhin», wobei «anhin» die knapp fünf Jahre seit April 2016 meint. Er soll die derzeit 24 Mitglieder des Glocken-Teams unterstützen, Fördergesuche einreichen – da hat Brigitte Conrad vom Bodmanhaus viel Erfahrung, die vierte Frau im Bund –, und er kann auch Externe beauftragen, Aufgaben zu übernehmen, etwa kuratorische Hilfe.

Der Förderverein unterstützt das Haus zur Glocke, das bezweckt, «thematisch ausgerichtete, aktuelle Kunst über verschiedene Vermittlungsformate einem interessierten Publikum anzubieten» und Kunst mit verschiedenen Kultursparten «zur vertieften Auseinandersetzung und Diskussion» zusammenzubringen.

Das Haus zur Glocke in Steckborn während der Sommerausstellung "Kollaborativ denken und handeln" mit Kuratorin Judith Villiger.

Das Haus zur Glocke in Steckborn während der Sommerausstellung "Kollaborativ denken und handeln" mit Kuratorin Judith Villiger.

(Bild: Reto Martin)

Der Förderverein Haus zur Glocke mit Humbert Entress als Präsident ist breiter abgestützt. Er unterstützt, primär in finanzieller Hinsicht, «gemeinnützige und deshalb steuerbefreite Organisationen im Thurgau, welche Projekte für die Kulturvermittlung umsetzen, vorab den Verein Haus zur Glocke, Steckborn». Dies tut er mit den Mitgliederbeiträgen und mit allfälligen weiteren Zuwendungen; er darf und soll mehr Mitglieder haben als der «Hausverein».

Noch bevor Brot, Käse und Weisswein aufgetischt werden und die Bankkonten eröffnet sind, lacht Christoph Ullmann: «Die Frauen geben das Geld aus, das die Männer reinholen.» Dann wird debattiert über Ausfallentschädigungen beim Kulturamt für abgesagte Veranstaltungen, da dort durch den gestrichenen Gastrobetrieb keine Einnahmen fliessen – die frass das Virus weg.

Zudem wird das Jahresprogramm 2021 neu gedruckt für die auf 2021 verschobene Wunderkammer-Austellung. Es gehe um rettende Beiträge, heisst es in der kleinen Runde, weil das Haus zur Glocke auch ohne Bewirtung und mit eingeschränkter Besucherzahl seinen Betrieb aufrechterhalte, dabei die Kunstschaffenden bezahle. Gestreift wird auch der Ersatz von tanz:now, Werkschau und Frauenfelder Lyriktagen durch ein neues Mehrspartenformat, so will es die Kulturstiftung Thurgau, und dieser Satz fällt:

«Ich hätte diese Formate neu ausgeschrieben, bevor ich sie streiche – ich hätte sie übergeben statt beerdigt.»

Mehr Informationen: www.hauszurglocke.ch