Untersee und Rhein
Der Verein Pro Dampfer präsentiert ein neues Modell im Massstab 1:7 und setzt im Vorstand auf mehr Technik-Know-how

Aktuell engagieren sich 150 Personen aus der ganzen Schweiz für die Idee eines ökologisch nachhaltigen Dampfschiffs auf Untersee und Rhein. Dafür braucht es aber 14 bis 16 Millionen Franken. Die Finanzierungsaktion ist angelaufen.

Margrith Pfister-Kübler
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Das neue Modell und die Menschen dahinter: Pro-Dampfer-Präsident Raimund Hipp mit den ehrenamtlich Engagierten Martin Gübeli, Jörg Tschiemer und Chris van Rekum.

Das neue Modell und die Menschen dahinter: Pro-Dampfer-Präsident Raimund Hipp mit den ehrenamtlich Engagierten Martin Gübeli, Jörg Tschiemer und Chris van Rekum.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

«Wir sind wahnsinnig glücklich. Denn auch durch Corona liessen wir uns nicht bremsen», sagt Raimund Hipp. Um Kompetenzen zu gewinnen, habe man jetzt mehr Techniker in der Geschäftsstelle und im Vorstand, erläuterte der Präsident des Vereins Pro Dampfer an der Medienorientierung am Mittwoch in der Halle von Bärs Bootsservice in Stein am Rhein. Der Grund des Glücks ist sofort sichtbar: Nicht nur das umgebaute Dampfermodell zieht alle Blicke auf sich, sondern auch der technisch raffinierte Transportwagen – einem Segelfliegertransporter zum Verwechseln ähnlich, nur mit viel mehr Konstruktionsrafinesse vom Steckborner Bootsbauer Jürg Tschiemer.

Viel Begeisterung für die Idee einer neuen «Schaffhausen»

Es war der Verlust der «Schaffhausen», dem alten Dampfschiff, das 1967 verschrottet respektive abgewrackt wurde und noch in vielen Köpfen in aufregend schöner Erinnerung ist, das einst im Schaffhauser Historiker Edi Joos, Präsidiumsvorgänger von Raimund Hipp, und vielen weiteren Männern und Frauen, den Gedanken auflodern liess, wieder ein Dampfschiff für Untersee und Rhein zu realisieren.

Gute Aussichten rundum, ungetrübte Schaffensfreude, Finanzsorgen. Nach fulminanten Auftakten setzten der Verein Pro Dampfer mit 1500 Mitgliedern und die für die Finanzierung rollende Pro Dampfer AG mit Hansjörg Lang, Mammern, als Präsident weitere Zeichen. Es ist so: Die Präsentation des nach neuesten technischen Erkenntnissen verbesserten Modells des Neubaudampfers lässt erneut erleben, wie vital das Interesse an diesem Dampfer ist. Derzeit sind 150 Leute aus der Region und von Basel bis in die Innerschweiz ehrenamtlich im Einsatz.

Das neue Modell.

Das neue Modell.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

In Potsdam auf Herz und Nieren getestet

Das sieben Meter lange Dampfschiffmodell, erbaut und ausgebaut nach dem Gesamtkonzept von Chris van Rekum, in Natura zu erleben, das gefällt. Das 7,1 Meter lange Modell (Massstab 1:7 von der Grossausführung zu 50 Meter) wurde bereits in Potsdam von der Schiffbau-Versuchsanstalt für Widerstands- und Propulsionsversuche in der 280 Meter langen Schlepprinne getestet. Einschätzungen über Design, Technik und Unterschiede zu den früher ins Visier genommenen Modellen werden erklärt. Neueste technische Erkenntnisse rufen nach Anpassungen.

«Wir müssen professioneller werden, deshalb wurde das Team durch weitere technische Fachleute optimiert, zum Teil frisch ab der ETH.»

Das betont Hipp. Auch bei der Aktiengesellschaft und den Arbeitsgruppen wird alles professioneller, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Das Modell – 3D-Modellierung – zeigt schöne, traditionelle Linien mit einer Technik für den CO2-neutralen Antrieb. «Alle anderen Dampfer in der Schweiz fahren mit Diesel», wird erklärt – mit Hinweis auf die ökologische Holzpelletfeuerung mit Holz aus der Region. Im Moment sei das Schiff noch zu schwer. Es brauche Einsparungen beim Gewicht wegen des Tiefgangs. Die AG Finanzen unter Leitung von Hansjörg Lang trommelt:

«14 bis 16 Millionen Franken braucht es.»

Lang hat die Finanzierungsaktion gestartet mit Aktien und Businessplan. Die Bewerbung um Hilfe durch die TKB-Millionen läuft, das sind acht Millionen. Und in welchem Jahr wird eingewassert? Raimund Hipp lacht. Mit einer Jahrzahl könne er noch nicht punkten.

Weitere Infos: www.prodampfer.org

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