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Interview

Unternehmer Karl Müller im Interview: «Ich bin zu 95 Prozent Selbstversorger»

Der Erfinder des MBT-Schuhs, Karl Müller, sieht seinen Erfolg als Geschenk Gottes. Die Idee kam ihm auf einem Reisfeld in Korea.
Amy Douglas
Vor Kybun verkaufte Unternehmer Karl Müller Skier, Käse und Konfi in Korea. (Bild: Andrea Stalder)

Vor Kybun verkaufte Unternehmer Karl Müller Skier, Käse und Konfi in Korea. (Bild: Andrea Stalder)

Wie ertragen Sie die momentane Hitze?

Karl Müller: Sie macht mir nichts aus. Ich liebe alle Jahreszeiten und jedes Wetter. Ich versuche, unabhängig von Gegebenheiten zu leben und meine Stimmung nicht davon beeinflussen zu lassen.

Wie machen Sie das?

Ich nehme alle Umstände als gottgegeben an. Das ist ein biblisches Prinzip. Denen, die Gott lieben, dient alles zum Besten. Wenn einmal etwas anders läuft, als ich es mir gewünscht hätte, sehe ich dies als Herausforderung, meinen Charakter zu trainieren.

Was lieben Sie am Sommer?

Es wächst so vieles im Garten. Ich schätze es, dass der Tag so lang ist und man auch am Abend noch im See schwimmen kann. Und dass man im Sommer mit leichter Bekleidung auskommt.

Gibt es einen Lieblingsort für Sie im Thurgau?

Roggwil, der Ort meiner Vorfahren. Hier bin ich aufgewachsen. Das ist meine Heimat, obwohl ich überall auf der Welt Plätze gefunden habe, die mir zur Heimat geworden sind. Es ist überall schön auf der Erde.

Was beschäftigt Sie?

Es macht mich traurig zu sehen, was der Mensch auf der Erde durch Kriege immer wieder anrichtet. Wie er sich selbst und die Erde zerstört. Das ist egoistisch. Und Egoismus ist das Schlimmste überhaupt.

Mit wem würden Sie gerne einmal eine Flasche Wein trinken?

Sicher mit jemandem, dem ich gerne einmal etwas mitteilen würde.

Angela Merkel zum Beispiel. Ich würde ihr sagen, dass sie ihre Politik überdenken und von ihrer sozialistischen Gangart wegkommen sollte.

Haben Sie ein Morgenritual?

Vor dem Aufstehen bete ich.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich dehne mich jeden Morgen im Bett. Ich versuche, bis zum letzten Atemzug beweglich und schmerzfrei zu bleiben. Dann gehe ich in den Garten, schneide Fenchel oder pflücke frische Kräuter und Beeren – je nach dem, was der Garten gerade hergibt. Dies ist mein Frühstück. Für den Winter trockne und gefriere ich einen Teil davon ein.

Können Sie kochen?

Mein Kochen besteht aus dem Ablesen im Garten. Bei der Zubereitung gehören dann nur noch etwas Öl, Essig, Salz und Pfeffer dazu – und fertig ist die Mahlzeit. Man kann alles roh essen. Ich bin zu 95 Prozent Selbstversorger.

Können Sie trotzdem ein Restaurant empfehlen?

Mein Lieblingsrestaurant ist der Burkartshof in Egnach. Das Essen ist genial fein und ich bin dort unter Gleichgesinnten.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Das gibt es höchstens zweimal im Jahr. Dann unternehme ich etwas mit meinen Enkelkindern.

Haben Sie ein Haustier?

Wir hatten lange einen Hund, der ist aber gestorben. Es geht auch ohne Haustier.

Wonach schmeckt Glück?

Glück ist für mich nicht der erstrebenswerte Zustand. Eher Freude. Glück ist etwas Egoistisches und hängt von den Umständen ab, während es bei der Freude darum geht, jemand anderem etwas Gutes zu tun.

Was liegt auf ihrem Nachttisch?

Ich habe keinen. Aber neben meinem Bett liegt jeweils das Handy und eine Faszien-Pistole.

Die beste App auf Ihrem Handy?

Das ist ganz klar: Whatsapp. Der Familienchat steht dort meist zuoberst auf der Liste.

Was war das letzte Buch, dass Sie gelesen haben?

Das einzige Buch, das ich lese, ist die Bibel. Aus diesem Buch kann ich am meisten herausziehen für mein Leben.

Haben Sie ein Vorbild?

Dazu muss man eine Person sehr gut kennen, denn der Anschein kann trügen. Deshalb würde ich sagen, dass meine Kinder und meine Frau Vorbilder für mich sind.

Welche Musik befindet sich auf ihrer Playliste?

Von den Beatles bis hin zu den Rolling Stones. Aber auch Schweizer Ländler und Folkmusik der ganzen Welt sind auf meiner Playliste zu finden. Ich mag rhythmische und melodische Musik.

Was möchten Sie unter allen Umständen im Leben noch machen?

Obwohl ich seit zwei Jahren pensioniert bin, arbeite ich noch. Ich arbeite aus Freude und möchte dies an meine Mitarbeitenden weitergeben.

Ich arbeite immer noch, weil ich glaube, dass ich hier einen Auftrag habe.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Vor Kybun verkaufte ich in Korea Skier, Konfitüre, Käse, Textilmaschinen und Küchengeräte und eröffnete mehrere Restaurants. Dass ich auf so vielen verschiedenen Gebieten erfolgreich sein durfte, ist sicher eine Gabe Gottes, ein Geschenk, für das man nichts dafürkann. Gemeinsam an allem ist wohl, dass ich die Bedürfnisse der Kunden gut einschätzen kann.

Warum gibt es Kybun?

Ich hatte seit Jungend auf immer wieder Sportverletzungen und Schmerzen an Rücken, Knien und Füssen. Ich lebte in Korea inmitten von Reisfeldern, wo mir auffiel, dass beim Gehen auf dem elastisch-federnden Lehmboden die Schmerzen nachlassen. Daraus entstand MBT (Masai Barefoot Technology). Ohne den Fehler, MBT zu verkaufen, würde es keine Schweizer kybun Schuhproduktion geben.

Ihr erster Traumberuf war?

Hufschmied, Ingenieur und Unternehmer, genau wie mein Vater.

Auf welchen Luxus möchten Sie nicht verzichten?

Meine Frau und ich leben sehr einfach. Ich bin dankbar, ein Dach über dem Kopf haben zu dürfen. Ich mache täglich Feuer aus selber gehacktem Holz, und das ist für mich der schönste Luxus, auf den ich nicht gerne verzichten würde. Dann eher schon auf mein Elektroauto, das ich seit 5 Jahren fahre. Da kommt mir noch unsere Ferienwohnung in Graubünden in den Sinn. Diese würde ich auch nicht gerne hergeben, weil ich von Herzen gerne Skifahre.

Was ist Ihr heimliches Hobby?

Heimlich? Ich versuche, möglichst transparent zu sein; manchmal auch etwas zu viel.

Mein grosses Hobby ist Gartenarbeit.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Meine ganze Kindheit war wunderschön. Herausheben würde ich das Arbeiten in der Fabrik meines Vaters, das Kirschen pflücken beim Bauern, das Fischen im Bach nebenan und das «Militärlis» Spielen im Wald.

Was ist Ihr gefühltes Alter?

30

Wie würden Sie sich in einer Kontaktanzeige beschreiben?

Ich suche zwar niemanden, denn es fällt mir im Leben, Gott sei Dank, immer alles zu. So auch meine grosse Liebe, mit der ich seit 35 Jahren verheiratet bin. Ich will Ihnen den Gefallen aber trotzdem tun: Einfacher Selbstversorger und berufener Grossvater, dem es noch nie langweilig war.

Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gelacht?

Ich liebe es zu lachen und das kommt, Gott sei Dank, jeden Tag mehrfach vor.

Welche Religion fasziniert Sie?

Ich liebe es, mit Menschen aller Religionen zu philosophieren und kenne mich in einigen auch ein bisschen aus, da ich 20 Jahren in Asien lebte. Geschäftlich habe ich viel mit Moslems und Juden zu tun. Mit verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt austauschen zu dürfen, ist ein grosses Privileg und nicht zuletzt mit ein Grund, warum ich auch mit 67 Jahren noch geschäftlich aktiv bin.

Zur Person

(amd) Karl Müller ist 1952 in Roggwil TG geboren. Nach seinem ETH-Studium in Maschinenbau startete Müller 1980 seine unternehmerische Laufbahn als Importeur in Südkorea. Sein geschäftlicher Erfolg machte ihn zum mehrfachen Millionär. 1990 machte Karl Müller einen radikalen Neuanfang, verkaufte seine Firmen und wurde in seinem Heimatdorf Roggwil zum Selbstversorger. 1998 erfand er den MBT-Schuh (Masai Barefoot Technology), der wiederum zu einem Welterfolg wurde. Seit 2007 führt Karl Müller sein Unternehmen kybun AG in Roggwil.

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