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Untermieter der Bäume: Unterwegs auf dem Flechtenpfad in Basadingen-Schlattingen

Forstingenieure und Biologen reisen dafür in den Unterthurgau: Seit 20 Jahren besteht im Wald der Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen ein bekannter Flechtenpfad mit vielen seltenen Arten.
Dieter Ritter
Auf dem Flechtenpfad: Revierförster Walter Ackermann zeigt eine seltene Lungenflechte. (Bild: Dieter Ritter)

Auf dem Flechtenpfad: Revierförster Walter Ackermann zeigt eine seltene Lungenflechte. (Bild: Dieter Ritter)

Basadingen ist ein gutes Pflaster für Flechten, diese auf den ersten Blick unscheinbaren Bewohner der Bäume. Und das nicht erst seit 20 Jahren, als der Flechtenpfad erstellt worden war. Erst mit Hilfe einer Lupe offenbaren Flechten ihre Vielfalt an Formen und Farben. Sie wachsen als kreisrunde Krater, als Blätter, kugelig oder stiftförmig und können schneeweiss, leuchtend gelb, grün, rotbraun oder schwarz gepunktet sein.

Wissenschafter, Studenten und Forstdirektoren aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland besuchen immer wieder den Basadinger Wald. Hier können sie Flechten studieren, die an anderen Orten kaum mehr vorkommen. Die naturnahe Pflege des Waldes ermöglicht eine einmalige Häufigkeit und Vielfalt.

«Wir lassen einzelne Bäume stehen, bis sie von selbst umfallen, und räumen nicht alle toten Bäume und abgefallenen Äste aus dem Wald»

erklärt Revierförster Walter Ackermann. Dank dem Verzicht auf Kahlschlag können junge Bäume im Schutz grosser Bäume aufwachsen. Für die beispielhafte Bewirtschaftung wurde der Basadinger Wald 2016 mit dem Binding-Waldpreis ausgezeichnet – einer der wichtigsten Ehrungen im Forstwesen.

Rohstoff für Medikamente und Parfüm

Flechten bevorzugen mindestens achtzig Jahre alte oder tote Bäume. Viele wachsen im Kronenbereich. Sie können bequem an zu Boden gefallenen Ästen studiert werden. Es seien schon bis zu zwanzig Arten am gleichen Baum beobachtet worden, erzählt Revierförster Ackermann.

Einige Flechten werden zur Herstellung von Medizin geerntet. Sie wirken gegen Bakterien, und ein Extrakt aus Lungenflechten soll bei Lungenproblemen helfen. Das Eichenmoos dient als Rohstofflieferant für Parfüm.

«Die kommerziell genutzten Flechten stammen fast sicher nicht aus der Schweiz. Denn bei uns sind sie geschützt»

erklärt Revierförster Walter Ackermann. Flechten würden empfindlich auf Belastungen des Waldes reagieren wie Intensivierung der Landwirtschaft oder Schadstoffe in der Luft. Sie seien deshalb wertvolle Indikatoren über den Zustand der Umwelt, weiss der Revierförster.

Flechten sind keine Schmarotzer

Flechten sind eine Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Grünalgen. Der Pilz bildet den Körper und schützt die Alge. Diese sorgt für Nahrung, indem sie mit Hilfe von Licht Zucker aufbaut. Flechten überleben aus eigener Kraft. «Sie sind keine Schmarotzer und schaden den Bäumen nicht», sagt Ackermann.

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