Unterhaltung
«Much love, peace and light» – Die tibetische Künstlerin Dechen Shak Dagsay begeisterte die Zuhörer der diesjährigen Hänkiturm Classics

Coronabedingt wurde das Klassikfestival via Livestream in die Häuser interessierter Zuhörer übertragen. Im Chat konnte mitverfolgt werden, wie der Gesangt der Tibeterin die anderen, virtuell Anwesende, berührte.

Christof Lampart
Merken
Drucken
Teilen
Dechen Shak Dagsay bringt den Zuschauern, die das Konzert am Bildschirm verfolgen, tibetische Mantras näher.

Dechen Shak Dagsay bringt den Zuschauern, die das Konzert am Bildschirm verfolgen, tibetische Mantras näher.

Screenshots: Christof Lampart

Ein Kulturerlebnis in Zeiten von Corona – das ist schon fast eine Rarität. Besonders, wenn es sich um einen Live-Auftritt, ein Konzert handelt. Und wenn es eine hochklassige Affiche ist, wie es am Freitagabend bei Dechen Shak Dagsay und ihrer Band Jewels der Fall war, dann geht selbst im Live-Stream schnell vergessen, dass die Künstler den Applaus, denn man wiederholt gerne im Büro spendete, nicht hören können.

Auf einmal war die ganze Welt in Aadorf

Und doch war es keine Einweg-Kommunikation, welche Dechen Shak Dagsay (Gesang) und ihre Mitmusiker Helge van Dyk (Piano), Jürg Zurmühle (Shakuhachi), Dieter Dyk (Percussion) und Thomas Niggli (Sitar) vollbrachten. Vielmehr trat ein Auditorium mit ihnen an diesem Abend in einen Dialog, das weit über den Hänkiturm, über Aadorf, ja den Hinterthurgau hinausreichte.

Was ganz einfach im Chat ersichtlich war, der im Verlauf der über einstündigen Performance am rechten Bildschirmrand dahinscrollte. Da sendete eine Karin:

«Greetings aus Florida»

Und eine Sonja setzte dazu:

«wunderbar, das Herz berührend»
Die Tibeterin Dechen Shak Dagsay und ihre Gruppe.

Die Tibeterin Dechen Shak Dagsay und ihre Gruppe.

Derweil kriegte sich jemand, der/die sich vielsagend «Rejoice Rejoice» nannte, sich nach dem Stück «Medicine Buddha» kaum mehr ein und flutete den Chat mit neun Gebets-Emojis und einem grossen roten Herzen. Den Text dazu hätte es wohl nicht mehr gebraucht, aber er stand wohl für das, was viele der zeitweise über 100 Mithörenden in dieser meditativen Musikstunde hörten und fühlten:

«much love, peace and light»

Tatsächlich klang das, was Dechen Shak Dagsay an diesem Abend sang und sagte wahrhaftig, unaufgeregt und in einer gewissen Art sehr demütig. Dabei sang sie die uralten tibetanischen Mantras wie man sie wohl kaum je in einem Kloster hören würde – und doch packte einen auch online den Eindruck, dass diese Weisen nur so gesungen werden können, wie es Dechen Shak Dasay gerade tat.

Beschwingt und entschleunigt zugleich

Sie sang nicht nur, sondern erläuterte auch den Sinn der Mantras. Eines «soll uns helfen, dass wir Konflikte mit einer weisen, klaren Haltung lösen», ein anderes «wird praktiziert, um Frieden und Harmonie auf der Welt herzustellen», und ein drittes ist ein «Wunschgebet an die Elemente, denn ohne Erde, Wasser, Feuer und Wind gäbe es kein Leben auf diesem Planeten». Dabei waren nicht alle Stücke ruhig und meditativ, sondern zuweilen sehr bewegt, ja manchmal sogar etwas rockig.

Hier verschmolzen Musikkulturen zu etwas Neuem, von dem man spätestens nach dem zweiten Song spürte, dass die klaren Klänge einem als Zuhörer im Herzen guttaten. Man sass da wie gebannt, lauschte Texten, die man nicht verstand und – fühlte sich am Ende des Abends doch erfüllt, beschwingt und entschleunigt zugleich.

Hinweis: Livestream unter www.haenkiturmclassics.ch