Unglück im Rhein
Tote Taucherin in Diessenhofen: Missverständnis im E-Mail-Verkehr führte zum Unglück

Am Ostersonntag kollidierte im Rhein bei Diessenhofen ein Kursschiff mit einer Taucherin. Nach einer Suchaktion konnte die 29-Jährige nur noch tot geborgen werden. Jetzt teilt die Staatsanwaltschaft mit, warum es zum Unglück kommen konnte.

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Bei der gross angelegten Suchaktion nach der vermissten Taucherin am Ostersonntag waren auch Boote und ein Helikopter im Einsatz.

Bei der gross angelegten Suchaktion nach der vermissten Taucherin am Ostersonntag waren auch Boote und ein Helikopter im Einsatz.

Bild: Screenshot

(sko/alr) Die Ermittlungen und Auswertungen der Beweise durch die Kantonspolizei Thurgau haben neue Erkenntnisse im Tauchunfall von Diessenhofen ergeben. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Missverständnis zwischen dem Veranstalter und der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein (URh) zum tragischen Unfall vom Ostersonntag führte. Dies teilt die Staatsanwaltschaft am Montagvormittag mit.

Am Ostersonntag, 4. April, ist bei Diessenhofen eine 29-jährige Taucherin anlässlich eines Tauchgangs verunglückt, nachdem sie von einem Kursschiff erfasst und tödlich verletzt worden war.

Irrtümlich geglaubt, es verkehre kein Kursschiff

Nach heutigen Erkenntnissen der Strafuntersuchung erkundigte sich der Veranstalter des Tauchganges vom Ostersonntag im Vorfeld via E-Mail bei der URh nach dem geplanten Kursschiffverkehr. Aufgrund eines Missverständnisses im E-Mail-Verkehr zwischen dem Veranstalter und der Schifffahrtsgesellschaft ging der Veranstalter irrtümlich davon aus, am Ostersonntag verkehre im Zeitraum des Tauchgangs kein Kursschiff. «Es ist korrekt, dass ein E-Mail-Verkehr stattgefunden hat. Darin gaben wir Auskunft über die Daten, an denen Kursschiffe auf dem Rhein verkehren», bestätigt Remo Rey, Geschäftsführer der URh. Die Besatzung des Kursschiffes sei im laufenden Verfahren zum Unfall befragt worden. Rey:

«Wir sind nach wie vor sehr betroffen von dem tragischen Vorfall und trauern noch immer.»

Der Veranstalter des Tauchgangs habe ausserdem während des Tauchgangs an der Ein- und Ausstiegsstelle keine Taucherflagge platziert, obwohl dies bei jedem Tauchgang gesetzlich vorgeschrieben wird.

Die Taucherflagge

In der Schweiz ist jeder Taucher gesetzlich dazu verpflichtet, gut sichtbare Taucherflaggen bei jedem Tauchgang am Ufer oder im Tauchboot zu platzieren. Bei Tauchgängen in der Nacht muss die Tauchflagge ausserdem beleuchtet werden. Sie dient der Sicherheit und Orientierung für Boote. Bootsführer wissen durch die Flagge, dass sie das signalisierte Gebiet meiden sollen, da dort getaucht wird. In der Schweiz müssen Wasserfahrzeuge 50 Meter Abstand von Tauchflaggen halten. Bei Missachtung droht den Bootsführern eine Busse in Höhe von 200 Franken pro Taucher.

Da die Flaggen gut sichtbar sein müssen, ist auch ihre Grösse vorgeschrieben, nämlich mindestens 60 mal 60 Zentimeter. In der Schweiz, wie auch in Deutschland und Österreich, wird die Taucherflagge «Alpha» benutzt. Diese wurde erstmals 1817 von der britischen Navy verwendet und bedeutet «Ich habe Taucher unten, Abstand halten, bei langsamer Fahrt». Die Farben der Alpha Flagge sind blau und weiss. (alr)

Gestützt auf diese Erkenntnisse führt die Staatsanwaltschaft gegen den Geschäftsführer des Veranstalters eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung. Die Strafuntersuchung ist noch hängig. Wie Marco Breu, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft schreibt, gilt die Unschuldsvermutung. Es werde beabsichtigt, nach Abschluss der Strafuntersuchung beim Bezirksgericht Frauenfeld Anklage zu erheben. Aufgrund der noch laufenden Ermittlungen und der Unschuldsvermutung, verzichtet die Staatsanwaltschaft auf Anfrage dieser Zeitung auf weitere Auskünfte.

Die fahrlässige Tötung bezeichnet eine Tötung ohne Vorsatz. Diese ist die Konsequenz einer sogenannten Sorgfaltspflichtsverletzung, das heisst, eine Person nimmt den Tod durch unsorgfältiges oder regelverstossendes Verhalten in Kauf und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, einen Kausalverlauf. Ziel der Ermittlungen ist, was der genaue Grund für den Tod der Taucherin war und ob das regelverstossende Verhalten des Veranstalters eine zentrale Rolle dabei spielte.

Bewilligung für Tauchgang lag vor

Die Strafuntersuchung zeigte ausserdem, dass der Tauchveranstalter grundsätzlich über eine durch den Kanton Schaffhausen ausgestellte Rahmenbewilligung verfügte, um Tauchgänge im Rhein durchzuführen. Zwischenzeitliche, medial geäusserte Vermutungen, wonach gar keine Bewilligung vorlag, sind demzufolge falsch, teilt Breu mit.