Gewollt oder ungewollt weiblich

Südsicht


In drei Hinterthurgauer Gemeinden ist der Gemeinderat ein reines Männergremium. Und dafür kann man (fast) nicht den Männern die Schuld geben.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

Nein, dem Aadorfer Gemeinderat kann man keinen Vorwurf machen. Schliesslich kann niemand etwas für sein Geschlecht. Oder zumindest kaum jemand. Und wer sich sein Geschlecht selber ausgesucht hat, findet sich erfahrungsgemäss nicht in einer Thurgauer Gemeindebehörde.

Nach den Rücktritten von Sabina Peter Köstli und Cornelia Hasler-Roost droht der Aadorfer Gemeinderat nun also, ein reines Männergremium zu werden. Dafür können, wie gesagt, die verbleibenden Gemeinderäte nichts. Und der bis anhin einzige – und männliche – Ersatzkandidat erst recht nichts.

Klar, Frauenförderung steht nicht gerade zuoberst auf der Thurgauer Fahne. Hingegen hat der Thurgau seit drei Jahren gar eine Frauenmehrheit in der Regierung – und der Kanton lebt immer noch. Die Erkenntnis, dass Frauen das mit dem Politisieren schon auch hinkriegen, dürfte also auch langsam im Hinterthurgau angelangt sein. Nur offensichtlich noch nicht bei potenziellen Kandidatinnen. Darum, liebe Aadorferinnen: Traut Euch! Vielleicht kriegt Ihr zur Abwechslung ja sogar mal ein cooleres Ressort als Soziales und Gesundheit.

Reine Männergremien regieren derzeit in Lommis, Tobel-Tägerschen und Fischingen. Allesamt ordentlich funktionierende Gemeinden, keine Frage. Für Aadorf können sie indes kein Massstab sein. Schliesslich ist man die grösste Gemeinde im Hinterthurgau und – an dieser Stelle auch schon Thema – schnurstracks unterwegs zur Stadt. Apropos Stadt: Nachbarin Wil hat eine Stadtpräsidentin und wohl bald sogar eine Bundesrätin. Und wir fordern hier noch nicht mal die erste Hinterthurgauer Gemeindepräsidentin. Sondern schlicht ein paar Kandidatinnen. Ob gewollt oder ungewollt weiblich, spielt keine Rolle.