«Ungewöhnliche Zeit und meine Reflexionen festzuhalten»: Diessenhofens langjähriger Stadtschreiber Armin Jung schreibt Tagebuch über 100 Tage in Quarantäne

Die coronabedingte Isolation hielt der ehemalige Stadtschreiber von Diessenhofen Armin Jungi schriftlich fest.

Thomas Brack
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Armin Jungi mit seinem Tagebuch, welches er während seiner 100-tägigen Quarantäne verfasst hat.

Armin Jungi mit seinem Tagebuch, welches er während seiner 100-tägigen Quarantäne verfasst hat.

Bild: PD

100 Tage – das ist eine symbolische Zahl in der Geschichte. Sei es die Schonfrist, welche der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt bei der Einführung des New Deal von der Presse verlangte, oder die Herrschaft der Hundert Tage, welche Napoleon seit seiner Rückkehr von der Verbannung auf der Insel Elba bis zur endgültigen Niederlage bei Waterloo 1815 verblieben.

Der Inhalt des Tagebuchs von Armin Jungi, dem langjährigen Stadtschreiber von Diessenhofen, handelt auch von einem welthistorischen Ereignis, dessen Folgen unabsehbar sind: dem Ausbruch der Coronapandemie 2020.

Brisbane als Schlusspunkt des Australien-Trips vor dem Lockdown

In seinem Tagebuch hält Armin Jungi seine Gedanken und Erlebnisse während der freiwilligen Quarantäne «light» fest. Nach der Rückkehr von einer Australienreise mussten sich seine Ehefrau Susi und er in eine Isolation begeben. Die mehrwöchige Reise an das andere Ende der Welt war ein Herzenswunsch der beiden. Der Besuch bei einer ehemaligen Schülerin in Brisbane sollte den Höhe- und letztendlich auch den Schlusspunkt des Trips bilden. Der Autor schreibt:

«Mitte Februar rechneten wir in keiner Weise damit, dass unser Australienaufenthalt überhaupt von Corona betroffen werden könnte.

Auch dass sie am Ende noch glücklich darüber sein würden, auf den letzten Drücker selbstständig und sogar beinahe planmässig heimreisen zu können, ahnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch die gespenstische Leere im Flughafen Zürich und auf der Autobahn wiesen bei der Rückkehr darauf hin, dass das Virus auch das Leben in der Heimat auf den Kopf gestellt hatte.

Umstellung auf ein entschleunigtes Leben

Vorerst war nun auch für Armin Jungi Zuhausebleiben angesagt. Nach seiner Pensionierung nahm er eine Teilzeitstelle als Projektleiter in der Bauverwaltung und als Gemeindeschreiber in Sirnach an. Daher konnte er nicht untätig bleiben und stieg auf das Homeoffice um. Als kommunikativer Mensch versuchte er, den Mangel an sozialen Kontakten mit einem selbstgeschriebenen Blog zu überbrücken. Er sagt:

«Nach dessen Erstellung reifte der Gedanke in mir, diese ungewöhnliche Zeit und meine Reflexionen dazu in einem Tagebuch festzuhalten.»

Obschon es für Jungi eine Umstellung war, die Abende ohne Anlässe und Sitzungen zu verbringen, konnte er der Entschleunigung auch positive Seiten abgewinnen. «Beispielsweise hatte ich nun Zeit, Dinge zu erledigen, die ich bisher auf die lange Bank geschoben habe», sagt Jungi. Ebenso freute er sich, dass die Natur von den virusbedingten Einschränkungen profitieren konnte.

Doch es fielen auch zwei prägende familiäre Ereignisse in diese Zeit: Einerseits der Tod seiner fast 90-jährigen Mutter und andererseits das Flüggewerden von Tochter Carole.DaeinTeilder Verwandtschaft ennet des Rheins zu Hause ist, wurden weitere familiäre Kontakte verunmöglicht.