Unerwarteter Geldsegen: Thurgauer Stadtoriginal vermacht Kaiserstuhl ein Vermögen

Den aus dem Thurgau stammenden umtriebigen Roland Bornhauser kannte man weit über die Stadtgrenzen von Kaiserstuhl hinaus. Im vergangenen Dezember verstarb er. Sein Vermögen hatte er zuvor seiner Heimatstadt vermacht. Eine neu gegründete Stiftung setzt nun seinen letzten Willen um.

Stefanie Garcia Lainez
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Mit dem Erbe von Roland Bornhauser soll das Rheinstädtchen Kaiserstuhl das selbstbestimmte Wohnen im Alter fördern.

Mit dem Erbe von Roland Bornhauser soll das Rheinstädtchen Kaiserstuhl das selbstbestimmte Wohnen im Alter fördern.

Bild: PD/Gemeindeverwaltung Kaiserstuhl

Während Jahrzehnten ging Roland Bornhauser in den Kaiserstuhler Stuben ein und aus, um kaputte Fernseher zu reparieren. Der gebürtige Thurgauer war weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Am 19. Dezember 2019 verstarb er 75-jährig. Er hatte zuvor sein ganzes Vermögen der Stadt Kaiserstuhl vermacht.

Damit sein letzter Wille umgesetzt werden kann, hat die Stadt nun eine Stiftung gegründet. Sie bezweckt die Unterstützung und Förderung des selbstbestimmten Wohnens im Alter in Kaiserstuhl, heisst es in einer Medienmitteilung. Diese Geste sei aussergewöhnlich.

Stadtammann und Stiftungsrat Ruedi Weiss: «Es ist ein schöner Betrag, mit dem die Stiftung einige Projekte umsetzen kann.»

Die genaue Summe möchte die Stiftung nicht nennen, klar ist aber, dass die Stadt damit einiges umsetzen kann.

Roland Bornhauser ass jeden Tag am selben Tisch im Restaurant Kreuz

Im Alter von 20 Jahren kam Roland Bornhauser nach Kaiserstuhl, um im ehrwürdigen Marschallhaus von 1764 eine Stelle als Radioelektriker anzutreten. «Schon bald begann er in seiner Freizeit im alten Polizeiposten Fernsehapparate und elektronische Geräte zu reparieren», schreibt die Stiftung in ihrer Mitteilung. Sein erstes eigenes Televisionsgeschäft eröffnete er in der ehemaligen Bäckerei Geugel.

Die Nachfrage war gross, der Laden lief gut und Roland Bornhauser musste sich schon bald nach grösseren Räumlichkeiten umsehen. Auf dem Gelände und in den Gebäuden der ehemaligen Gärtnerei Grossenbacher konnte er an prominenter Lage an der Badenerstrasse beim Kreisel ein neues, grösseres TV-Geschäft eröffnen.

Nicht nur seine Kunden kannten Roland Bornhauser. Fussgänger begegnetem ihm bei jedem Wetter auf seinen täglichen Spaziergängen mit seiner Hündin Leila im Umland des Rheinstädtchens. Im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl sass er jeden Tag an seinem reservierten Tisch, stillte seinen Hunger und las die Tageszeitungen. Drei Generationen Wirtsleute und alle Serviceangestellten kannten den bescheidenen und zurückhaltenden Stammgast.

«An seinem Platz speisen heute andere Gäste. Sein besonderer Platz in unseren Erinnerungen wird bleiben», schreibt die Stiftung. Auch, weil ihn seine starke Verbundenheit zu Kaiserstuhl veranlasst habe, die Stadt als seine Alleinerbin einzusetzen. Verbunden mit der Auflage, den Nachlass zur Förderung von Wohnen im Alter im Städtchen Kaiserstuhl zu verwenden.

Die Wohnverhältnisse für ältere Menschen sind in der flächenmässig kleinsten Stadt der Schweiz nicht einfach. Denn viele der herrschaftlichen Häuser sind vier- bis fünfstöckig und ohne Lift. Der einzige flache Platz in Kaiserstuhl ist jener vor der Kirche.

Noch offen, was mit Areal an Badenerstrasse passiert

Neben der Unterstützung in den eigenen vier Wänden seien Alterswohnungen, Generationenhäuser oder Mischformen mit entsprechenden Unterstützungsangeboten denkbar, so die Stiftung. Bald steht die erste Sitzung an. Dann wollen Präsident und Stadtrat Cyrill Tait, Vizepräsidentin Marianne Zimmermann und Ruedi Weiss die nächsten Schritte besprechen. «Dabei geht es auch um die Frage, was mit dem vererbten Areal an der Badenerstrasse passiert», sagt Weiss.

Seit einigen Wochen werden der Verkaufsladen, die Lagerflächen und das Wohnhaus beim Kreisel fachmännisch geräumt. Parallel dazu evaluiert der Stiftungsrat Nutzungsmöglichkeiten für das Gelände und das Gebäude und prüft auch allfällige sinnvolle Zwischennutzungen. «Wir sind dankbar für sein Wirken in und für Kaiserstuhl und werden ihn nicht vergessen», sagt Weiss.