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Unerwartete Kampfwahl für die Frauenfelder Schulbehörde

Am 19. Mai gilt es zwei Sitze in der Primarschulbehörde Frauenfeld neu zu wählen. Gemäss dem freiwilligen Parteienproporz stünden die Sitze «Chrampfe & Hirne» zu. Eine unabhängige Kandidatur unterläuft das «Gentlemen’s Agreement» nun.
Stefan Hilzinger
Die Frauenfelder Primarschulbehörde zählt 13 Mitglieder. Im Bild: Eingang zur Schulanlage Oberwiesen. (Bild: Donato Caspari, 3. Mai 2013)

Die Frauenfelder Primarschulbehörde zählt 13 Mitglieder. Im Bild: Eingang zur Schulanlage Oberwiesen. (Bild: Donato Caspari, 3. Mai 2013)

Wahlen in die Frauenfelder Schulbehörde waren bisher wenig spannend. Seit Jahrzehnten sorgt der sogenannte freiwillige Proporz dafür, dass die Parteien gemäss ihrem Stimmenanteil im Gemeinderat auch in den beiden Schulbehörden vertreten sind. Zwei Sitze werden mit den Rücktritten von Marc Hotz und Marco Kern (beide «Chrampfe & Hirne» CH) per Ende Schuljahr frei. Diese gilt es für die zweite Hälfte der laufenden Legislatur neu zu besetzen. Am 19. Mai steht nun aber nebst den beiden Kandidatinnen seitens CH auch die parteilose Sabine Bötschi zur Wahl (siehe unten).

Den Gepflogenheiten des freiwilligen Proporzes folgend, empfehlen die CVP, EVP, GLP, GP, SP und der Vorstand der SVP die CH-Kandidatinnen zur Wahl. Doch die unerwartete dritte Kandidatur hat bei der Frauenfelder Interpartei, dem informellen Zusammenschluss der Ortsparteien, Fragen aufgeworfen. Die Interpartei legt den Proporz jeweils nach den Gesamterneuerungswahlen fest, was nun wieder der Fall ist. Dieser gilt nebst der Schulbehörde auch für die stadträtlichen Kommissionen.

Derzeit präsidiert Stephan Grob von der SP die Interpartei. «Grundsätzlich ist es natürlich gut, wenn sich Leute für ein Amt zur Verfügung stellen», sagt er. Es sei jetzt an der Interpartei, darüber zu diskutieren, wie damit zu gehen ist, wenn jemand Parteiloser in die Schulbehörde gewählt würde. «Da sind wir in der Interpartei nun gefordert.» An der Sitzung vom Montag werde dies zur Sprache kommen.

Proporzsystem sichert Kontinuität

Für CH-Gemeinderat Peter Hausammann ist der freiwillige Proporz im Sinne der Konkordanz ein bewährtes Mittel, vakante Sitze in der Schulbehörde ohne Kampfwahlen qualitativ gut und lückenlos zu besetzen. «Die Parteien evaluieren die Kandidaten jeweils sorgfältig», sagt Hausammann. Es sei bekanntlich nicht immer einfach, gute Leute zu finden.

Doch der CH sei es geglückt, zwei qualifizierte und engagierte Kandidatinnen aufzustellen. Schulbehördemitglieder leisteten viel Arbeit, ohne das gleiche Prestige zu geniessen wie etwa Gemeinderäte, sagt er weiter. Und:

«Ich finde es etwas unglücklich, dass die Frage nun und nicht bei den Gesamterneuerungswahlen der Schulbehörde in zwei Jahren aufgeworfen wird.»

Da alle in der städtischen Politik aktiven Parteien vertreten sind, seien Abstimmungsvorlagen der Behörde in der Regel ausgewogen und hätten bessere Erfolgschancen.

Nachvollziehbare Lösung

Für Schulpräsident Andreas Wirth ist dies einer der wichtigen Vorteile des freiwilligen Proporzsystems. Dies zeigte sich kürzlich bei den Abstimmungen über die Schulhausneubauten. «Für eine Stadt wie Frauenfeld kann ich gut nachvollziehen, dass die Interpartei sich einst auf diesen Proporz geeinigt hat», sagt Wirth. Seit der Einführung der Schulleitungen sei die Behörde nicht mehr operativ, sondern strategisch tätig. «Da ist es gut, wenn alle politischen Kräfte der Stadt im Gremium ausgewogen vertreten sind.»

Die 13 Mitglieder der Behörde arbeiteten in Ressorts und Kommissionen an grundsätzlichen Fragen, etwa in den Bereichen Pädagogik, Liegenschaften, Finanzen oder Strategie. «Es wird intensiv diskutiert», sagt Wirth. Ausserdem wirkten sie bei der Anstellung von neuem Lehrpersonal mit. Wirth:

«Nebst einer breiten politischen Abstützung ist es auch wichtig, dass wir Fachleute aus verschiedenen Bereichen in der Behörde haben.»

Die drei Kandidatinnen

Sara Bangerter. (Bild: PD)

Sara Bangerter. (Bild: PD)

Sara Bangerter (1977) ist Mutter einer dreijährigen Tochter und arbeitet als Biologin beim Büro Kaden + Partner AG in Frauenfeld. Die Anfrage durch «Chrampfe und Hirne» habe sie sehr geehrt. «Als Biologin liegen mir Umweltthemen und Nachhaltigkeit am Herzen. Aber für Veränderungen in der Gesellschaft brauchen wir starke und verantwortungsbewusste Kinder», sagt sie. Es sei wichtig, dass die Schule ihnen den nötigen Raum und die Zeit bietet, um zu lernen und zu wachsen. Sparübungen bei der Bildung steht sie kritisch gegenüber.

Barbara Schoop. (Bild: PD)

Barbara Schoop. (Bild: PD)

Barbara Schoop (1966) ist Mutter zweier erwachsener Kinder. Sie ist Pflegewissenschafterin und leitet die Abteilung Entwicklung und Qualitätsmanagement Pflege am Kantonsspital St. Gallen. Auch sie ist angefragt worden. «Ehrenamtliches Engagement gehört in unserer demokratischen Gesellschaft dazu», sagt Schoop. Die Volksschule sei ein hohes Gut, dem Sorge getragen werden müsse. «In den Schulen werden alle gesellschaftspolitisch relevanten Themen sichtbar.» Seit mehr als vierzehn Jahren unterrichtet Schoop an Berufs- und Fachhochschulen.

Sabine Bötschi. (Bild: PD)

Sabine Bötschi. (Bild: PD)

Sabine Bötschi (1970) ist Mutter zweier schulpflichtiger Kinder. «Ich bin grundsätzlich an Schulthemen interessiert», sagt sie. Bötschi ist selbstständige Erlebnispädagogin. Sie ist zudem als Beraterin, Projektleiterin und Dozentin tätig. Die gebürtige Kärnterin lebt seit ihrem 21. Lebensjahr in der Schweiz. Seit zehn Jahren wohnt sie mit Familie in Frauenfeld. «Als Mutter erlebe ich den Schulbetrieb von aussen. Nun möchte ich mich für die Behörde einsetzten, die dahinter steht.» Sie sei parteilos, weil sie sich keiner Schublade zuordnen lassen will.

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