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Und sie atmen noch immer saubere Matzinger Luft

Es stank nach faulen Eiern, ganz Matzingen machte Stunk. Auf Thurgauer Art war das Problem aus der Luft geschafft worden. Mit den Protagonisten von damals stiess der Hefe-Schweiz-Geschäftsführer auf «20 Jahre Geruchsfreiheit» an.
Max Eichenberger
Man hat sich längst wieder lieb: alt Regierungsrat Ueli Schmidli, Lufthygieniker Robert Bösch, DBU-Generalsekretär Marco Sacchetti, Gemeindepräsident Walter Hugentobler und Hefe-Schweiz-Geschäftsführer Thomas Gamper. (Bild: Max Eichenberger)

Man hat sich längst wieder lieb: alt Regierungsrat Ueli Schmidli, Lufthygieniker Robert Bösch, DBU-Generalsekretär Marco Sacchetti, Gemeindepräsident Walter Hugentobler und Hefe-Schweiz-Geschäftsführer Thomas Gamper. (Bild: Max Eichenberger)

Es sind bewegte Zeiten anfangs der 90er-Jahre. Das Waldsterben eben abgewendet, der Nachhall des Tschernobyl-Gau noch im Ohr, und der Appetit auf frischen Fisch verflogen, da rümpfen sie in Matzingen die Nase. Der Gestank von faulen Eiern liegt in der Luft. Umhüllt von einer Wolke aus Schwefelwasserstoff macht ein Dorf Stunk gegen den penetranten Gestank. Es sind nicht mehr nur die Anwohner der Kläranlage, die ihrem Ärger Luft machen. Die störenden Immissionen gehen von der Ara aus. Produktionsabwasser der Hefe Schweiz AG in Stettfurt überlasten sie. Es herrscht emotionaler Ausnahmezustand, die Wogen gehen hoch. Bewohner fordern ultimativ Abhilfe. Auch der Kanton kommt unter Druck.

Tempi passati. Doch ein eingerahmtes Schreiben des kantonalen Amtes für Umwelt im Büro von Hefe-Schweiz-Geschäftsführer Thomas Gamper erinnerte diesen kürzlich wieder an das Happy-End. Über 20 Jahre ist es jetzt her. Im Schreiben bescheinigt der Kanton dem Hefeproduzenten, dass «keine übermässigen Geruchsemissionen mehr festzustellen» sind. Grund genug für Gamper, den «Jahrestag der Absolution» zu feiern – mit Protagonisten von damals, die fast alle erschienen sind.

Ein Fläschchen als Erinnerung

Abgesehen davon, dass die Idee wunderbar angekommen ist, hat man sich längst wieder versöhnt und ist gemeinsam nicht wenig stolz darauf, das Problem damals in den Griff bekommen zu haben. Mit Hartnäckigkeit und Ausdauer, Verständnis und zuträglichem Druck, dem Fachwissen der geforderten Ingenieure, Chemo- und Biologen – und nicht zuletzt einer «Stange Geld», die Gamper in die Vorreinigung investiert hat. Auf der Terrasse der Sky-Lounge auf dem Mühliturm hoch über Matzingen nehmen sie alle, als Bestärkung des Nachweises, einen tiefen Atemzug durch die Nase, ohne diese zu rümpfen. Gemeindepräsident Walter Hugentobler lässt sich darum nicht lumpen. Er übergibt Gamper ein Fläschchen saubere Matzinger Luft. Braun gebrannt blinzelt alt Regierungsrat Ueli Schmidli in die Abendsonne in Richtung Ara. Er hatte in der brenzligen Lage 1995 seinem jungen Departementssekretär Marco Sacchetti das Kommando gegeben, eine Woche lang als Schnüffler bei der Kläranlage im Wohnwagen zu verbringen. «Macht endlich mal etwas», hätten erzürnte Versammlungsteilnehmer die Vertreter des Kantons aufgefordert, erinnert sich Sacchetti.

«Das war die beste PR-Aktion des Kantons überhaupt»

sagt DBU-Generalsekretär Marco Sacchetti heute. Sie half, die Wogen zu glätten. Die Parteien kamen sich dadurch näher, auch im wörtlichen Sinne. Er habe ständig Besuch gehabt von Anwohnern. Auch Gamper sei mit einer Flasche Wein zu Besuch gekommen. Das Geruchsprotokoll konnte Sacchetti daher nur lückenhaft führen, gesteht er: «Ab 22 Uhr habe ich dann gar nichts mehr ‚gschmöckt’.»

Lehrstück thurgauischen Pragmatismus’

Mit einem Olfaktometrie-Gerät, ausgestattet mit vier Schnüffelrohren, haben Probanden die Geruchsbelästigung gemessen, erinnert Robert Bösch, der erste Lufthygieniker des Kantons. 10000 bis 20000 sogenannte Geruchseinheiten waren es damals – 300 und damit ein gesetzeskonformer Wert sind es heute. Was heisst: Wird ein Kubik gasförmiger Schwefelwasserstoff mit 300 Kubikmeter Neutralluft «gestreckt», riecht niemand mehr auch nur einen Hauch von faulen Eiern. Wie Röbi Bösch, der immer noch glasklar und anschaulich zu erklären vermag, ist auch der Chronist inzwischen in Pension, dessen Titelage «Giftgaswolke über Matzingen» Thomas Gamper in Rage gebracht hatte: «Leicht übertrieben!», schmunzelt er heute.

Längst hat man sich wieder lieb. Was bleibt: ein Lehrstück thurgauischen Pragmatismus’, wie man ein Problem aus der Welt beziehungsweise aus der Luft schafft, und die Hefe Schweiz weiter am Markt bestehen kann. Bald übrigens mit einem neuen Backstudio.

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