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Und Friedrich ward in Frauenfeld nie mehr gesehen

Ein Habsburger Herzog versuchte, die Frauenfelder 1418 wieder zurück ins Hause Österreich zu holen. Dass das misslang, lag am reichen Tirol. Am Donnerstag, 14.Juni, ist im Schloss Frauenfeld die Buchvernissage von «Krise, Krieg und Koexistenz. 1415 und die Folgen für Habsburg und die Eidgenossenschaft»
Mathias Frei
Der Brief von Herzog Friedrich an die Frauenfeld vom 27.Juli 1418. (Bild: PD)

Der Brief von Herzog Friedrich an die Frauenfeld vom 27.Juli 1418. (Bild: PD)

Es war keine Brieffreundschaft, sondern der Versuch, die Stadt Frauenfeld wieder zurück ins Hause Habsburg zu holen. Aber dem Brief von Herzog Friedrich IV. von Habsburg war kein Erfolg beschieden – weil sich Friedrich die nächsten 21 Jahre, also bis zu seinem Tod nicht mehr im Thurgau blicken liess. Das Frauenfelder Bürgerarchiv verfügt über das originale Schreiben Friedrichs an die Stadt Frauenfeld. Es datiert vom 27.Juli 1418 und erlaubt einen neuen Blick auf die habsburgische Geschichte. Der Winterthurer Historiker Peter Niederhäuser hat zum besagten Schreiben geforscht. Dazu findet sich ein Aufsatz in der von ihm herausgegebenen Publikation «Krise, Krieg und Koexistenz. 1415 und die Folgen für Habsburg und die Eidgenossenschaft», die heute Abend im Schloss Frauenfeld Buchvernissage feiert.

"Die Folge waren unklare und unsichere Machtstrukturen gerade in Zwischengebieten wie dem Thurgau."
(Peter Niederhäuser, Historiker)

«Nun habt ihr immer wohl an uns und dem Haus von Österreich getan [...], und ihr habt euch immer als fromme, ehrbare und biedere Leute gehalten, so dass wir nicht zweifeln, wenn ihr die Wahl habt, dass ihr eingedenk der alten Treue bei uns und dem Haus von Österreich bleibt»: So heisst es in der von Niederhäuser modernisierten Fassung des Briefs an die Frauenfelder. Der Habsburger Herzog schmiert den Frauenfeldern Honig ums Maul. Denn faktisch ist Frauenfeld ab 1415 Reichsstadt, also direkt dem römisch-deutschen König unterstellt, «ohne wirklich autonom zu sein und ohne sich selbst je als Reichstadt zu bezeichnen», wie Niederhäuser festhält.

Als Erben der Kyburger traten die Habsburger 1265 erstmals im Thurgau in Erscheinung. Aber: «Habsburg übte im Thurgau eine vergleichsweise lockere und löchrige Herrschaft aus», schreibt Niederhäuser. Mit der nun veröffentlichten Aufsätzesammlung will der Historiker einen neuen Blick auf die Schweizer Geschichte entwickeln, weg vom Fokus auf den Aargau, den auch die internationale Geschichtsschreibung übernommen hat. Und es geht Niederhäuser darum, die verschiedenen Habsburger Regionalgeschichtsschreibungen zusammenzuführen. Weil überall strukturell ähnliche Herausforderungen herrschten, «im Thurgau waren es die Appenzeller, im Tirol die Adligen», wie er sagt. In der Rückschau relativiere dies die Macht der Habsburger. «Der Thurgau war Niemandsland. Es gab keine grossen Adelsfamilien mit überregionaler Wirkung».

Alt Bürgerarchivar Angelus Hux mit Historiker und Herausgeber Peter Niederhäuser, den Urkunden und dem Buch. (Bild: Mathias Frei)

Alt Bürgerarchivar Angelus Hux mit Historiker und Herausgeber Peter Niederhäuser, den Urkunden und dem Buch. (Bild: Mathias Frei)

«Friedrichs Brief an die Frauenfelder ist unspektakulär und deshalb umso interessanter», sagt Niederhäuser. Die Vorgeschichte ist folgende: Friedrich und König Sigismund hatten das Heu nicht auf der gleichen Bühne. 1415 am Konzil in Konstanz eskalierte der Streit, Friedrich floh. Kurze Zeit später unterwarf er sich dem König. Die Habsburger Ländereien standen zur Diskussion. So geriet zum Beispiel Frauenfeld in den Einflussbereich von Konstanz. 1418 kam es zwar zur Versöhnung zwischen Friedrich und dem König, die aber seitens Sigismund eher halbherzig gemeint war. Die Habsburger konnten ihre verlorenen Gebiete zurücklösen, brauchten aber das Einverständnis der betroffenen Untertanen. «Die Folge waren unklare und unsichere Machtstrukturen gerade in Zwischengebieten wie dem Thurgau, wo Habsburg schon vor 1415 keine dominante Stellung ausübte», schreibt Niederhäuser.

"Im Thurgau waren es die Appenzeller, im Tirol die Adligen."
(Peter Niederhäuser, Historiker)

Als Friedrich versucht, Frauenfeld mit dem Brief zurückzuholen, weilt er im Kloster Rheinau. «So wären wir gerne zu euch gekommen. Ihr liegt aber so, dass es uns nicht füglich ist (passt), wie ihr sicher selber merkt», schreibt Friedrich. Und danach lässt er sich im Thurgau nicht mehr blicken, weil er Innsbruck ab 1420 zur Residenz ausbaut. Zu der Zeit kommt im Tirol der Bergbau auf und macht die Region reich. Das Bild von Friedrich «mit den leeren Taschen» hat keine Berechtigung mehr. Aber weil zu jener Zeit Herrschaftslegitimation primär über die Präsenz vor Ort funktioniert, entgleitet ihm der Thurgau. «Je weiter weg der Herrscher, desto mehr Freiheiten», sagt Niederhäuser. Zwischen Frauenfeld und Innsbruck lag schon damals der Arlberg. Doch einen Tunnel gab es noch nicht.

Donnerstag, 14.Juni, 18 Uhr, Schloss Frauenfeld: Buchvernissage von «Krise, Krieg und Koexistenz. 1415 und die Folgen für Habsburg und die Eidgenossenschaft» mit Herausgeber Peter Niederhäuser. Im Anschluss Buchverkauf und Apéro. Der Eintritt ist frei.

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