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Thurgauer Ingenieur entwickelt kompostierbare Wanderjacke

Der Chemieingenieur Mario Stucki aus Felben-Wellhausen hat eine biologisch abbaubare Membran entwickelt, die bei Jacken eingesetzt werden soll. Hierfür erhielt er einen internationalen Preis, der mit 290'000 Franken dotiert ist.
Rahel Haag
Mario Stucki hat mit seiner Firma für Öko-Outdoorkleider aus Felben-Wellhausen einen wichtigen internationalen Preis gewonnen. Das Preisgeld kommt vom Unternehmen H&M. (Bild: Andrea Stalder)

Mario Stucki hat mit seiner Firma für Öko-Outdoorkleider aus Felben-Wellhausen einen wichtigen internationalen Preis gewonnen. Das Preisgeld kommt vom Unternehmen H&M. (Bild: Andrea Stalder)

Er hält ein unscheinbares Stück Stoff in den Händen. Oder genauer: eine Membran. Mario Stucki steht in seinem Labor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Hönggerberg. Seit rund sieben Jahren entwickelt der Chemieingenieur diese Membran. Zuerst im Rahmen der Masterarbeit, dann der Dissertation.

Das Material soll ein Paradoxon lösen. Denn Outdoor-Bekleidung wie Regenjacken enthalten Schadstoffe, die der Umwelt schaden. Das kann kaum im Interesse ihrer Träger sein, welche Zeit in der Natur geniessen möchten. Stuckis sogenannte Sane-Membran ist dagegen mineralbasiert und damit ungiftig, gar biologisch abbaubar. Das beeindruckte auch die Fachjury des «Global Change Awards». Anfang April belegte Stucki mit seiner Membran den zweiten Platz und erhielt ein Preisgeld von 250'000 Euro (rund 290'000 Franken).

Ein zweiköpfiges Start-up gegründet

«Das Preisgeld verschafft uns Luft», sagt Mario Stucki. Der 29-Jährige sitzt in der Cafeteria, vor sich eine Tasse Kaffee, «es sollte für rund ein Jahr reichen». Stucki hat alles auf eine Karte gesetzt. Um seine Membran weiterzuentwickeln, hat er das Start-up Dimpora gegründet. Seit knapp einem Jahr wird er von Anna Beltzung unterstützt. Die beiden haben gemeinsam studiert. «Wir ergänzen uns gut», sagt Stucki. Beltzung sei kommunikativ. Bei Messen könne sie beispielsweise ungehemmt auf Menschen zugehen und mit ihnen ins Gespräch kommen. «Ich bin da eher der ETH-Student.»

Der «Global Change Award» wurde 2015 von der H&M-Foundation ins Leben gerufen. Das schwedische Modeunternehmen hat allerdings nicht den Ruf, besonders nachhaltig zu sein. «H&M versucht, von diesem Image wegzukommen», sagt Stucki, «und etwas zu bewegen». Wenn er von der Preisverleihung in Stockholm erzählt, kommt er ins Schwärmen. Sie fand in der «Blue Hall» statt, wo jeweils die Nobelpreisgewinner zu Abend essen.

«Dass wir gewonnen haben, ist grandios.»

Stucki meint damit nicht nur das Preisgeld, sondern auch die Kontakte, die sie in Schweden knüpfen konnten. «H&M hat ein riesiges Netzwerk», sagt Stucki. So seien sie mit einem Produzenten aus Hongkong ins Gespräch gekommen. Noch dieses Jahr werde er nach China reisen. «Gleichzeitig bleiben wir völlig unabhängig.» Sie seien nicht an das Modeunternehmen gebunden. «Am Ende können wir unsere Jacken irgendeinem Unternehmen verkaufen.» Die Stiftung sei gemeinnützig und werde von der Stefan-Persson-Familie, der Haupteigentümerin der H&M-Gruppe, privat finanziert.

Die erste knisterte, die zweite zerbröselte

Zurück zur Membran. «Vereinfacht ausgedrückt, besteht sie aus einem Gemisch aus Kalkpartikeln und Polymeren», sagt Stucki. Polymere sind ein chemischer Stoff, der aus Makromolekülen besteht. Der Kalk sorge für eine poröse Struktur und werde in einem zweiten Schritt wieder entfernt. Die biologisch abbaubaren Polymere sorgen dafür, dass die Membran wasserdicht ist.

Seit Beginn seiner Forschung konnte Stucki zwei Prototypen herstellen. «Die erste Jacke war zu steif und knisterte bei jeder Bewegung.» Bei der zweiten sei die Membran mit der Zeit zerbröselt. «Aktuell warten wir auf die Lieferung des neuen Stoffs.» In den kommenden Monaten sollen weitere Prototypen entstehen.

«Noch müssen wir Geduld haben», sagt Stucki, «doch als nächstes sind erste Tests geplant». Er ist in Felben am Bach aufgewachsen. Schon als Kind habe er gefischt. «Das werde ich hoffentlich bald in einer unserer Jacken tun können.» 2020 soll die Jacke dann auf den Markt kommen. Erste Gespräche mit möglichen externen Investoren hätten sie bereits geführt. Ihr Ziel sei es, ein gutes und nachhaltiges Produkt zu produzieren, sagt Stucki und weiter:

«Wir wollen nicht auf einen kurzfristigen Hype setzen und ihn für unsere Zwecke nutzen.»

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