Umwelt
«Es geht darum, den Belastungswert zu senken»: Frauenfeld beseitigt Blei im Boden der Schiessanlage Schollenholz

Schützen schaffen Schadstoffe weg: Für eine knappe Million Franken sanieren die Stadtschützen und die Armasuisse die belasteten Kugelfänge im Schollenholz.

Samuel Koch
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Das Schiessgelände beim Schützenhaus Schollenholz, das ohne Pandemie jeweils auch Motocrossrennen dient.

Das Schiessgelände beim Schützenhaus Schollenholz, das ohne Pandemie jeweils auch Motocrossrennen dient.

Bild: Mario Gaccioli (Frauenfeld,
8. April 2020)

Ein letzter Schuss über 300 Meter, ein lauter Knall. Anzeige der Punktezahl abwarten, Magazin raus, Entladen gemäss Sicherheitsvorschriften. Ein Vorgang, der sich alleine in der Schiessanlage Schollenholz jährlich tausendfach wiederholt. Deshalb steht dort demnächst eine umfangreiche Sanierung bevor. Denn mit jedem Schuss, der durch eine der vielen Zielscheiben zischt und im Boden verschwinden, landen dort auch Altlasten wie Blei und Antimon.

Jetzt schaffen die Verantwortlichen die abgelagerten Schadstoffe in den Kugelfängen für Distanzen von 300, 50 und 25 Metern weg. Das ist einem Baugesuch der Frauenfelder Stadtschützen zu entnehmen, das noch bis am Mittwoch, 28. April, beim Amt für Hochbau und Stadtplanung öffentlich aufliegt.

Im Schollenholz liegen aber nicht bloss Hobbyschützen in den Schiessständen, sondern vor allem auch Militärangehörige. «Die Armee ist ganzjähriger Hauptnutzer der Schiessanlagen», sagt Markus Kutter, Obmann bei den Stadtschützen. Deshalb zielt die jetzige Sanierung darauf ab, diesen Herbst umgesetzt werden zu können. Kutter sagt:

«Dann sind wegen des Umbaus der Kaserne Auenfeld nur wenige Einheiten auf Platz, weshalb wir dann ein gutes Zeitfenster haben.»
Markus Kutter, Obmann Frauenfelder Stadtschützengesellschaft.

Markus Kutter, Obmann Frauenfelder Stadtschützengesellschaft.

Bild: Andrea Stalder

Zeitlichen Druck gibt's zudem aus Bern. Denn der Bund befeuert die Altlastenbearbeitung durch Gelder aus dem sogenannten Vasa-Fonds. Und diese Beiträge aus einer Spezialfinanzierung haben ein Ablaufdatum.

Bund beteiligt sich mit Geldern aus Fonds

Im Fall der Sanierung der Schiessanlage Schollenholz, die im Verhältnis 7:3 den Stadtschützen sowie der Armasuisse gehört, fliessen 488'000 Franken aus dem Vasa-Topf an die Gesamtsumme von rund 960'000 Franken, wie Stadtbaumeister Christof Helbling weiss. Die restliche Summe teilen sich Stadtschützen, Armasuisse, Stadt und Polizei untereinander auf. «Der Kostenschlüssel ergibt sich nach dem Verursacherprinzip», sagt Helbling. Je höher also die Anzahl abgegebener Schüsse, die allesamt protokolliert sind, desto höher die Kostenbeteiligung.

Christof Helbling, Leiter Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Christof Helbling, Leiter Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Bild: Andrea Stalder

Trotz bevorstehender Kugelfangsanierungen bleiben die Zielhänge im Schollenholz im Kataster für belastete Standorte. Dort soll nämlich in Zukunft weiterhin scharf geschossen werden. Eine Totalsanierung mit anschliessender Entlastung aus dem Kataster kommt deshalb nicht in Frage. Helbling sagt:

«Es geht darum, den Belastungswert zu senken, um dem Umweltschutzgesetz gerecht zu werden.»

Gemäss Altlastenverordnung gilt als dringend sanierungsbedürftig, wenn der Bleigehalt im Boden über einem Wert von 2000 mg/kg liegt. Und einzelne Abschnitte vor und hinter dem Zielgraben der 300-Meter-Schiessanlage aus dem Jahr 1909 mit mittlerweile 50 Scheiben weisen derzeit einen höheren Wert auf. Ebenso beim 50-Meter-Scheibenstand aus dem Jahr 1957 und beim Erdkugelfang der 25-Meter-Anlage aus den 70er-Jahren. Hinter dem Scheibenstand der 300-Meter-Anlage reichen die Belastungswerte zum Teil meterweit bis in den Wald hinein. Dort soll aber laut Informationen aus dem Baugesuch nichts saniert werden.

Die 300-Meter-Scheibe im Visier: Ein Schütze zielt im Schollenholz.

Die 300-Meter-Scheibe im Visier: Ein Schütze zielt im Schollenholz.

Bild: Donato Caspari (Frauenfeld,
28. Juni 2019)

Humus ersetzt belastetes Material

Insgesamt sollen über 800 Kubikmeter des belasteten Materials ausgehoben und nach einer Triage durch eine Fachperson als Sonderabfall regelkonform entsorgt werden. Ist das belastete Material weg, werden die Kugelfänge mit neuem Aushubmaterial und Humus wieder hergestellt und mit zusätzlichen Aufschüttungen für mehr Sicherheit ergänzt. Der Kiesweg hinter dem Zielgraben soll als Unterhaltsstrasse eingerichtet werden.

Für die Stadtschützen ist die Kugelfangsanierung ein grosser Lupf. Obmann Markus Kutter sagt:

«Unser Projektleiter Ernst Müller ist seit Wochen täglich mit Planungen beschäftigt.»

Denn das Ziel vor Augen ist klar: Der Bleigehalt im Boden soll mit der im Oktober und November vorgesehenen Sanierung so gesenkt werden, dass Schützen im Schollenholz auch in Zukunft wieder laden, zielen und Schüsse abfeuern können. «Wir sanieren, was wir zwingend sanieren müssen», sagt Kutter. Danach steigt der Bleigehalt im Boden wieder an, Schuss für Schuss.

Das Eidgenössische Schützenfest der Jugendlichen hat auch im Schützenhaus Schollenholz stattgefunden.

Das Eidgenössische Schützenfest der Jugendlichen hat auch im Schützenhaus Schollenholz stattgefunden.

Bild: Donato Caspari (Frauenfeld,
28. Juni 2019)