Umwelt
Die Eingaben zur Thur haben sich aufgestaut – Projekt zur Renaturierung bekommt Verspätung

Die Überarbeitung des Generationenprojekts der Thur-Renaturierung braucht mehr Zeit als vorgesehen. Die Planungsgrundlage für die Gestaltung des zukünftigen Flusslaufs wird erst im kommenden Jahr vorgelegt.

Silvan Meile Jetzt kommentieren
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Die begradigte Thur bei Müllheim.

Die begradigte Thur bei Müllheim.

PD

Es fliesst noch mehr Wasser die Thur hinunter als gedacht, bis das überarbeitete Generationenprojekt der Thur-Renaturierung dem Regierungsrat unterbreitet wird. Der Aufwand für die Bereinigung der Unterlagen wie des technischen Berichts und der verschiedenen Pläne, die zum Konzept Thur+ gehören, sei umfangreicher als ursprünglich angenommen. Das erklärt Martin Eugster, Chef des Thurgauer Amtes für Umwelt, auf Anfrage.

Ende des vergangenen Jahres endete die Vernehmlassung des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts der Thur. Daraus entsteht ein Konzept, das einst die behördenverbindliche Planungsgrundlage für die etappenweisen Renaturierungsprojekte der Thurgau zwischen Bischofszell und der Zürcher Kantonsgrenze sein wird. Das wirft hohe Wellen.

Mit 1300 Stellungnahmen ist das kantonale Amt für Umwelt während der letztjährigen Vernehmlassung geflutet worden. Die meisten Eingaben kamen von Umweltschützern. Doch auch Bauern beteiligten sich aktiv mit Kritik und Vorschlägen. Ursprünglich sollten die Unterlagen bis Herbst 2021 überarbeitet sein. Dabei hätten auch Stellungnahmen einfliessen sollen. Nun stauen sich diese aber noch und verspäten das Projekt. Eugster sagt:

«Das Amt für Umwelt geht davon aus, dass das Konzept Thur+ und der dazugehörige Mitwirkungsbericht im zweiten Quartal 2022 dem Regierungsrat vorgelegt werden können.»

Im Mitwirkungsbericht werde dokumentiert, wie mit den Eingaben während der Vernehmlassung konkret umgegangen werde.

Um was geht es?

Mit dem Projekt Thur+ soll der Fluss in den nächsten 30 Jahren renaturiert werden, sich in einem definierten Rahmen entfalten können und dadurch mehr Platz bekommen. Fixpunkt bleiben auf den meisten Abschnitten die bestehenden Aussendämme. Biologische Vielfalt soll aufblühen, einzelne Auenwälder wieder dem Gewässerraum der Thur angehören. Die Kosten für dieses Generationenprojekt werden auf 340 Millionen Franken geschätzt. Bund, Kanton und betroffene Gemeinde beteiligen sich daran. Nebst der ökologischen Aufwertung steht vor allem der Hochwasserschutz im Zentrum. Die Thur soll zumindest ein Teil ihres ursprünglichen Raums zurückerhalten. Seit dem 19. Jahrhundert fliesst sie auf weitesten Strecken eng kanalisiert durch den Kanton. (sme)

Im Kampf um die Zukunft des Flusslaufes der Thur stehen sich die Landwirtschaft und Umweltverbände gegenüber. Die Bauern beklagen den Verlust von bestem Ackerland und fordern den Kanton auf, zurückzurudern und das Projekt zu redimensionieren. Existenzen von Landwirten und die Ernährungssicherheit stünden auf dem Spiel.

Die Verbände Pro Natura, WWF, Aqua Viva, Birdlife und der Fischerverband möchten der Thur hingegen mehr Platz zugestehen, als es der Kanton beabsichtigt. Der Hochwasserschutz reiche so nicht aus. Auch aus ökologischer Sicht genüge das Konzept nicht.

Vernehmlassungsteilnehmer tappen im Dunkeln

Die Teilnehmer der Vernehmlassung sind aktuell im Ungewissen, ob ihre Anregungen beim Kanton Gehör finden. Hans Sempach von der Neuen Bauernkoordination (NBKS), die eine umfangreiche Stellungnahme abgab, sagt, er habe vom Kanton noch keine Reaktion vernommen. Auch von Seiten der Umweltverbände ist nicht klar, welche ihrer Kritikpunkte in die Überarbeitung einfliessen könnten. «Wir tappen im Dunkeln», sagt Christian Hossli von der Interessengemeinschaft Lebendige Thur, in der sich die Umweltverbände in dieser Frage gemeinsam formieren. «Es wäre nicht ideal, wenn wir plötzlich vor vollendeten Tatsachen stehen und keine Möglichkeit mehr haben zu reagieren.»

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