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Damit der Regen dort abfliesst, wo er darf: Der Frauenfelder Stadtrat hat die neue Generelle Entwässerungsplanung genehmigt, jetzt liegt der Ball beim Kanton

Eine Planung der Entwässerung hilft nicht nur, gegen Hochwasser gewappnet zu sein, sondern unterstützt auch die Reinigungsleistung der ARA. Im Einzugsgebiet des regionalen Abwasserverbands steht die zweite Planungsgeneration kurz vor Abschluss.

Mathias Frei
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Sommer 2018: Der Stadtbach in Frauenfeld führt trockenheitsbedingt kaum Wasser.

Sommer 2018: Der Stadtbach in Frauenfeld führt trockenheitsbedingt kaum Wasser.

Bild: Andrea Stalder

Es ist wieder mal Zeit geworden. Die erste Generation der Generellen Entwässerungsplanung, der GEP, in Frauenfeld stammt aus dem Jahr 2005. «Sicher alle 15 Jahre gibt es eine umfassende GEP-Überarbeitung.» Das sagt David Zimmerli. Er und sein Vorgänger Bernhard Scheiwiller waren als Betriebsleiter des Abwasserverbands Region Frauenfeld (AVRF) Gesamtprojektleiter für die neue Planung der Entwässerung im Einzugsgebiet der ARA Frauenfeld.

Die Generelle Entwässerungsplanung zielt vorab auf das Regenwasser ab. Sie lehnt sich dabei an die Kapazität der Zuleitung der ARA an. Der private Wasserverbrauch ist dagegen marginal im Vergleich zu den Niederschlägen. Und Wasser aus der Industrie kommt sowieso in die ARA.

«Wenn es regnet, kann je nach Menge nicht alles Wasser direkt in die ARA geleitet werden. Das Abwasser wird zurückgehalten oder kann auch in ein Gewässer abgeleitet werden. Unverschmutztes Abwasser soll möglichst versickern oder in einen Vorfluter eingeleitet werden.»
ARA-Betriebsleiter David Zimmerli.

ARA-Betriebsleiter David Zimmerli.

Bild: Andrea Stalder

So erklärt es Zimmerli. Der GEP lege also fest, wie ein definiertes Gebiet entwässert werde inklusive Zustand der Einleitstellen in die Gewässer. Das wiederum sei massgebend für die Dimensionierung der Misch- und Regenabwasserleitungen. Ein geeignetes Entwässerungskonzept optimiere die Reinigungsleistung der Abwasserreinigung.

Für zwei Teilprojekte braucht es den Segen des DBU

Die neue GEP ist in den Jahren 2016 bis 2019 erarbeitet worden. Sie besteht aus sieben Teilprojekten. Fünf dieser Bereiche kann der Stadtrat selber genehmigen. Das ist bereits erfolgt. Danach ist noch die Zustimmung des kantonalen Amts für Umwelt notwendig. In zwei Teilprojekten, die eigentümerverbindliche Angaben enthalten, braucht es eine öffentliche Auflage und danach den Segen des Departements für Bau und Umwelt (DBU).

Langfristige Massnahmen kosten am meisten

Die Generelle Entwässerungsplanung führt in einer Tabelle etwaige Massnahmen, die Verantwortlichkeit, Dringlichkeit und den Finanzbedarf auf. Mit Priorität M0 sind sehr dringende Massnahmen gekennzeichnet, die in weniger als zwei Jahren realisiert werden sollen. Hier liegt der Mittelbedarf bei 1,16 Millionen Franken. Weitere Priorisierungen sind unterteilt in dringend (in drei bis vier Jahren), mittelfristig (in fünf bis sieben Jahren), langfristig (in sieben bis zehn Jahren) und warten (mehr als zehn Jahre). Am meisten Finanzbedarf sieht die GEP in der Priorität langfristig mit 9,56 Millionen. Die Kostenschätzung für die Massnahmen im Total liegt bei 21,6 Millionen Franken. (ma) 

Zimmerli rechnet damit, dass die öffentliche Auflage noch im Februar erfolgt. Im Frühling erwartet er die Genehmigung des DBU. Aber er sagt auch:

«Der GEP ist eine rollende Planung, welche laufend nachzuführen ist.»

Denn diese Planung sei behördenverbindlich. Eigentümerinnen und Eigentümer von Liegenschaften müssen sich im Zuge von baulichen Veränderungen an die im GEP festgelegten Abflussbeiwerte halten.

Das Einzugsgebiet des AVRF.

Das Einzugsgebiet des AVRF.

Bild: PD

Die Datenmenge steigt stetig an

Das Teilprojekt 1 befasst sich mit der Datenbewirtschaftung. Zimmerli spricht von einer stark steigenden Datenmenge. Beim Teilprojekt 2 geht es um die Kanalisation, also einen Anlagenkataster, wo Zustand, Sanierung und Unterhalt aller Abwasseranlagen festgehalten sind. Die gezielte Werterhaltung der Infrastrukturanlagen diene der Sicherheit und sei von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Mittels Kanal-TV sei die Zustandserhebung bereits unabhängig von der GEP erfolgt.

Infrastrukturanlagen der ARA Frauenfeld.

Infrastrukturanlagen der ARA Frauenfeld.

Bild: PD

Im dritten Teilprojekt stehen die Gewässer im Mittelpunkt. Da geht es zum Beispiel um das Netz der kanalisierten Gewässer, um die Gewässereinzugsgebiete sowie darum, wo und wann Wasser in einen Bach eingeleitet werden kann.

Teilprojekt 4 dreht sich um die Gefahrenvorsorge. Es geht etwa um Massnahmen, die man bei einem Schadenereignis treffen muss, um eine Gewässerverschmutzung zu verhindern. Dem Fremdwasser ist das Teilprojekt 5 gewidmet. Dabei handelt es sich um stetig anfallendes, nicht verschmutztes Abwasser (unter anderem Grundwasser, Quellwasser oder Sickerwasser), das die ARA unnötig belastet und dadurch die Reinigungsleistung reduziert.

Die ARA Frauenfeld.

Die ARA Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Bei der Abwasserversorgung im ländlichen Raum (TP 6) geht es zum Beispiel um Bauernbetriebe, die nicht an die öffentliche Kanalisation angehängt sind. Im siebten und letzten Teilprojekt findet sich die Massnahmenpriorisierung, und es geht um den Finanzbedarf.