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Umstrittene Autobahn, ungelöster Fluglärmstreit: Thurgauer Generalsekretär blickt auf 30 Berufsjahre zurück

Seit 30 Jahren arbeitet Marco Sacchetti beim kantonalen Departement für Bau und Umwelt. Im Gespräch blickt er auf den Bau der A7 zurück, der umstritten war. Er erzählt auch, wieso er den Bund im Dossier Fluglärm nicht als verlässlichen Partner erlebt.
Kurt Peter
Marco Sacchetti ist Generalsekretär im Departement für Bau und Umwelt von Regierungsrätin Carmen Haag. (Bild: Andrea Stalder)

Marco Sacchetti ist Generalsekretär im Departement für Bau und Umwelt von Regierungsrätin Carmen Haag. (Bild: Andrea Stalder)

Marco Sacchetti, Sie arbeiten seit 30 Jahren beim Kanton. Wie wird Ihrer Meinung nach die Zukunft des Thurgaus aussehen?

Die grösste Herausforderung ist die kontrollierte Entwicklung. Wir müssen dem Wachstum Rechnung tragen, indem wir die Infrastruktur so gestalten, dass sie funktioniert, unser Kapital, die Dörfer, Städte und Landschaft aber nicht vernichtet.

Wie kann das gewährleistet werden?

Der Richtplan gibt uns die Möglichkeit, planerisch die richtigen Impulse zu setzen. Sorge bereitet mir die Tatsache, dass der Staat fast nur noch Servicefunktionen übernimmt. Unser Thurgauer Erfolgsmodell lebt vom Engagement der Mitbürger. Leider überwiegen immer öfter Einzelinteressen, Egoismus und fehlende Kompromissbereitschaft.

Ich wünschte mir wieder etwas mehr Einsatz zum Wohl der Gemeinschaft.

Wie hat Ihre Karriere beim Kanton begonnen?

Ich kam im Juli 1988, im zarten Alter von 29 Jahren, in den Rechtsdienst des damaligen Baudepartements. Bereits nach dreieinhalb Monaten wurde ich interimistisch zum Departementssekretär und damit zum Stabschef des Departementes ernannt. Der damalige Regierungsrat Ueli Schmidli hatte anfangs noch verständliche Bedenken wegen meiner Jugend. Anscheinend hatte ich meine Sache aber nicht schlecht gemacht, denn per Juli 1989 wurde ich definitiv zum Departementssekretär gewählt.

Welches waren Ihre ersten Aufgaben?

Als ich mein Amt antrat, waren die Probleme rund um den Umweltschutz akut und sehr aktuell. Der sogenannte «Abfall-Notstand» war in aller Munde. Der Kanton suchte gemeinsam mit den Gemeinden verzweifelt nach neuen Standorten für Deponien und eine neue Kehrichtverbrennungsanlage. Auch das kantonale Abfallgesetz wurde damals erarbeitet. Es enthielt innovative Bestimmungen, die später auch ins Bundesrecht überführt wurden.

Das Departement hatte in den 1990er Jahren den Bau der A7 zu realisieren. Ein schon im Vorfeld umstrittenes Bauprojekt. Wie beurteilen Sie diese Aufgabe rückblickend?

Der Bau der A7 war tatsächlich eine faszinierende Aufgabe. Umstritten war vor allem der Abschnitt von Schwaderloh bis zur Landesgrenze. Ursprüngliche Planungen hatten eine oberirdische, sogar auf Stelzen geführte Autobahn mit Raststätte auf dem Seerücken vorgesehen. Alle diese Pläne wurden nach ausführlichen Diskussionen und harten Auseinandersetzungen aber nicht verwirklicht. Die Tunnellösung überzeugte und heute sind alle froh, dass die A7 diese Landschaft unter nationalem Schutz nicht zerschneidet.

Das ist das Faszinierende an meiner Aufgabe: Vor Ort mit den Betroffenen diskutieren, Lösungen anbieten und Kompromisse finden.

Keine Lösung wurde bisher im Fluglärmstreit gefunden.

Dieses Dossier übernahmen wir vom Departement für Justiz und Sicherheit, wo es damals ruhte und kaum Fragen aufwarf. Das änderte sich dann aber bald und gründlich. Die Deutschen pochten auf die Einhaltung einer damals gültigen Verwaltungsvereinbarung zwischen Deutschland und der Schweiz, welche die Anflüge von Deutschland her regelte. Bis heute sind alle Versuche gescheitert, die Angelegenheit staatsvertraglich zu lösen.

Was kann der Kanton da tun?

Für den zuvor gänzlich vom Fluglärm verschonten Thurgau brachte dieser Streit eine deutliche Belastung und es ist zu befürchten, dass diese noch zunehmen wird. Der Bund hat uns zwar immer wieder eine faire Verteilung des Luftverkehrs versprochen, hat das aber nie umgesetzt. Als verlässlichen Partner habe ich den Bund in dieser Sache jedenfalls nicht erlebt. Aber bei aller Diskussion zu diesem Thema: Der Flughafen Zürich ist ein grosser Standortvorteil für den Thurgau und von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Welche Projekte werden Sie nicht mehr im Amt ausführen können?

Der Bau der Bodensee-Thurtalstrasse und der Oberlandstrasse wird wohl erst nach meiner Pensionierung in Angriff genommen. Ich habe die Planungen und politischen Diskussionen intensiv begleitet. Egal, was man von den Projekten hält, für mich sind sie ein hervorragendes Beispiel, wie komplexe Probleme in interdisziplinärer Zusammenarbeit gelöst werden können. Anders als früher beschäftigen sich heute zahlreiche Fachabteilungen mit den Projekten, es wird kein Strich mehr einfach durch die Landschaft gezogen. Pläne und Projekte werden vor einer Entscheidung sehr sorgfältig aufeinander abgestimmt. Unser Departement mit seinen zahlreichen Fachexperten ist eine eigentliche Wissensburg, auch wenn man uns das nicht immer glauben will.

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